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Trumps neue Zölle schließen eine Gesetzeslücke, die von Temu und SHEIN genutzt wurde

Wie bei allem derzeit herrscht auch hier viel Verwirrung.
Von Thomas Maxwell Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Präsident Trump hat – wie angekündigt – am Wochenende einen Zollkrieg ausgelöst, der sofortige Reaktionen von einigen der engsten Verbündeten der USA nach sich zog. Unter der neuen Zollpolitik, die faktisch neue Steuern auf importierte Waren aus Kanada, Mexiko und China erhebt, wird erwartet, dass Amerikaner mehr für Alltagsprodukte wie Ahornsirup und PC-Hardware zahlen müssen.

Die Zollpolitik hat parteiübergreifende Kritik hervorgerufen, wobei unter anderem Rand Paul und Mitch McConnell sich gegen die Maßnahmen ausgesprochen haben. Ein möglicher positiver Aspekt ist jedoch, dass es Temu und SHEIN schwerer haben werden, Teenagern weiterhin Wegwerfprodukte aus China zu verkaufen, von denen einige möglicherweise unter Zwangsarbeit hergestellt werden.

Ende der „De-minimis“-Regel: Höhere Kosten für chinesische Billigimporte

Die von Trump am Wochenende verkündete Exekutivanordnung verhängt Zölle von 25 % auf Waren aus Kanada und Mexiko sowie einen zusätzlichen Zoll von 10 % auf Importe aus China. Als Begründung dient unter anderem das Argument, dass diese Länder nicht genug für die nationale Sicherheit ausgegeben hätten. Außerdem hebt die Verordnung ausdrücklich die sogenannte De-minimis-Regelung auf, die es ermöglichte, Pakete mit einem Wert unter 800 US-Dollar zollfrei in die USA zu versenden. Diese Regelung erlaubte es insbesondere chinesischen Onlinehändlern wie Temu und SHEIN, Produkte direkt an US-Kunden zu versenden, ohne viele Gebühren zahlen zu müssen.

Ein weiterer Streitpunkt der letzten Jahre war die Praxis der US-Post (United States Postal Service), chinesischen Kunden niedrigere Gebühren für den Versand in die USA zu berechnen als für Inlandsversand innerhalb der Vereinigten Staaten. Ironischerweise war es oft günstiger, ein Paket aus China in die USA zu versenden, als ein Paket von einem Bundesstaat in einen anderen zu schicken.

Beide Faktoren haben das rasante Wachstum von Temu und SHEIN erheblich begünstigt. Diese Unternehmen konnten durch die schnelle Identifizierung populärer Trends in den USA und die zügige Produktion billiger Nachahmungen enorme Marktanteile gewinnen. Ihre Geschäftsstrategie basiert auf Künstlicher Intelligenz und aggressivem Social-Media-Marketing. Im Grunde sind sie die moderne Version von H&M oder Forever 21 – nur mit einem noch schnelleren Produktionszyklus. Laut eMarketer wird Temu allein im Jahr 2025 Produkte im Wert von 30 Milliarden US-Dollar in den USA verkaufen.

TikTok und Amazon haben als Reaktion auf den Aufstieg chinesischer Discount-Händler eigene Budget-Shops eröffnet. Walmart, das Drittanbietern erlaubt, Produkte über seine Website zu verkaufen, hat ebenfalls einen Zustrom günstiger Waren erlebt, die Luxusmarken wie die Hermès Birkin-Tasche nachahmen, aber zu deutlich niedrigeren Preisen angeboten werden. Unabhängig vom jeweiligen Händler stammen die meisten dieser Produkte weiterhin aus China.

Viele der von Temu und SHEIN verkauften Produkte sind natürlich billig und kurzlebig. Die für 3 US-Dollar erhältlichen Ohrringe oder 5-Dollar-Kleider von SHEIN bestehen oft aus minderwertigen Materialien und landen nach wenigen Einsätzen im Müll. Diese Plattformen ermöglichen es Teenagern jedoch, die angesagten Styles ihrer Lieblings-Influencer zu günstigen Preisen zu ergattern. Ungeachtet aller umweltbezogenen Bedenken bleibt der Preis für Konsumenten das wichtigste Kriterium. Wer sich an die Ära von Forever 21 erinnert, weiß, dass sich dieser Konsumzyklus mit jeder Generation wiederholt. Sobald Menschen anfangen, eigenes Geld zu verdienen, erkennen sie, dass ein paar hochwertige Kleidungsstücke besser sind als zwanzig minderwertige.

Steigende Preise, aber kein Ende für Temu und SHEIN

Obwohl diese chinesischen Unternehmen in vielerlei Hinsicht problematisch sein mögen und besondere Aufmerksamkeit verdienen, birgt Trumps umfassende Zollpolitik das Risiko, vor allem einkommensschwache Amerikaner zu benachteiligen, indem sie Alltagsprodukte verteuert. Beide Aussagen können gleichzeitig wahr sein.

Leider bedeutet die Schließung des De-minimis-Schlupflochs nicht, dass Temu und SHEIN vom Markt verschwinden werden. Beide Unternehmen haben ihre Abhängigkeit von dieser Versandlücke in den letzten Jahren schrittweise reduziert – teils, weil sie erkannten, dass solche Tricks langfristig nicht nachhaltig sind, und teils, weil das aktuelle Modell des Direktversands für Kunden Wartezeiten von bis zu zehn Tagen mit sich bringt. Dies wollten die Unternehmen verbessern.

Statt jedes Paket einzeln an Kunden zu verschicken, versenden Temu und SHEIN mittlerweile große Warenmengen in Lagerhäuser in den USA. Dadurch unterliegen diese Produkte nun den 10 % Zöllen – eine Mehrbelastung, die höchstwahrscheinlich an die Verbraucher weitergegeben wird.

Skeptiker bezweifeln zudem, dass der US-Zoll (Customs and Border Protection) über die nötigen Ressourcen verfügt, um jedes einzelne Paket zu kontrollieren, insbesondere die oft sehr kleinen Sendungen von Temu und SHEIN. Das bedeutet, dass die neue Politik zwar gewisse Hürden schafft, aber der Zustrom an Billigprodukten wahrscheinlich nicht vollständig gestoppt wird.

Kurz gesagt: Die neuen Zölle könnten dazu führen, dass Produkte von Temu und SHEIN teurer werden, doch ein Ende der chinesischen Billigmode in den USA ist damit noch lange nicht in Sicht.

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