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Wissenschaft

Saturn ist der unangefochtene „Mondkönig“ – 128 neue Monde entdeckt

Saturn hat sich den Titel als „Mondkönig“ des Sonnensystems eindrucksvoll zurückerobert – mit sage und schreibe 274 bekannten Monden, die um den Gasriesen kreisen.
Von Passant Rabie Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Mit diesem neuen Rekord lässt Saturn alle anderen Planeten im Staub zurück, denn er besitzt fast doppelt so viele Monde wie der Rest des Sonnensystems zusammen.

Entdeckt wurden die 128 neu hinzugekommenen Monde von einem internationalen Astronomenteam mithilfe des Canada-France-Hawaii-Teleskops. Bereits im letzten Jahr hatte Saturn seinen Titel zurückerlangt, als 62 neue Monde identifiziert wurden und die Gesamtzahl auf 145 stieg. Damit hängt der Ringplanet seinen größten Konkurrenten, Jupiter – der „nur“ 95 bestätigte Monde hat – deutlich ab.

Zwischen den beiden Gasgiganten herrscht schon seit Jahren ein regelrechter Mond-Wettstreit, aber nach diesem Fund dürfte klar sein: Saturn hat das Rennen haushoch gewonnen.

„Nach unseren Berechnungen wird Jupiter da nie wieder aufholen“, so Edward Ashton, Postdoktorand am Institute for Astronomy and Astrophysics der Academia Sinica und federführender Forscher der Entdeckung, in einer Mitteilung der University of British Columbia.

Wie wurden die neuen Monde entdeckt?

Das Forschungsteam beobachtete den Himmel rund um Saturn zwischen 2019 und 2021 mit dem Canada-France-Hawaii-Teleskop. Dabei nutzten sie eine Technik namens „Shift and Stack“, bei der mehrere Aufnahmen kombiniert werden, um schwache Signale von weit entfernten Objekten zu verstärken. Anfangs identifizierten sie so 62 Monde – und entdeckten gleichzeitig viele weitere, zunächst nicht eindeutig zuzuordnende Objekte.

Um diese zu verifizieren, kehrten die Wissenschaftler 2023 für drei Monate zu denselben Himmelsregionen zurück. Dort konnten sie feststellen, dass es sich bei den fraglichen Objekten tatsächlich um Monde handelt. Die Entdeckung wurde nun offiziell von der Internationalen Astronomischen Union anerkannt.

Keine runden Kugeln – sondern Trümmerstücke

Bei den 128 neuen Monden handelt es sich um sogenannte irreguläre Monde. Das bedeutet: Sie sind winzig, oft nur wenige Kilometer groß, und keine hübsch runden Kugeln wie etwa unser Erdmond. Laut den Forschern sind diese Monde vermutlich Bruchstücke größerer Himmelskörper, die bei Kollisionen mit anderen Saturnmonden oder vorbeifliegenden Kometen auseinandergebrochen sind.

Ein Großteil der neuen Monde befindet sich in der Nähe der sogenannten Mundilfari-Gruppe – einer Gruppe von Saturnmonden, bei der es vor rund 100 Millionen Jahren vermutlich zu einer heftigen Kollision kam. Die dabei entstandenen Trümmer dürften sich über die Jahrmillionen zu den heute identifizierten Monden geformt haben.

„Unsere sorgfältig geplante, mehrjährige Kampagne hat uns eine wahre Mond-Schatzkiste beschert – und gleichzeitig spannende Einblicke in die Entwicklung der irregulären Saturnmonde geliefert“, sagt Ashton.

Grenzen der Technik – und ein klarer Sieger

Das Forscherteam hat seine Mondsuche nun erst einmal abgeschlossen. Denn mit der derzeit verfügbaren Technik stößt man langsam an die Grenzen dessen, was sich in den Tiefen des Alls überhaupt noch entdecken lässt – zumindest rund um so weit entfernte Planeten wie Saturn, Uranus oder Neptun.

Das bedeutet auch: Saturn dürfte seinen Titel als „Mondkönig“ so schnell nicht mehr verlieren. Bis die nächste Generation von Teleskopen einsatzbereit ist, bleibt der Ringplanet mit seinen 274 bestätigten Monden unangefochten an der Spitze.

Und Jupiter? Der muss sich wohl erstmal mit dem zweiten Platz zufriedengeben.

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