Zum Inhalt springen
News

SpaceX startet gewagteste Mission bisher – vier Privat-Astronauten fliegen über die Pole

SpaceX steht kurz davor, Raumfahrtgeschichte zu schreiben: Am 31. März soll die Mission Fram2 abheben und vier Privatpersonen in eine Umlaufbahn schicken, die kein Mensch je zuvor betreten hat – direkt über die Pole der Erde.
Von Passant Rabie Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Die Mission, benannt nach dem legendären Forschungsschiff Fram, das einst die Arktis und Antarktis erreichte, soll frühestens am Montagabend, dem 31. März, um 23:20 Uhr Ortszeit (ET) vom Kennedy Space Center in Florida starten. Das Ziel: eine polare Umlaufbahn in etwa 425 bis 450 Kilometern Höhe – eine Region, die bisher nur von Satelliten, aber nie von Menschen umrundet wurde.

An Bord der Falcon-9-Rakete von SpaceX befinden sich vier „Raumfahrt-Neulinge“ mit völlig unterschiedlichen Hintergründen: Chun Wang, Unternehmer aus Malta und Gründer der Bitcoin-Mining-Firmen f2pool und stakefish, finanziert die Mission und wird sie auch anführen. Mit ihm fliegen die norwegische Kamerafrau Jannicke Mikkelsen, der australische Polarabenteurer Eric Philips und die deutsche Robotikforscherin Rabea Rogge.

Trotz ihrer unterschiedlichen Lebensläufe teilen sie eine Gemeinsamkeit: Keiner von ihnen war je zuvor im All. Und doch stehen sie nun kurz davor, die ersten Menschen zu werden, die unseren Planeten aus einer Perspektive sehen, die bisher allein Satelliten vorbehalten war – entlang einer Flugbahn über die geografischen Pole.

In einer offiziellen Mitteilung von Fram2, zitiert von Florida Today, heißt es:
„Diese neue Flugbahn eröffnet völlig neue Möglichkeiten für die bemannte Raumfahrt und ein tieferes Verständnis unseres Planeten – insbesondere seiner Polarregionen. Abgesehen von den Apollo-Mondmissionen waren die Nord- und Südpolgebiete bislang kaum oder gar nicht aus dem Orbit sichtbar – selbst für Astronauten auf der ISS.“

Geplant ist ein Aufenthalt von drei bis fünf Tagen in der Dragon-Kapsel von SpaceX. Die Umlaufbahn liegt in einer Neigung von 60 bis 90 Grad zum Äquator und erlaubt so einen außergewöhnlich klaren Blick auf die nördlichsten und südlichsten Breiten der Erde. Die Crew will dort unter anderem das mysteriöse Himmelsphänomen STEVE (Strong Thermal Emission Velocity Enhancement) beobachten – leuchtende lila-grüne Schleier am Himmel, ähnlich den Polarlichtern, aber mit anderer physikalischer Herkunft.

Aber nicht nur für die Wissenschaft gibt’s Neues: An Bord befindet sich auch ein ziemlich kurioses Experiment – ein Versuch der australischen Firma FOODiQ Global, Austernpilze im All zu züchten. Die Pilze sollen in Mikrogravitation wachsen und könnten – sollte das Experiment gelingen – eine nahrhafte Option für künftige Langzeitmissionen zum Mond oder Mars darstellen, wie The Guardian berichtet.

SpaceX beweist mit Fram2 einmal mehr, dass das Unternehmen bereit ist, neue Grenzen der privaten Raumfahrt auszuloten. Erst kürzlich sorgte die Mission Polaris Dawn für Aufsehen, als zwei kommerzielle Astronauten zum ersten Mal in der Geschichte während eines Weltraumspaziergangs die Dragon-Kapsel verließen.

Doch so aufregend die Mission klingt – sie ist nicht ohne Risiken. Polare Umlaufbahnen sind im Allgemeinen für Erdbeobachtungs- und Spionagesatelliten gedacht, nicht für Menschen. Der Grund: In den Polarregionen ist die Strahlenbelastung deutlich höher, vor allem wegen der dort verstärkten Aktivität des Magnetfelds und den damit verbundenen Polarlichtern, wie auch die NASA betont. Der niedrige Schutz durch das Magnetfeld macht die Reise deutlich gefährlicher als etwa die Umlaufbahn der ISS, die bewusst nördlich und südlich der Breitengrade 51,6 Grad meidet.

Trotzdem scheint die Crew bereit, das Risiko einzugehen – und Geschichte zu schreiben. Wenn alles nach Plan läuft, wird Fram2 nicht nur ein Meilenstein für die private Raumfahrt, sondern auch ein echter Perspektivwechsel: eine neue Sicht auf unseren Planeten von ganz oben – über Eis, Schnee und die endlosen weißen Weiten unserer Pole.

Daumen drücken, dass diese ungewöhnliche Vierertruppe sicher hin- und zurückkommt.

Diese Geschichte teilen

Verwandte Artikel