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So wirst du zum Hobby-Naturforscher – nur mit deinem Smartphone

Citizen Science war noch nie so einfach: Mit ein paar Apps und deinem Handy kannst du direkt vor der Haustür zur Forschung beitragen.
Von Ellyn Lapointe Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Wenn der Sommer anrollt, erwacht der Garten zum Leben: Knospen sprießen, Insekten summen, kleine Tiere tapsen neugierig durch die Gegend. Und du brauchst nur dein Smartphone, um dieses wilde Treiben festzuhalten – und sogar die Wissenschaft zu unterstützen.

Dank moderner Technik passt heute alles, was du als Hobby-Naturforscher brauchst, in deine Hosentasche. Besonders im Juni lohnt sich der Einstieg, aber natürlich kannst du das ganze Jahr über Tiere und Pflanzen beobachten und dokumentieren. Mehr noch: Deine gesammelten Daten helfen Forscher:innen weltweit, ökologische Zusammenhänge besser zu verstehen.

„Vor 20 Jahren musste man als Wissenschaftler selbst rausgehen und Daten sammeln“, sagt Corey Callaghan, Ökologe an der University of Florida. „Jetzt, durch die Smartphone-Revolution, haben wir eine riesige Menge an Beobachtungsdaten von ganz normalen Menschen – vom begeisterten Vogelbeobachter bis zum neugierigen Balkonbesitzer.“

Auch Gillian Bowser, Wildtierökologin an der Colorado State University, sieht große Vorteile: „Heute sind Daten viel leichter zugänglich – auch dank präziser Standortangaben durch Smartphones und der Möglichkeit, alles direkt hochzuladen.“

Wir haben Bowser und Callaghan gefragt, wie man als Smartphone-Naturforscher:in loslegen kann. Hier ihre Tipps:

Schritt 1: App installieren – iNaturalist

© Maor_Winetrob via Shutterstock

Es gibt unzählige Apps für Naturbeobachtungen. Für Einsteiger:innen empfehlen die Expert:innen klar: iNaturalist. Die kostenlose App für iOS und Android ist simpel und vielseitig.

Hier kannst du Fotos und Beobachtungen festhalten, Arten bestimmen und dich mit anderen austauschen. Im Gegensatz zu spezialisierten Apps (wie eBird für Vögel oder Picture Insect für Insekten) dokumentiert iNaturalist alle Arten – von Pflanzen bis hin zu Eichhörnchen oder dem komischen Käfer im Bad.

Zusätzlich lohnt sich die Begleit-App Seek: Sie nutzt KI, um dir live beim Erkennen der Arten zu helfen – einfach die Kamera auf die Pflanze oder das Tier richten. Laut Bowser erfährst du dabei auch, ob die Art heimisch ist.

Tipp der beiden Forscher:innen: Erst mal mit iNaturalist starten und später mit Apps wie eBird oder eButterfly tiefer einsteigen.

Schritt 2: Ab nach draußen

Smartphone laden, Sonnencreme auftragen, Socken hochziehen – und los geht’s. Du musst nicht tief in den Wald, selbst im eigenen Garten, Park oder auf dem Balkon findest du spannende Arten.

„Nicht entmutigen lassen“, rät Callaghan. Gerade flinke Tiere wie Mäuse oder Libellen sind schwer aufs Bild zu bekommen. „Geduld ist der Schlüssel.“ Auch Pflanzen oder langsamere Tiere sind für die Wissenschaft extrem wertvoll.

Achte beim Fotografieren auf gute Schärfe und Belichtung. Tipp: Mit dem Finger auf dem Display den Fokus setzen, bei Bedarf Schatten spenden oder den Blitz nutzen (bei scheuen Tieren vorsichtig). Komm so nah wie möglich ans Objekt – natürlich ohne dich oder das Tier in Gefahr zu bringen.

Mehrere Perspektiven und kleine Notizen (Geruch der Pflanze, Verhalten der Tiere, Fundort) machen deine Beobachtung für Forscher:innen noch wertvoller.

Du willst nicht alleine losziehen? Kein Problem: Schau nach Naturspaziergängen deines örtlichen Naturschutzvereins oder organisiere über iNaturalist eigene Projekte. Und selbst für Drinnen gibt es das Projekt „Never Home Alone“, das dokumentiert, was in unseren Wohnungen kreucht und fleucht.

Schritt 3: Daten teilen

Bowser empfiehlt iNaturalist besonders, weil die Daten direkt in die Forschung einfließen. Hochgeladene Bilder und Infos werden unter Creative-Commons-Lizenzen veröffentlicht, sodass sie für wissenschaftliche Zwecke genutzt werden können – etwa über Plattformen wie das Global Biodiversity Information Facility (GBIF).

Falls du das nicht möchtest, kannst du die Lizenz-Einstellungen in deinem iNaturalist-Profil anpassen.

Für Forschende wie Bowser und Callaghan sind solche Citizen-Science-Daten Gold wert. Damit lassen sich etwa Rückgänge von Schmetterlingsarten in Städten erfassen oder neue Arten entdecken. Ein Projekt in Montana hat so bereits rund 4.000 neue Mottenarten identifiziert.

„Es gibt Millionen unbeschriebene Arten“, sagt Bowser.

Doch neben dem wissenschaftlichen Wert geht es auch um Spaß: „Nutzt die Apps, um zu lernen, mit welchen Arten wir unseren Alltag teilen“, so Callaghan.

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