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Wissenschaft

Und wenn die ägyptischen Pyramiden mit Wasser gebaut wurden? Eine Theorie, die Jahrhunderte an Überzeugungen erschüttert

Seit Jahrhunderten geben die Pyramiden Ägyptens Archäolog:innen und Historiker:innen Rätsel auf. Gigantisch, imposant – und mit den damaligen Mitteln scheinbar kaum zu errichten. Endlose Rampen und erschöpfte Sklaven? Vielleicht nicht. Eine neue Studie bringt nun eine überraschende Theorie ins Spiel: Die alten Ägypter könnten ein raffiniertes hydraulisches System genutzt haben, um ihre monumentalen Bauwerke zu errichten. War Wasser der Schlüssel zu diesen steinernen Kolossen?
Von Thomas Handley Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Das Rätsel der Djoser-Pyramide: Ein hydraulischer Aufzug vor 4.500 Jahren?

Eine neue Forschung, veröffentlicht in der Fachzeitschrift PLOS ONE, legt nahe, dass die Stufenpyramide von Djoser, über 4.500 Jahre alt, nicht ausschließlich mit Rampen und Hebeln gebaut wurde – wie bisher angenommen. Xavier Landreau, Forscher am paläotechnischen Institut CEA in Frankreich, stellt eine Hypothese auf, die mit der traditionellen Sichtweise bricht: Die Ägypter könnten das Wasser aus nahegelegenen Kanälen genutzt haben, um einen Auftrieb-Mechanismus zu aktivieren, mit dem sie die Steinblöcke anhoben.

Laut Studie dienten zwei Schächte im Inneren der Struktur als hydraulisches Hebesystem: Mit Wasserdruck wurden die Steinplatten auf höhere Ebenen transportiert. Diese Theorie deutet darauf hin, dass die alten Ägypter über ein weit fortschrittlicheres Verständnis von Hydraulik verfügten, als man ihnen bisher zugestanden hatte.

Wasser und Stein: Eine Zivilisation mit hydraulischem Know-how

Die Forscher:innen betonen, dass die Ägypter die Hydraulik bereits kannten – etwa beim Bewässern oder beim Transport von Steinen per Schiff. Doch der Gedanke, dass sie diese Technik auch für den Pyramidenbau nutzten, stellt unsere bisherige Sichtweise auf antike Technologie auf den Kopf.

Bisher galt die Rampentheorie als einzig praktikable Möglichkeit, tonnenschwere Steinblöcke in luftige Höhen zu befördern. Das neue Modell hingegen schlägt vor, dass Druckwasser gezielt eingesetzt wurde, um schwere Steine effizient und kontrolliert zu heben.

Das Rätsel des vergessenen Damms und des Filtersystems

Landreaus Untersuchung geht noch weiter: Eine nahegelegene Struktur, bekannt als das „Gisr el-Mudir“-Areal, könnte als Staudamm gedient haben. Diese Anlage hielt Wasser und Sedimente zurück und bildete ein Filtersystem, das einen konstanten und sicheren Wasserfluss zur Pyramide ermöglichte.

Vor der Pyramide wurden außerdem Bodenaushöhlungen identifiziert, die als Sedimentreservoirs gedient haben könnten. Diese hätten den kontinuierlichen Wasserfluss gewährleistet – eine Grundvoraussetzung, um den nötigen Druck im Hebesystem aufrechtzuerhalten.

Wurde diese Technik auch bei anderen Pyramiden angewandt?

Die nächste Herausforderung für die Forschung besteht darin zu klären, ob diese Methode auch bei anderen Pyramiden – etwa der Großen Pyramide von Gizeh – zum Einsatz kam. So faszinierend die Theorie auch ist, räumen die Autor:innen selbst ein, dass noch keine abschließenden Beweise vorliegen.

Sollte sich der hydraulische Pyramidenbau jedoch bestätigen, müsste die Geschichte der ägyptischen Baukunst womöglich umgeschrieben werden. Es wäre ein Beweis dafür, dass die Menschen am Nil über weit fortgeschrittene Technologien verfügten – lange bevor wir ihnen das zugetraut hätten.

Ein neues Kapitel in der Geschichte Ägyptens

Auch wenn noch viele Fragen offen sind, könnte diese Entdeckung zu einem völlig neuen Verständnis der ägyptischen Ingenieurskunst führen. Die Pyramiden, die über Jahrhunderte hinweg Theorien widerstanden, könnten nun beginnen, ihre verborgenen Geheimnisse preiszugeben. Haben wir womöglich den Einfallsreichtum dieser uralten Zivilisation all die Jahre unterschätzt?

Quelle: La Razón

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