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Tech

TikTok will Teenager mit Entspannungsmusik vom endlosen Scrollen abhalten

Jugendliche unter 16 hören ab 22 Uhr beruhigende Musik
Von AJ Dellinger Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Es ist 22 Uhr – weißt du, wo deine Kinder sind? Die Chancen stehen gut, dass sie in ihrem Zimmer sitzen und endlos durch TikTok scrollen. Doch nun können Eltern zumindest darauf vertrauen, dass die App versucht, ihre Kinder mit Lo-Fi-Beats zum Abschalten zu bringen. TikTok hat angekündigt, eine neue Funktion für Nutzer unter 16 Jahren einzuführen, die ihnen helfen soll, zur Ruhe zu kommen, anstatt stundenlang weiterzuschauen.

Die Funktion wird scheinbar automatisch bei allen Accounts aktiviert, die als unter 16 erkannt wurden. Dabei erscheint eine ganzseitige „Wind-down“-Nachricht, die die Jugendlichen dazu ermutigt, tief durchzuatmen, auszuatmen und zu akzeptieren, dass sie für diese Nacht offline gehen sollten. Sie können die Benachrichtigung ignorieren und weiterscrollen, doch dann folgt eine weitere Erinnerung, die erneut nahelegt, sich abzumelden. TikTok kündigte zudem an, dass im Laufe der Zeit Meditationseinheiten in die Funktion integriert werden sollen.

Werden Jugendliche wirklich abschalten?

Doch bleibt die Frage: Werden Jugendliche diese Hinweise wirklich beachten und zur Ruhe kommen? Schwer zu sagen. TikTok behauptet zumindest, dass in den Ländern, in denen diese Funktion getestet wurde, die „große Mehrheit der Teenager“ die Erinnerung aktiviert lässt. Es gibt sogar Studien, die nahelegen, dass Achtsamkeits-Erinnerungen einen positiven Effekt haben. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2020 ergab, dass Achtsamkeitsmeditationen Stress reduzieren können. Eine weitere Studie aus 2021 zeigte, dass speziell Jugendliche von geführten Meditationen per App profitieren können – sie litten weniger unter Angst, negativen Gedankenspiralen und innerer Unruhe. Es gibt also zumindest einige wissenschaftliche Anhaltspunkte, die TikToks Strategie untermauern.

Social-Media-Pausen sind gut – aber funktioniert das auch?

Es ist allgemein bekannt, dass weniger Social-Media-Konsum der mentalen Gesundheit guttut. Doch das eigentliche Problem ist, dass TikToks neue Funktion letztendlich auf Freiwilligkeit basiert. Werden Jugendliche wirklich eine Nachricht respektieren, die ihnen vorschlägt, das Handy wegzulegen? Vor allem, wenn sie das als nervig oder aufdringlich empfinden? Wahrscheinlich nicht. Doch vielleicht brauchen sie einfach nur eine kleine Erlaubnis, um aufzuhören.

Ein weiterer kritischer Punkt: TikTok schafft es, Jugendliche trotzdem in der App zu halten – nur eben mit Meditationen. So bleibt die Plattform in gewisser Weise eine Ablenkung, nur mit einem neuen Anstrich. Hoffentlich werden den Teenagern während der „Wind-down“-Zeit keine Werbung angezeigt. Aber es ist nicht schwer vorstellbar, dass TikTok irgendwann Apps wie Calm oder BetterHelp geschickt in das Feature integriert, um gezielt Werbung für Entspannungsangebote zu machen. Momentan passiert das zwar nicht, aber mal ehrlich: Wäre das wirklich so abwegig?

Mehr Kontrolle für Eltern durch „Family Pairing“

Zusätzlich zu den „Wind-down“-Nachrichten hat TikTok auch neue Funktionen für sein „Family Pairing“-Feature vorgestellt. Dieses Tool gibt Eltern mehr Kontrolle über die TikTok-Nutzung ihrer Kinder. Die größte Neuerung ist der „Time Away“-Modus, mit dem Eltern ein festgelegtes Zeitfenster bestimmen können, in dem ihre Kinder keinen Zugang zur App haben. Außerdem können Eltern einsehen, wen ihr Kind abonniert, wer ihm folgt und wen es blockiert hat.

Für manche Eltern dürfte diese Funktion ein wahr gewordener Traum sein – für Jugendliche wohl eher nicht. Die Frage bleibt, ob solche Maßnahmen wirklich langfristig helfen, das Online-Verhalten junger Menschen gesund zu gestalten oder ob sie letztendlich nur neue Wege finden, um die Einschränkungen zu umgehen. TikTok geht zumindest einen ersten Schritt in Richtung einer verantwortungsvolleren Nutzung. Ob das Konzept aufgeht, wird sich zeigen.

 

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