Ein Forschungsteam der Oakland University in Michigan wollte es genauer wissen und hat mehr als 400 Katzenhalter befragt, die in der Vergangenheit ein Haustier verloren hatten – also einen tierischen Gefährten der noch lebenden Katze. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Applied Animal Behavior Science veröffentlicht und bringen frischen Wind in die Debatte um die emotionale Tiefe von Katzen.
Die zentrale Erkenntnis: Katzen zeigen nach dem Verlust eines tierischen Freundes ähnliche Verhaltensänderungen wie Hunde. Manche fressen weniger, andere schlafen schlechter oder suchen – oder meiden – verstärkt den Kontakt zu ihren menschlichen Bezugspersonen. Einige Katzen scheinen sogar gezielt nach dem verlorenen Tier zu suchen. Besonders stark ausgeprägt war die Trauer bei Katzen, die lange Zeit mit dem verstorbenen Tier zusammengelebt oder eine enge Bindung zu ihm aufgebaut hatten.
Auch Hunde werden betrauert
Spannend ist: Etwa ein Drittel der Katzen lebte nicht mit anderen Katzen, sondern mit Hunden zusammen. Das zeigt, dass die Bindung nicht auf die eigene Art beschränkt ist. Ob Katze oder Hund – stirbt das vertraute Tier, reagiert der übrig gebliebene Stubentiger spürbar.
Klar, ganz objektiv ist das nicht. Die Studie beruht auf den Angaben der Halterinnen und Halter – und da besteht immer die Möglichkeit, dass Menschen ihre eigenen Emotionen auf das Verhalten ihres Haustiers projizieren. Wer besonders stark um den verlorenen Vierbeiner trauerte, nahm auch eher an, dass die Katze traurig sei. Auch das haben die Forschenden beobachtet.
Dennoch: Es ist erst die zweite wissenschaftliche Untersuchung überhaupt, die sich mit dem Thema „Katzentrauer“ befasst. Es spricht also einiges dafür, dass dieses Verhalten real ist – auch wenn noch mehr Daten nötig sind, um den Zusammenhang eindeutig zu belegen.
Tierische Trauer ist kein Einzelfall
Dass Tiere trauern können, ist kein neues Phänomen – nur eben bei Katzen bisher wenig erforscht. Bei Delfinen, Elefanten und sogar Orcas wurde bereits beobachtet, wie sie intensiv um verstorbene Gruppenmitglieder trauern. Besonders bewegend: Orca-Mütter, die tagelang die Körper ihrer toten Kälber durchs Wasser tragen. Auch Hunde verhalten sich nach dem Tod eines Menschen oder eines tierischen Freundes oft auffällig anders – das ist durch viele Studien gut dokumentiert.
Dass sich Katzen diesem Verhaltensmuster anschließen, ist also alles andere als abwegig. Im Gegenteil: Immer mehr Forschung zeigt, dass Katzen sehr wohl soziale Wesen mit emotionaler Tiefe sind – auch wenn sie das nicht immer so offen zeigen wie andere Tiere.
Was das für Katzenhalter bedeutet
Für Menschen, die mit mehreren Haustieren leben, könnten die Erkenntnisse der Studie wichtig sein. Wer zum Beispiel beobachtet, dass die verbleibende Katze nach dem Verlust eines Tieres ruhiger wird, weniger frisst oder sich zurückzieht, sollte das ernst nehmen – und nicht einfach als „Laune“ abtun. Aufmerksamkeit, Geduld und vielleicht sogar gezielte Beschäftigung können in dieser Phase helfen, dem Tier über die Trauer hinwegzuhelfen.
Schluss mit dem Klischee der kalten Katze
Die Vorstellung, dass Katzen distanzierte Einzelgänger sind, wird durch diese und andere Studien zunehmend infrage gestellt. Natürlich ist jede Katze anders – aber pauschal zu sagen, dass sie keine Trauer empfinden können, wird ihrer emotionalen Komplexität nicht gerecht.
Wie die Forschenden selbst schreiben, braucht es mehr Untersuchungen, um wirklich zu verstehen, ob und wie Katzen trauern. Doch die Hinweise sind da – und sie sprechen eine klare Sprache: Katzen sind mehr als ihre kühle Fassade. Und ja, sie können andere Tiere vermissen. Vielleicht sogar mehr, als wir ihnen bisher zugetraut haben.