Sony Music befindet sich in einem erbitterten Kampf gegen KI-generierte Deepfake-Songs, die einige der größten Stars des Labels wie Harry Styles und Beyoncé imitieren. Das Unternehmen gab bekannt, dass es bereits mehr als 75.000 solcher Songs von verschiedenen Online-Plattformen entfernt hat. Doch das sei nur die Spitze des Eisbergs – die wahre Anzahl könnte weit höher liegen.
Ein ernsthaftes Problem für die Musikbranche
Die rasante Verbreitung von Deepfake-Songs verursacht laut Sony erhebliche wirtschaftliche Schäden für echte Künstler. Besonders britische Musiker seien betroffen, erklärte das Unternehmen in einer Stellungnahme an die Regierung. Diese diskutiert derzeit über neue Urheberrechtsgesetze, die es KI-Entwicklern erlauben könnten, mit künstlicher Intelligenz auf bereits existierende Musikwerke zuzugreifen und darauf zu trainieren.
Generative KI hat in vielen Bereichen noch große Schwächen, vor allem in der Textproduktion, wo oft fehlerhafte oder frei erfundene Informationen auftauchen. Doch in der Bild- und Audio-Generierung sieht es anders aus: Ein Song muss nicht perfekt sein, um als „echt“ durchzugehen, und KI-generierte Tracks könnten künftig Produktionskosten senken. Kritiker befürchten jedoch, dass das zu einer Überflutung des Marktes mit minderwertiger Musik führen könnte – besonders im Streaming-Zeitalter, in dem Plattformen ohnehin auf Masse statt Klasse setzen.
KI-Songs: Interessiert das Publikum überhaupt?
Es ist umstritten, ob Hörer den Unterschied zwischen KI-generierter Musik und echten Songs bemerken oder ob es ihnen schlicht egal ist. Ein aufsehenerregendes Beispiel war der virale Hit aus dem Jahr 2023, in dem die Stimmen von Drake und The Weeknd durch KI imitiert wurden. Dieses Ereignis schürte die Angst, dass das Publikum den Unterschied nicht nur nicht erkennt, sondern sich auch nicht daran stört. In einer dystopischen Zukunft könnte es kaum noch echte Musiker geben, weil Labels und Plattformen sich einfach mit KI-generierter „Fast-Food-Musik“ zufriedengeben – optimiert für den Algorithmus, aber ohne künstlerische Seele.
Großbritannien plant Lockerungen für KI-Training
Der britische Premierminister Sir Keir Starmer hat ambitionierte Pläne: Er will Großbritannien als Vorreiter im KI-Bereich etablieren. Sein Vorschlag sieht vor, dass Unternehmen ihre KI-Modelle kostenlos mit verschiedensten Inhalten trainieren dürfen – nicht nur mit Musik. Damit würde KI-Training auf bestehende Werke legalisiert, es sei denn, Unternehmen wie Sony würden sich explizit dagegen entscheiden. Doch genau das sei laut Sony mit enormem Aufwand verbunden.
Während einige Künstler bereits Deals abgeschlossen haben, die die Nutzung ihrer Stimme oder ihres Stils durch KI erlauben, bleibt das die Ausnahme. In Großbritannien gibt es seit Wochen Proteste gegen die geplanten Gesetzesänderungen, da viele Künstler beürchten, dass der Schutz vor Urheberrechtsverletzungen dadurch massiv erschwert wird.
Deepfake-KI als wachsende Gefahr
Musik ist jedoch nicht das einzige Problemfeld von KI-generierten Inhalten. Derzeit sorgt insbesondere die Verbreitung von gefälschten Nacktbildern für große gesellschaftliche Diskussionen. Diese sogenannten „nude Deepfakes“ verwenden echte Gesichter und setzen sie auf fremde Körper, wodurch extrem realistische Fälschungen entstehen. In den USA ist das Problem mittlerweile sogar an Schulen angekommen.
Auch Deepfake-Audio wird zunehmend für kriminelle Zwecke eingesetzt. Cyberkriminelle nutzen KI-generierte Stimmen für Phishing-Betrugsmaschen, indem sie sich beispielsweise als Familienmitglieder oder Geschäftspartner ausgeben, um an sensible Daten oder Geld zu kommen.
Die Musikindustrie steht vor einer Herausforderung
Sony und andere Labels befinden sich in einem Wettlauf gegen eine Technologie, die sich rasend schnell weiterentwickelt. KI-generierte Musik mag aktuell noch eine Kuriosität sein, doch sie könnte bald eine ernsthafte Bedrohung für echte Musiker und die gesamte Branche darstellen.
Ob Fans und Konsumenten den Unterschied erkennen oder künftig überhaupt noch Wert auf echte Kunst legen, bleibt abzuwarten. Fest steht: Die Musikindustrie muss sich auf eine Zukunft einstellen, in der KI eine immer größere Rolle spielt – ob man will oder nicht.