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Tötet Unser Code Kinder? Microsoft-Mitarbeiter protestieren gegen KI-Deals mit Israel

Tech-Riese gerät unter Druck wegen seiner Zusammenarbeit mit Israels Militär
Von Matthew Gault Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Microsoft sieht sich mit heftiger Kritik aus den eigenen Reihen konfrontiert, nachdem bekannt wurde, dass das Unternehmen mit Israels Militär kräftig Geld verdient – indem es künstliche Intelligenz bereitstellt, die bei der Zielauswahl für Luftangriffe in Gaza eingesetzt wird.

Gestern entfernte Microsoft fünf Mitarbeiter aus einer unternehmensinternen Veranstaltung, weil sie gegen diese Geschäftspraktiken protestierten. Das Unternehmen stellt der israelischen Armee KI-Modelle zur Verfügung, die über die Azure-Cloud laufen und bei der Kriegsführung in Gaza und im Libanon helfen sollen. Ein Deal, der vielen Microsoft-Angestellten moralisch schwer im Magen liegt.

Am 25. Februar sprach CEO Satya Nadella auf dem Firmengelände in Redmond, Washington, über neue Produkte. Währenddessen standen fünf Mitarbeiter auf einer Empore – ihre T-Shirts formten eine klare Botschaft: „Does our code kill kids?“ („Tötet unser Code Kinder?“)

Nadella ignorierte die Demonstranten. Security begleitete sie wortlos aus dem Saal. Microsoft verteidigte sich später mit einer offiziellen Stellungnahme: „Wir bieten viele Möglichkeiten, damit alle Stimmen gehört werden. Aber wir bitten darum, dass dies ohne Geschäftsunterbrechungen geschieht. Falls doch, müssen wir die Teilnehmer bitten, sich zu entfernen. Wir verpflichten uns, unsere Geschäftspraktiken auf die höchsten Standards auszurichten.“

Die Frage bleibt unbeantwortet: Tötet unser Code Kinder?

Geht man nach Berichten der Associated Press und von Drop Site News, lautet die Antwort wohl: Ja.

Microsoft hat einen 133-Millionen-Dollar-Vertrag mit dem israelischen Militär abgeschlossen. Die Armee nutzt Microsofts Azure-Cloud, um OpenAI-Modelle zu betreiben, die dabei helfen, Angriffsziele in Gaza und im Libanon zu bestimmen.

Seit dem Hamas-Angriff am 7. Oktober 2023 ist die Nutzung von Azure durch Israels Militär massiv gestiegen. Millionen von Überwachungsdaten werden in die Cloud gespeist, die KI-Modelle analysieren die Informationen und schlagen mögliche Ziele vor. Laut israelischen Aussagen trifft immer noch ein Mensch die endgültige Entscheidung – doch unzählige Kinder sind bereits durch diese Angriffe ums Leben gekommen.

Interner Protest gegen Kriegsgeschäfte

Nicht alle Microsoft-Mitarbeiter können damit leben, dass ihr Arbeitgeber mit dem Krieg in Gaza Profite macht. Die Bewegung No Azure for Apartheid setzt sich gegen diese Verbindungen ein. In einem Instagram-Post hieß es: „Microsoft profitiert vom Genozid. Wie aus den AP-Recherchen hervorgeht, ist das israelische Militär nach der US-Armee der zweitgrößte militärische Kunde von Microsoft. Es ist einer der strategisch wichtigsten Kunden und erhält prioritäre technische Unterstützung.“

Die Gruppe hat eine Liste von Forderungen veröffentlicht: Microsoft soll den Azure-Deal mit Israel sofort beenden, alle militärischen Verbindungen offenlegen, sich für einen Waffenstillstand einsetzen, die Meinungsfreiheit seiner Mitarbeiter schützen und für ihre Sicherheit sorgen. Doch bisher scheint Microsoft nicht einzulenken. Im Oktober letzten Jahres feuerte das Unternehmen zwei Mitarbeiter, die eine Mahnwache für die Opfer in Gaza organisierten.

Der Einsatz von KI im Krieg reicht jedoch weit über Microsoft hinaus. Nur wenige Stunden nach dem Rauswurf der Demonstranten postete Donald Trump auf Truth Social ein von KI erstelltes Video. Darin präsentierte er seine groteske Zukunftsvision: Gaza als luxuriöses Urlaubsparadies.

Das Video ist absurd und beleidigend. Elon Musk steht unter einem Regen aus Geld, während im Hintergrund ein Song läuft: „No more tunnels, no more fear, Club Gaza is finally here.“ In einer Szene schlendern Menschen durch eine Stadt, die an Los Angeles erinnert, während eine riesige goldene Trump-Statue über ihnen thront.

Microsofts Beteiligung am Gaza-Krieg zeigt, wie tief Big Tech in militärische Konflikte verstrickt ist. Während Mitarbeiter protestieren, verdient das Unternehmen weiter Milliarden – und die Frage bleibt bestehen: Tötet unser Code Kinder?

 

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