Moderne Autos strotzen nur so vor Technik – und vieles davon ist echt praktisch. Aber nicht alles kommt gut an. Besonders ein Trend sorgt zunehmend für genervte Gesichter hinterm Steuer: die allgegenwärtigen Infotainment-Bildschirme.
Klar, anfangs wirkten sie wie die logische Weiterentwicklung: große, schicke Touchscreens, die das Auto ein bisschen wie ein Smartphone wirken lassen. Doch was auf dem Papier überzeugend klingt, zeigt in der Praxis immer mehr Schwächen – und viele Fahrer haben genug davon.
Vom coolen Gimmick zum Nervfaktor
Touchscreens im Auto sind längst keine Neuheit mehr. Seit Tesla Mitte der 2010er mit seinem iPad-ähnlichen Bedienkonzept durchstartete, wurde das Display zur neuen Schaltzentrale auf Rädern. Heute haben rund 97 % aller Neuwagen einen Touchscreen an Bord – und fast jeder vierte sogar einen mit mehr als 11 Zoll.
Die Autohersteller haben sich förmlich überschlagen, immer neue Funktionen auf die Bildschirme zu packen. Vom Zugriff auf iMessage bis hin zu Netflix – alles scheinbar nur einen Fingertipp entfernt. Manche Hersteller integrieren sogar sämtliche Fahrzeugfunktionen in das System, oft versteckt hinter mehreren Menüebenen.
Technologiekonzerne wollten diesen Trend sogar noch weiter treiben. Apple stellte 2022 ein überarbeitetes CarPlay vor, lässt aber seither auf einen konkreten Starttermin warten. Google ist inzwischen zum Standardanbieter für viele Hersteller geworden – doch die Digitalisierungswelle scheint ihren Zenit erreicht zu haben.
Kunden sind zunehmend genervt
Während die Autobauer ihre Displays feiern, sieht es auf Seiten der Fahrer ganz anders aus: Nur 15 % der Autofahrer in 2024 gaben an, ein Infotainment-Display über die gesamte Armaturenbreite zu wollen. Und auch schlichtere Varianten am unteren Rand der Windschutzscheibe kommen nur bei 18 % der potenziellen Neuwagenkäufer gut an.
Die Gründe für den Frust? Sicherheit und Benutzerfreundlichkeit. Klar, alle Funktionen zentral an einem Ort zu haben klingt erstmal sinnvoll. Doch in der Praxis ist das Wühlen durch Untermenüs – besonders während der Fahrt – alles andere als ideal. Hinzu kommt: Wenn selbst die Klimaanlage oder der Blinker über Software laufen, wird jeder Bug zum Risiko.
2021 musste Tesla Tausende Fahrzeuge zurückrufen, weil ein Problem mit dem Flash-Speicher der Infotainment-Systeme unter anderem die Rückfahrkamera unbrauchbar machte – inklusive Ausfall der Defroster- und Blinkerfunktion. Und aktuell läuft eine Sammelklage gegen Stellantis: Grund sind defekte Bildschirme, die zu Kameraausfällen und nervigen Audioproblemen führten.
Die Technik, die einst Begeisterung auslöste, gilt nun zunehmend als Sicherheitsrisiko – und als Ablenkung. Wer zum Beispiel eine Temperatureinstellung sucht, muss oft mehrere Schritte durch Menüs gehen. All das lenkt vom Verkehr ab. Angesichts von rund 6.000 getöteten Fußgängern pro Jahr allein in den USA ist jede zusätzliche Ablenkung ein echtes Problem.
Rückkehr zu Knöpfen: Erste Hersteller lenken ein
Einige Marken haben inzwischen auf die Kritik reagiert. Volkswagen etwa kündigte an, in kommenden Modellen wieder auf klassische Tasten zu setzen. VW-Chef Thomas Schäfer sagte sogar offen, die übermäßige Touchscreen-Fixierung habe der Marke „viel Schaden“ zugefügt.
Kein Wunder: Das Interface in den betroffenen VW-Modellen wurde von Testern heftig kritisiert. Capital One Auto Navigator nannte die Bedienung „frustrierend“, Yahoo Autos sogar „das schlechteste Infotainment-System aller Zeiten“. Vor diesem Hintergrund wirkt der Schritt zurück zu physischen Bedienelementen fast wie eine Versöhnungsgeste.
Wohin geht die Reise?
Dass sich was ändern muss, ist offensichtlich – aber wie genau? Die Branche experimentiert bereits mit neuen Ansätzen.
BMW stellte auf der CES 2025 ein neues Head-up-Display (HUD) vor, das Informationen entlang der Windschutzscheibe statt im klassischen Cockpit zeigt. Der Fahrer kann dabei selbst entscheiden, welche Infos er einblenden möchte. So bleibt die digitale Individualisierung erhalten – ohne den Blick von der Straße abzuwenden.
Ein weiterer Pluspunkt: Die Steuerung erfolgt nicht nur über Touchscreen, sondern auch über physische Tasten am Lenkrad. So bleiben die Hände dort, wo sie hingehören – und der Blick auf der Fahrbahn. Auch Hyundai und Kia setzen inzwischen verstärkt auf eine Kombi aus Touch und klassischer Bedienung.
Parallel dazu setzen viele Hersteller auf Sprachsteuerung. Mercedes etwa integrierte 2023 ChatGPT in sein System. Apple wiederum spendierte CarPlay ab iOS 18 ebenfalls Sprachfunktionen. Das ersetzt zwar keine Bildschirme, ermöglicht aber eine Nutzung ohne Tippen – und damit mit mehr Fokus auf den Verkehr.
Fazit: Die Touchscreen-Ära wankt, aber ist noch nicht vorbei
Die Diskussion um Infotainment-Bildschirme zeigt: Die Autoindustrie muss umdenken. Touchscreens werden nicht komplett verschwinden – aber sie müssen smarter, sicherer und nutzerfreundlicher werden. Der Weg zurück zu mehr echter Tastenbedienung und cleverer Integration in den Fahralltag ist ein wichtiger Schritt. Denn letztlich zählt nicht, wie futuristisch ein Cockpit aussieht – sondern wie sicher und intuitiv man damit unterwegs ist.