Das Unternehmen hat laut eigenen Angaben zahlreiche Konten mit sexuellen Inhalten gelöscht und betont, dass keine dieser Accounts vom neuen Monetarisierungsprogramm profitiert haben.
Wer kürzlich auf Spotify nach Management-Ratschlägen oder Filmkritiken gesucht hat und dabei plötzlich auf Inhalte mit fragwürdigen Thumbnails gestoßen ist, ist nicht allein. Laut einem Bericht von Bloomberg fanden sich unter legitimen Suchbegriffen plötzlich Podcasts mit eindeutig sexuellen Inhalten – darunter ein Format mit einem Coverbild von Ghostface aus der Scream-Reihe. Solche Accounts schafften es teilweise in die Top 15 völlig unverdächtiger Podcast-Kategorien.
Ein Sprecher von Spotify erklärte gegenüber Gizmodo: „Sexuell explizite Inhalte sind laut unseren Plattformregeln nicht erlaubt.“ Die problematischen Inhalte seien mittlerweile entfernt worden. Offenbar war der Anreiz, auf Spotify mit Videos Geld zu verdienen, für einige Content-Ersteller doch zu groß.
Monetarisierung? Fehlanzeige – sagt Spotify
Spotify betont jedoch: Kein einziger dieser Porno-Accounts sei Teil des offiziellen Partner Program gewesen, mit dem Podcaster und Videokünstler Einnahmen über Werbung, Abos oder Watchtime-Modelle erzielen können. Um am Partnerprogramm teilnehmen zu dürfen, müssen Accounts in 30 Tagen mindestens 10.000 gestreamte Stunden und 2.000 eindeutige Hörer*innen vorweisen. Diese Schwelle habe laut Spotify keines der betroffenen Konten erreicht.
„Selbst wenn ein Account angenommen würde und dann expliziten Content hochlädt – wir überwachen das und können sofort eingreifen“, so die Plattform weiter.
Kein neues Problem – aber immer wieder präsent
Es ist nicht das erste Mal, dass Pornografie auf Spotify auftaucht. Schon 2024 kursierten auf Reddit Beiträge von Usern, die auf fragwürdige Inhalte gestoßen waren – lange vor Einführung des Monetarisierungsmodells. Auch damals habe Spotify Accounts gelöscht, die gegen Richtlinien zu „sexuell expliziten Inhalten“ verstoßen hätten.
Unsere eigene Suche brachte ebenfalls einschlägige Ergebnisse zutage. So fanden sich beim gezielten Suchen Inhalte wie „Blowjob Audio Porn“ oder Podcasts mit aufreizenden Thumbnails. Allerdings tauchten diese nur bei aktiver Suche auf – nicht etwa beim normalen Durchscrollen durch beliebte Kategorien wie „Videospiele“ oder „Popkultur“.
Porno auf Spotify: Versuch und Irrtum?
Die große Frage bleibt: Warum versuchen Content-Creator überhaupt, Pornografie auf Plattformen wie Spotify unterzubringen? Die Antwort dürfte, wie so oft, im Geld liegen. Spotify meldet ein wachsendes Interesse an Video-Podcasts und behauptet, einige Creator hätten in den ersten Monaten nach Start der Programme über 10.000 Dollar monatlich verdient.
Für Porno-Produzent*innen klingt das verlockend – besonders, wenn Plattformen wie TikTok und YouTube solche Inhalte konsequent blockieren. Doch der Aufwand, sich durch die Moderationsregeln von Spotify zu kämpfen, scheint sich kaum zu lohnen. Wer wirklich auf Sex-Content setzt, hat mit OnlyFans oder anderen spezialisierten Plattformen ohnehin bessere Karten – und weniger Stress mit Richtlinien.
Ein bisschen Family-Friendly muss sein
So verständlich der monetäre Reiz ist – vielleicht sollte Spotify tatsächlich ein Ort für familienfreundlichere Themen bleiben. Wobei „familienfreundlich“ natürlich relativ ist, wenn man bedenkt, dass Joe Rogans Podcast mit fragwürdigen Desinformations-Tiraden nach wie vor zu den meistgehörten Formaten gehört.
Und als ob das nicht genug wäre, hat sich Spotify kürzlich auch von einem weiteren umstrittenen Format verabschiedet: Dem Podcast des wegen Menschenhandels angeklagten Andrew Tate. Dieser wurde kürzlich aus Rumänien in die USA überstellt – mit Unterstützung aus dem Umfeld von Präsident Donald Trump. Spotify hat den Podcast nach der Rückkehr des selbsternannten Frauenhassers entfernt.
Sperre statt Porno-Boom
Klar ist: Spotify will sein Image als ernstzunehmende Plattform für Musik und Podcasts nicht durch Sex-Content verwässern lassen. Auch wenn manche versuchen, mit der Monetarisierungslücke Geld zu verdienen – der Algorithmus schaut mittlerweile genauer hin. Und wer auf Nummer sicher gehen will, bleibt mit seinen erotischen Inhalten besser gleich bei Plattformen, die genau dafür gemacht sind.
Bis dahin heißt es wohl: Kein Porno auf Spotify – und Ghostface bleibt besser im Horrorfilm als im Podcast-Feed.