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Wissenschaft

Schwarze Löcher als Tunnel zu Weißen Löchern? Neue Theorie sorgt für Aufsehen

Singularitäten in Schwarzen Löchern: Das Ende oder ein neuer Anfang?
Von Margherita Bassi Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Was passiert wirklich, wenn man in ein Schwarzes Loch fällt? Laut Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie würde man von der gewaltigen Gravitationskraft der Singularität zerquetscht werden – dem Zentrum eines Schwarzen Lochs, in dem Materie und Zeit in einen unendlich dichten Punkt zusammenstürzen, sodass Raum und Zeit aufhören zu existieren. Doch neue Forschungsergebnisse legen nahe, dass Singularitäten in Schwarzen Löchern nicht das Ende, sondern vielmehr einen Anfang markieren könnten.

In einer Studie, die am 11. März in der wissenschaftlichen Zeitschrift Physical Review Letters veröffentlicht wurde, haben zwei Forscher Quantenmechanik auf ein theoretisches Modell eines Schwarzen Lochs angewandt. Ihre Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine mögliche Verbindung – eine Art Brücke – zwischen der Singularität eines Schwarzen Lochs und einem Weißen Loch existieren könnte. Während Schwarze Löcher alles in sich aufsaugen, spucken Weiße Löcher Materie, Energie und Zeit wieder aus und bringen sie zurück ins Universum.

„Seit langem stellt sich die Frage, ob die Quantenmechanik unser Verständnis von Schwarzen Löchern verändern und uns neue Einblicke in ihre wahre Natur geben kann“, erklärte Steffen Gielen, Mitautor der Studie und Forscher an der University of Sheffield, in einer Universitätsmitteilung. „In der Quantenmechanik kann Zeit, wie wir sie verstehen, nicht einfach enden – Systeme verändern sich kontinuierlich und entwickeln sich weiter.“

Ein Quantenblick auf Schwarze Löcher

Gielen und seine Kollegin Lucía Menéndez-Pidal, Mathematikerin an der Universidad Complutense de Madrid, untersuchten das Verhalten von Schwarzen Löchern im Kontext der Quantenmechanik. Ihr Modell basiert auf einem sogenannten planaren Schwarzen Loch – einer vereinfachten, zweidimensionalen Darstellung, die oft zur Prüfung theoretischer Konzepte genutzt wird. Auch wenn reale Schwarze Löcher dreidimensional und kugelförmig sind, glauben die Forscher, dass ihre Ergebnisse dennoch auf sie übertragbar sein könnten.

Statt einer klassischen Singularität in einem Schwarzen Loch entdeckten sie starke Quantenfluktuationen – winzige, temporäre Änderungen in der Energie des Raums. Laut ihrer Studie ersetzen diese Quantenfluktuationen den Zusammenbruch von Raum und Zeit. Anstatt in ein unendliches Nichts zu verschwinden, könnte diese Quantenaktivierung den Übergang in ein Weißes Loch ermöglichen. In diesem Zustand würden weder Materie noch Zeit enden, sondern sich stattdessen in eine neue Richtung entfalten.

„Hypothetisch betrachtet könnte ein Beobachter – eine gedachte Entität – durch ein Schwarzes Loch hindurchgehen, die Singularität durchqueren und auf der anderen Seite in einem Weißen Loch wieder auftauchen“, erklärte Gielen. „Es ist eine sehr abstrakte Vorstellung, aber theoretisch könnte es passieren.“

Zeit und Dunkle Energie: Eine mysteriöse Verbindung

Zusätzlich stellt die Studie eine interessante Verbindung zwischen Zeit und Dunkler Energie her – jener mysteriösen Kraft, die vermutlich die beschleunigte Expansion des Universums verursacht.

„Obwohl Zeit normalerweise als relativ zum Beobachter angesehen wird, leiten wir sie in unserer Forschung direkt aus der Dunklen Energie ab, die das gesamte Universum durchdringt“, erklärte Gielen. „Wir schlagen vor, dass Zeit durch die Dunkle Energie gemessen wird, die überall im Universum vorhanden ist. Das ist die entscheidende neue Idee, die uns hilft, die Phänomene innerhalb eines Schwarzen Lochs zu verstehen.“

Und was bedeutet das für einen Sturz in ein Schwarzes Loch?

Zurück zur ursprünglichen Frage: Was passiert, wenn man in ein Schwarzes Loch fällt? Nach der klassischen Physik wird man gnadenlos in die Singularität gezogen und auf ewig vernichtet. Doch laut der Theorie von Gielen und Menéndez-Pidal könnte es sein, dass man auf der anderen Seite wieder herauskommt – fast wie in einem Science-Fiction-Film. Vielleicht würden wir, ganz im Stil von Interstellar, einfach in einer anderen Zeit und an einem anderen Ort wieder auftauchen. Klingt abgefahren? Vielleicht. Aber genau das macht Wissenschaft so faszinierend.

 

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