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Wissenschaft

Rotwein oder Weißwein? Die Wissenschaft verrät, welcher gesünder ist

Jahrelang galt Rotwein als die gesündeste alkoholische Getränkewahl, vor allem aufgrund seines hohen Gehalts an Antioxidantien. Doch eine neue Studie hat diese Annahme auf die Probe gestellt und überraschende Erkenntnisse über die gesundheitlichen Auswirkungen von Wein offenbart – einschließlich eines unerwarteten Risikos im Zusammenhang mit Weißwein.
Von Thomas Handley Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Rotwein wurde traditionell mit gesundheitlichen Vorteilen in Verbindung gebracht, insbesondere aufgrund seines hohen Gehalts an Resveratrol – einem Antioxidans mit entzündungshemmenden Eigenschaften, das mit einem Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht wird.

Eine neue Untersuchung der Brown School of Public Health in den USA stellt diese Annahme jedoch infrage. Die Forscher analysierten 42 Beobachtungsstudien mit Daten von fast 96.000 Menschen – und fanden keine überzeugenden Beweise dafür, dass Rotwein das Krebsrisiko senkt oder wesentliche Vorteile gegenüber Weißwein hat.

Der Einfluss von Wein auf das Krebsrisiko

Die in der Fachzeitschrift Nutrients veröffentlichte Studie hatte zum Ziel, zu bewerten, ob die Weinsorte das Risiko für bestimmte Krankheiten beeinflusst. Die Forscher kamen zu zwei zentralen Schlussfolgerungen:

  1. Wein scheint das Krebsrisiko weder signifikant zu erhöhen noch zu senken.
  2. Weißwein wurde jedoch mit einem erhöhten Hautkrebsrisiko in Verbindung gebracht.

Eine der überraschendsten Erkenntnisse war, dass der Konsum von Weißwein mit einem um 22 % höheren Risiko für Hautkrebs im Vergleich zu Rotwein verbunden war.

Die genaue Ursache dieses Zusammenhangs ist noch nicht geklärt, aber die Wissenschaftler haben mehrere Hypothesen aufgestellt:

  • Höhere Sonneneinstrahlung bei Weißweintrinkern: Es wird vermutet, dass Personen, die bevorzugt Weißwein trinken, häufiger der Sonne ausgesetzt sind – sei es durch Sonnenbaden oder unzureichenden Sonnenschutz.
  • Unterschiede in der chemischen Zusammensetzung: Weißwein enthält weniger Tannine und Antioxidantien als Rotwein, was ihn möglicherweise weniger schützend gegen Zellschäden durch Alkohol macht.

Die Studie zeigte außerdem, dass Frauen, die regelmäßig Weißwein konsumieren, ein insgesamt höheres Krebsrisiko haben, was weitere Forschungen erforderlich macht, um die zugrunde liegenden Mechanismen zu verstehen.

Das eigentliche Problem: Ethanol in alkoholischen Getränken

Unabhängig von der Weinsorte betonen die Forscher, dass der größte Risikofaktor der Ethanolgehalt ist.

Ethanol, das in allen alkoholischen Getränken enthalten ist, wird im Körper zu Stoffen abgebaut, die DNA und Proteine schädigen können – und damit zur Entstehung von Krebs und anderen Krankheiten beitragen.

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) war übermäßiger Alkoholkonsum im Jahr 2020 für mehr als 740.000 Krebsfälle weltweit verantwortlich – das entspricht 4,1 % aller diagnostizierten Fälle.

Sollte Wein aus der Ernährung gestrichen werden?

Obwohl die Studie die Annahme infrage stellt, dass Rotwein gesünder als Weißwein ist, raten Experten nicht dazu, ihn komplett zu meiden. Stattdessen empfehlen sie einen maßvollen Konsum und vorbeugende Maßnahmen zur Risikominimierung:

  • Frauen sollten maximal ein Glas pro Tag trinken, Männer nicht mehr als zwei – gemäß den Empfehlungen der Gesundheitsbehörden.
  • Übermäßigen und häufigen Konsum vermeiden, da Alkoholkonsum kumulative Schäden verursacht.
  • Antioxidantien bevorzugt über eine ausgewogene Ernährung mit Obst, Gemüse und Nüssen aufnehmen, anstatt sich auf Wein als Quelle zu verlassen.
  • Sonnenschutz verwenden und übermäßige Sonnenexposition vermeiden, insbesondere wenn regelmäßig Weißwein konsumiert wird.

Fazit: Ein Mythos auf dem Prüfstand

Diese Studie stellt die weit verbreitete Vorstellung infrage, dass Rotwein signifikant gesünder sei als Weißwein. Während Resveratrol zwar positive Eigenschaften besitzt, gibt es keine eindeutigen Belege dafür, dass die Menge im Wein ausreicht, um das Krebsrisiko oder andere Erkrankungen spürbar zu senken.

Gleichzeitig wirft der Zusammenhang zwischen Weißwein und einem erhöhten Hautkrebsrisiko neue Fragen über die gesundheitlichen Auswirkungen von Alkohol auf. Wie so oft in Gesundheitsfragen scheint die Lösung in der Mäßigung und einem insgesamt ausgewogenen Lebensstil zu liegen.

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