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Wissenschaft

Spektakuläres Video zeigt Windspiralen, die Millionen Kilometer weit ins All fegen

Ein neues Video der ESA/NASA-Sonde Solar Orbiter sorgt für Staunen: Es zeigt eine gigantische, spiralförmige Struktur aus Sonnenwind, die sich über mehr als zwei Millionen Kilometer von der Sonne entfernt – aufgenommen mit einem Spezialinstrument, das Licht blockt, um das Unsichtbare sichtbar zu machen.
Von Isaac Schultz Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Das Ganze wurde mithilfe von Metis festgehalten, einem sogenannten Koronografen an Bord der Sonde. Dieses Instrument blendet das direkte Sonnenlicht aus, um feinste Details in der äußeren Sonnenatmosphäre – der sogenannten Korona – sichtbar zu machen. Die spektakulären Beobachtungen wurden nun in The Astrophysical Journal veröffentlicht.

„In dieser Arbeit präsentieren wir Beobachtungen von Metis während des Perihelions, bei denen eine auffällige, helikale Struktur sichtbar wurde, die sich radial von 1,5 bis 3 Sonnenradien erstreckte und mehr als drei Stunden anhielt“, schreibt das Forschungsteam. „Soweit wir wissen, sind diese Beobachtungen einzigartig – sie zeigen direkt den langanhaltenden Ausstoß von Alfvénischem Sonnenwind in die Heliosphäre.“

Was heißt das konkret?

Ein Sonnenradius entspricht etwa 696.000 Kilometern. Das bedeutet: Die beobachtete Struktur erstreckte sich über beeindruckende 2 Millionen Kilometer ins All – das ist fast sechsmal so weit wie die Entfernung von der Erde zum Mond!

Aufgenommen wurde das Video bereits am 12. Oktober 2022. Damals passierte Solar Orbiter einen besonders sonnennahen Punkt seiner Umlaufbahn – ein sogenanntes Perihel. Metis ist übrigens das einzige Instrument der Mission, das solch feine Strukturen im Sonnenwind überhaupt sichtbar machen kann, wie die ESA in einer Pressemitteilung betont.

Und das ist nicht das erste Mal, dass der Orbiter faszinierende Einblicke liefert: Erst vor wenigen Wochen hatte die Sonde winzige Plasma-Jets in der Nähe des Südpols der Sonne eingefangen. Die Sonne ist alles andere als ruhig – und Solar Orbiter ist mittendrin.

Sonnenwind: Mehr als nur kosmische Brise

Der Sonnenwind ist ein ständiger Strom geladener Teilchen, den die Sonne ins All schleudert. Er trifft auch regelmäßig auf die Erde – manchmal entstehen dabei die spektakulären Polarlichter, die wir am Himmel sehen können.

Doch so faszinierend die Lichtershows auf der Erde auch sind: Für Forschende ist der Ursprung des Sonnenwinds noch spannender. Und genau hier kommt Metis ins Spiel. Durch die Fähigkeit, die ersten „Meter“ des Sonnenwinds zu beobachten, bietet das Instrument Einblicke in die Prozesse direkt in der inneren Korona – also dort, wo die Teilchen überhaupt erst losgeschickt werden.

Das aktuelle Video zeigt dabei nicht nur ein beeindruckendes Naturphänomen, sondern hilft auch, die Physik dahinter besser zu verstehen. Besonders die sogenannten Alfvén-Wellen, benannt nach dem schwedischen Physiker Hannes Alfvén, stehen im Fokus. Diese magnetischen Wellen transportieren Energie durch das Plasma der Sonne – und könnten eine zentrale Rolle dabei spielen, wie der Sonnenwind beschleunigt wird.

Mission mit Zukunft

Geplant ist derzeit, die Mission von Solar Orbiter mindestens bis 2026 weiterlaufen zu lassen. Eine Verlängerung bis 2030 steht allerdings ebenfalls im Raum. In dieser Zeit wird die Sonde noch viele weitere Sonnenbeobachtungen liefern – immer näher dran, immer detaillierter.

Je näher der Orbiter der Sonne kommt, desto mehr einzigartige Daten lassen sich sammeln – und vielleicht auch noch das ein oder andere weitere Video, das zeigt, wie dynamisch, wild und absolut faszinierend unser Zentralgestirn tatsächlich ist.

Klar ist: Solche Missionen wie Solar Orbiter holen uns das Universum ein Stück näher – nicht nur wissenschaftlich, sondern auch emotional. Denn mal ehrlich: Wer hätte gedacht, dass Sonnenwind so spektakulär aussehen kann?

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