Noch mehr Zeit für den „TikTok-Deal“
„Meine Regierung arbeitet hart an einem Deal, um TIKTOK ZU RETTEN“, schrieb Trump in gewohnter Großschreibung. „Wir haben große Fortschritte gemacht, aber es braucht noch mehr Zeit für alle Genehmigungen. Deshalb unterschreibe ich eine Executive Order, um TikTok weitere 75 Tage am Leben zu halten.“
Das neue Ablaufdatum ist nun der 19. Juni 2025. Die vorherige Frist lief am 5. April aus – ursprünglich sollte TikTok schon im Januar gesperrt werden, nachdem kein rechtzeitiger Verkauf zustande kam. Trump griff jedoch kurzerhand ein und reaktivierte die Plattform.
Handel, Zölle und ein Crash am Aktienmarkt
Doch TikTok ist nur Teil eines größeren geopolitischen Spiels. Trump erklärte auf Truth Social, dass China „nicht glücklich“ über die neuen US-Zölle sei. Diese hatte er Anfang der Woche überraschend auf praktisch alle Länder der Welt ausgeweitet – mindestens 10 % auf alle Importe, für China sogar insgesamt 54 %. Die Folge: Der Dow Jones rauschte um über 1.600 Punkte ab, China kündigte umgehend 24 % Gegenzölle auf US-Waren an.
Trotz allem bezeichnete Trump die Zölle als „mächtigstes wirtschaftliches Werkzeug“ und „wichtig für unsere nationale Sicherheit“.
Verfassungsbruch? Trump bleibt Eigentümer von Truth Social
Brisant: Trump verkündete die TikTok-Verlängerung über Truth Social – eine Plattform, die er weiterhin besitzt, obwohl die US-Verfassung (genauer gesagt die Emoluments Clause) untersagt, dass Präsidenten persönlich von ihrem Amt profitieren. Doch wie so oft scheint Trump diese Regel schlicht zu ignorieren.
Noch kurioser: In einem Video auf derselben Plattform behauptete er, den aktuellen Börsencrash absichtlich ausgelöst zu haben.
Wer will TikTok kaufen – und darf es das überhaupt?
Aktuell gibt es mehrere angebliche Interessenten: Amazon, Oracle, Investor Kevin O’Leary und sogar YouTuber Mr. Beast haben laut Medienberichten Gebote abgegeben. Doch der wichtigste Teil der Plattform bleibt ein Problem: der TikTok-Algorithmus.
China betrachtet diesen als strategisch relevante Technologie und verbietet per Gesetz dessen Export in sogenannte „gegnerische Staaten“. ByteDance könnte theoretisch die Marke TikTok verkaufen – aber ohne Algorithmus wäre das wie ein Ferrari ohne Motor: schick, aber nutzlos.
Politischer Showdown mit offenem Ausgang
Ob ein Deal zustande kommt, bleibt offen. ByteDance zeigt sich bislang wenig kooperationsbereit, Trump gibt sich demonstrativ optimistisch. „Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit TikTok und China, um den Deal zu finalisieren“, schrieb er in seinem gewohnt wirren Stil – und beendete seinen Post mit einem „Danke für Ihre Aufmerksamkeit!“
Fakt ist: TikTok ist (mal wieder) nur Spielball in einem größeren geopolitischen Machtkampf zwischen den USA und China – mit wirtschaftlichen, politischen und technologischen Interessen auf dem Spiel. Und während Milliarden Nutzer*innen auf der Plattform tanzen, scrollen und posten, geht es im Hintergrund um nationale Sicherheit, wirtschaftliche Dominanz – und ein bisschen Wahlkampfshow.