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Wissenschaft

Schlaf ist nicht gleich Erholung: Was niemand über ein gängiges Schlafmittel erzählt

Obwohl es beim Einschlafen hilft, kann dieses Medikament die Schlafqualität beeinträchtigen und langfristig die psychische Gesundheit gefährden. Eine Apothekerin enthüllt die oft übersehenen Effekte dieses weit verbreiteten Mittels.​
Von Thomas Handley Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

In einer Welt, in der immer mehr Menschen unter Schlaflosigkeit leiden, greifen viele zu schnellen Lösungen wie Lorazepam – oft ohne sich der tatsächlichen Risiken bewusst zu sein. Die Pharmazeutin Uxoa Olaizola, bekannt für ihre klaren und direkten Informationen in den sozialen Medien, warnt vor den verborgenen Auswirkungen dieses häufig verschriebenen Medikaments. Schlafen bedeutet nicht immer auch Erholung – und hier erfährst du, warum.

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Der trügerische Schlaf durch Lorazepam​

Lorazepam, besser bekannt unter dem Handelsnamen Orfidal, gehört zur Gruppe der Benzodiazepine. Diese Medikamente wirken beruhigend, muskelentspannend und angstlösend. Obwohl sie häufig zur Behandlung von Angstzuständen oder Schlafproblemen verschrieben werden, warnt die Apothekerin Uxoa Olaizola, die für ihre klaren und direkten Informationen in sozialen Netzwerken bekannt ist, vor den versteckten Effekten dieses Medikaments.​

Ein besonders aufschlussreicher Punkt ihrer Aussage ist, dass dieses Medikament zwei entscheidende Schlafphasen beeinträchtigt: die N3-Phase, die für die körperliche Regeneration wichtig ist, und die REM-Phase, die für die emotionale Verarbeitung und das Gedächtnis unerlässlich ist. Das bedeutet, dass der Schlaf zwar eintritt, aber das Gehirn nicht in der Lage ist, die lebenswichtigen Funktionen, die während des Schlafs ablaufen, vollständig auszuführen.​

Darüber hinaus verstärkt das Medikament den Neurotransmitter GABA, der einen oberflächlichen Schlaf induziert. „Es ist, als würde man an der Oberfläche des Meeres bleiben, ohne jemals zu tauchen“, veranschaulicht die Spezialistin. Diese Veränderung erzeugt nicht nur ein falsches Gefühl der Erholung, sondern kann langfristig auch schädliche Auswirkungen auf das Gehirn haben.​

Nebenwirkungen und Risiken bei chronischem Gebrauch​

Der regelmäßige Konsum von Lorazepam kann Nebenwirkungen wie Tagesmüdigkeit, Gedächtnisprobleme, motorische Ungeschicklichkeit und sogar Stürze verursachen, insbesondere bei älteren Menschen. Doch das Problem endet hier nicht. Olaizola warnt, dass die anhaltende Blockierung der REM-Phase mit einem erhöhten Risiko für kognitive Beeinträchtigungen und sogar neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer in Verbindung gebracht wurde.​

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Obwohl medizinische Leitlinien eine Anwendung von zwei bis vier Wochen bei Schlaflosigkeit – und bis zu zwölf Wochen bei Angstzuständen – empfehlen, wird diese Empfehlung in der klinischen Praxis oft ignoriert. „Es gibt Menschen, die es seit Jahren einnehmen, ohne zu wissen, dass jede Nacht mit gestörtem Schlaf eine tickende Zeitbombe für ihre psychische Gesundheit ist“, betont sie.​

Ein weiteres stilles Risiko ist die Entwicklung einer Toleranz: Mit der Zeit wird eine höhere Dosis benötigt, um die gleiche Wirkung zu erzielen. Und wenn versucht wird, das Medikament abrupt abzusetzen, können Entzugssymptome auftreten, die sowohl körperlich als auch emotional schwer zu bewältigen sind.​

Ein zusätzlicher Aspekt: Auswirkungen auf die emotionale Gesundheit​

Neben den physischen und kognitiven Auswirkungen kann der chronische Gebrauch von Lorazepam auch die emotionale Stabilität beeinträchtigen. Studien haben gezeigt, dass langfristige Benzodiazepin-Nutzer häufiger unter Depressionen, Angstzuständen und Apathie leiden. Diese emotionalen Veränderungen können die Lebensqualität erheblich mindern und das Risiko für weitere psychische Erkrankungen erhöhen.​

Die Warnung ist klar: Was wie eine schnelle Lösung erscheint, kann sich zu einem chronischen Problem entwickeln – und das Schlimmste daran ist, dass man es möglicherweise nicht einmal bemerkt.​

Quelle: El Confidencial. 

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