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Wissenschaft

Rivale von Ozempic: Einmal im Monat – mit beeindruckenden Ergebnissen

Diejenigen, die MariTide von Amgen verwendeten, verloren in einer Phase-II-Studie bis zu 20 % ihres Körpergewichts.
Von Ed Cara Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Die Behandlung mit Ozempic oder anderen Medikamenten zur Gewichtsabnahme kann mühsam sein – viele Nutzer müssen sich wöchentlich eine Injektion setzen. Doch nun liefern neue Daten einer klinischen Studie vielversprechende Ergebnisse für ein experimentelles Medikament von Amgen: MariTide. Es wird nur einmal im Monat verabreicht – und zeigte dabei genauso gute oder sogar bessere Resultate als die derzeit verfügbaren GLP-1-Medikamente wie Semaglutid oder Tirzepatid.

Bis zu 20 % Gewichtsverlust – mit nur einer Injektion pro Monat

Personen, die MariTide regelmäßig einnahmen, verloren deutlich mehr Gewicht als jene mit Placebo – einige Teilnehmer reduzierten ihr Körpergewicht um bis zu 20 % innerhalb eines Jahres. Amgen bereitet nun Phase-III-Studien vor und steigt damit in den Wettbewerb um die nächste Generation von Adipositas-Medikamenten ein.

Die vollständigen Ergebnisse der Phase-II-Studie wurden auf der Jahrestagung der Nordamerikanischen Diabetesgesellschaft vorgestellt und gleichzeitig im New England Journal of Medicine veröffentlicht.

Ähnlich wie bestehende Medikamente (Semaglutid – Ozempic, Wegovy – und Tirzepatid – Zepbound, Mounjaro) ahmt MariTide das Hormon GLP-1 nach, das den Appetit und den Blutzucker reguliert. Doch MariTide bietet noch mehr: Es enthält ein Molekül, das auf GIP (glukoseabhängiges insulinotropes Polypeptid) abzielt – ein weiteres Hormon, das mit Hunger zusammenhängt. Während Tirzepatid GIP imitiert, hemmt MariTide dieses Hormon, was auf eine komplexe Rolle von GIP bei der Gewichtskontrolle hindeutet.

Außerdem enthält das Medikament einen künstlich entwickelten Antikörper, der besonders lange im Körper verbleibt. Dadurch reicht eine Anwendung einmal im Monat oder sogar alle zwei Monate aus – im Gegensatz zur wöchentlichen Gabe bei Semaglutid und Tirzepatid.

Studienergebnisse: Beeindruckende Wirkung, auch bei Diabetes

Die Phase-II-Studie umfasste fast 600 Erwachsene, einige mit Typ-2-Diabetes, andere ausschließlich mit Adipositas.

  • Bei den nicht-diabetischen Teilnehmenden lag der durchschnittliche Gewichtsverlust nach 52 Wochen bei bis zu 20 %.

  • Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes waren es immerhin durchschnittlich 17 %.

Diese Werte sind zwar nicht direkt mit anderen Studien vergleichbar, liegen aber auf Augenhöhe mit den besten GLP-1-Daten. Zudem verloren viele Teilnehmende auch nach Studienende weiter an Gewicht – MariTide könnte also langfristig sogar noch wirksamer sein.

Fortschritte und Nebenwirkungen

„MariTide zeigte eine starke, anhaltende Wirksamkeit ohne Plateau über die 52 Wochen der Phase-II-Studie hinweg“, erklärte Jay Bradner, Forschungs- und Entwicklungsleiter bei Amgen. Zudem wurden signifikante Verbesserungen bei kardiometabolischen Risikofaktoren festgestellt – ein potenzieller Durchbruch in der Adipositasforschung.

Aber es gibt auch Schattenseiten:
In einigen Gruppen war die Rate an Übelkeit und Erbrechen deutlich erhöht, was dazu führte, dass mehr Teilnehmende die Studie vorzeitig abbrachen. Erste Hinweise deuten jedoch darauf hin, dass diese Nebenwirkungen durch ein langsames Einschleichen der Dosis reduziert werden könnten – eine Strategie, die auch bei GLP-1-Medikamenten üblich ist.

Nächste Schritte: Phase-III-Studien und mehr

Amgen wird diese Dosierungsstrategie nun in seiner 72-wöchigen Phase-III-Studie testen – mit Teilnehmenden mit Adipositas und/oder Typ-2-Diabetes. Auch Studien zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlafapnoe und Herzinsuffizienz sind geplant.

Doch Amgen ist nicht allein im Rennen: Dutzende anderer Wirkstoffe befinden sich in Entwicklung – einige mit besonderen Vorteilen, wie Tablettenform oder ohne die typischen Magen-Darm-Nebenwirkungen der GLP-1-Medikamente.

Nicht alle dieser neuen Medikamente werden erfolgreich sein. Aber es scheint sicher: Semaglutid und Tirzepatid werden bald nicht mehr die einzigen Optionen gegen Adipositas sein.

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