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Wissenschaft

Spätaufsteher könnten klüger sein – neue Studie zeigt kognitive Vorteile für Nachteulen

Gute Nachrichten für alle, die morgens lieber snoozen, statt joggen: Eine neue Studie aus Großbritannien legt nahe, dass Menschen mit spätem Schlafrhythmus – sogenannte „Nachteulen“ – bei kognitiven Tests besser abschneiden als Frühaufsteher.
Von Ed Cara Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Besser denken nach Sonnenuntergang?

Forscher*innen des Imperial College London wollten herausfinden, wie Schlafverhalten und geistige Leistungsfähigkeit zusammenhängen. Im Zentrum stand dabei der sogenannte Chronotyp – also die innere Uhr, die bestimmt, ob jemand eher früh oder spät aktiv ist. Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachjournal BMJ Public Health veröffentlicht.

Das Team analysierte Daten der UK Biobank, einer groß angelegten Langzeitstudie zur Gesundheit der britischen Bevölkerung. Untersucht wurden Informationen von mehr als 26.000 Teilnehmer*innen im Alter von 53 bis 86 Jahren. Neben Schlafdauer und -gewohnheiten wurden auch Ergebnisse aus mehreren kognitiven Tests berücksichtigt, die Gedächtnisleistung und Reaktionsgeschwindigkeit abfragten.

Nachteulen schneiden besser ab – zumindest im Test

Das überraschende Ergebnis: Menschen, die sich selbst als eher abendaktiv beschrieben, schnitten bei den Tests besser ab als klassische Frühaufsteher. Auch diejenigen, die sich irgendwo dazwischen einordneten – also nicht eindeutig Morgen- oder Abendtyp waren – zeigten gute Leistungen.

„Unsere Studie zeigt, dass Erwachsene mit einer natürlichen Abendneigung (‘Eveningness’) bei kognitiven Tests besser abschnitten als die klassischen ‘Morning People’“, erklärte Studienleiterin Raha West vom Department für Chirurgie und Krebsforschung am Imperial College. „Diese Chronotypen sind also nicht nur persönliche Vorlieben – sie scheinen direkten Einfluss auf die Gehirnleistung zu haben.“

Der Schlüssel: Schlafmenge UND Timing

Ein weiterer wichtiger Befund: Wer regelmäßig zwischen sieben und neun Stunden schläft – die allgemein empfohlene Schlafdauer – hatte im Schnitt die besten Ergebnisse bei den kognitiven Tests, unabhängig vom Chronotyp. Es kommt also nicht nur darauf an, wann man schläft, sondern auch wie viel.

Die Studie zeigt somit: Wer spät ins Bett geht, ist nicht automatisch benachteiligt – solange ausreichend Schlaf drin ist.

Spätaktiv zu sein hat auch seine Tücken

Bevor sich nun alle Langschläfer auf die Schulter klopfen: Die Forschenden betonen, dass es sich lediglich um eine Korrelation handelt – also einen Zusammenhang, aber keinen Beweis für Ursache und Wirkung.

Außerdem gibt es auch Schattenseiten für Nachteulen. Wer spät schlafen möchte, aber wegen Schule oder Arbeit früh aufstehen muss, leidet oft unter sozialem Jetlag. Das bedeutet: Der tatsächliche Schlafrhythmus passt nicht zum natürlichen Chronotyp – was langfristig negative Auswirkungen auf Stoffwechsel, Energiehaushalt und sogar das Diabetesrisiko haben kann.

Schlaf besser nutzen, nicht nur mehr schlafen

Die Studie liefert neue Hinweise darauf, wie individuell Schlafbedürfnisse tatsächlich sind – und wie sehr sie unsere geistige Leistungsfähigkeit beeinflussen können. Wichtig ist vor allem, den eigenen Rhythmus zu kennen und – so gut es geht – mit ihm zu arbeiten.

„Es ist entscheidend, auf die eigenen Schlafgewohnheiten zu achten und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass man weder zu wenig noch zu viel schläft“, so West. „Nur so bleibt das Gehirn fit und leistungsfähig.“

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