Ein Stück Berliner Geschichte kehrt zurück: Das ikonische Riesenrad im Spreepark Treptow bekommt neues Leben eingehaucht. Nach Jahren des Stillstands laufen die Arbeiten auf Hochtouren – unter und über der Erde. Die Mischung aus Denkmalpflege, Technik und Nachhaltigkeit macht den Wiederaufbau zu einem ganz besonderen Projekt.
Tiefe Wurzeln: Das Fundament steht im Mittelpunkt

Bevor sich wieder etwas dreht, muss zuerst gebohrt werden. Im Boden des Plänterwalds wird mit Spezialgerät gearbeitet: 28 sogenannte Mikropfähle werden bis zu 18 Meter tief in die Erde gepresst. Diese sorgen künftig für Stabilität – das Riesenrad wird enorme Kräfte freisetzen, wenn es in Bewegung kommt.
Parallel dazu, rund 600 Kilometer entfernt bei Krakau in Polen, läuft die technische Wiederbelebung der Originalbauteile. Das alte Riesenrad wurde 1989 zum 40-jährigen Jubiläum der DDR errichtet – nun wird es umweltbewusst saniert: Sandstrahlen, prüfen, beschichten – insgesamt werden 90 Tonnen Stahl recycelt. Die CO₂-Ersparnis: satte 780 Tonnen.
Ab Juli wächst das Rad

Die eigentliche Montage vor Ort beginnt ab dem dritten Quartal 2025. Dann werden die vier geneigten Stützen aufgestellt und der Radkranz mit den überarbeiteten Speichen montiert. Die Konstruktion wird mit Stahlseilen am Becken verankert – schräg und elegant, wie im Original.
Bei den Gondeln allerdings war ein Neuanfang unvermeidlich: Acht Stück wurden direkt aussortiert, der Rest war schlicht unbrauchbar. Risse, Rost und überholte Sicherheitsvorgaben machten eine komplette Neubeschaffung notwendig.
Die neuen Gondeln – bunt und mit jeweils vier Plätzen – sollen dem Riesenrad neues Flair verleihen. Eine erste Mustergondel wird im Juli eintreffen, noch vor den technischen Tests und der TÜV-Abnahme, die im nächsten Jahr folgen.
Zwischen Nostalgie und Nachhaltigkeit

Insgesamt sind für das Projekt rund 6,4 Millionen Euro veranschlagt. Der Bund beteiligt sich mit 2,9 Millionen Euro an den Kosten. Der Ticketpreis bleibt mit drei Euro pro Kopf weiterhin familienfreundlich.
Mit dem Wiederaufbau des Riesenrads kehrt nicht nur ein Wahrzeichen zurück – es entsteht auch ein Symbol für einen modernen, verantwortungsvollen Umgang mit Berlins Freizeitgeschichte.