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Wissenschaft

Riesiger Eisberg gibt uraltes Ökosystem preis – Forscher entdecken verborgene Unterwasserwelt

Die Entdeckung wirft ein neues Licht auf das Leben unter dem Eis.
Von Isaac Schultz Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Ein Forscherteam hat unter einem riesigen Eisberg vor der Antarktis eine lebendige und uralte Unterwasserlandschaft entdeckt – mit Korallen, Schwämmen, Oktopussen und mehr.

Ein Gebiet, das bis vor Kurzem noch von einem gigantischen Eisberg – A-84, etwa so groß wie Chicago – bedeckt war, hat nun spektakuläre Einblicke in ein bislang verborgenes Ökosystem ermöglicht. Forscher, die den freigelegten Meeresboden untersucht haben, stießen dort auf eine erstaunlich vielfältige und aktive Tierwelt. Der Eisberg hatte sich kürzlich von einem antarktischen Schelfeis gelöst und so das Gebiet erstmals für Menschen zugänglich gemacht.

„Wir hätten niemals mit einem so schönen und lebendigen Ökosystem gerechnet“, sagte Patricia Esquete, Co-Leiterin der Expedition und Wissenschaftlerin an der Universität Aveiro in Portugal, in einer Mitteilung des British Antarctic Survey. „Angesichts der Größe mancher Tiere gehen wir davon aus, dass diese Gemeinschaften dort schon seit Jahrzehnten, vielleicht sogar Jahrhunderten, existieren.“

Leben unter dem Eis – mit eigenen Spielregeln

Mit dem Wegfall des 510 Quadratkilometer großen Eisbergs konnte das Team mithilfe des ferngesteuerten Tauchroboters SuBastian erstmals einen genaueren Blick in 1.300 Metern Tiefe werfen. Was sie fanden, war beeindruckend: Große Korallen und Schwämme, die Lebensraum für andere Arten bieten – darunter Eisfische, gigantische Seespinnen und Oktopusse.

Die Entdeckung gelang an Bord des Forschungsschiffs R/V Falkor (too), betrieben vom Schmidt Ocean Institute. Das 111 Meter lange Schiff ist kein Neuling, wenn es um spektakuläre Funde am Meeresgrund geht. Es hat bereits bislang unerforschte Regionen kartiert und seltene Einblicke in die Fortpflanzung von Oktopussen geliefert.

Wie überlebt man unter tonnenweise Eis?

Normalerweise können Organismen unter einem dicken Eisschild kaum auf Nährstoffe aus der oberen Wassersäule zugreifen – Sonnenlicht und Plankton bleiben ihnen verwehrt. Doch das Team geht davon aus, dass Meeresströmungen eine entscheidende Rolle spielen. Sie könnten genug Nährstoffe aus anderen Regionen herantragen, um das Überleben unter dem Eis überhaupt erst möglich zu machen.

Die Forschenden sammelten zudem Daten über das größere Eisschild, das sich weiterhin dramatisch zurückzieht. Dieser Rückgang hat nicht nur lokale Auswirkungen: „Der Eisverlust der Antarktis ist ein bedeutender Faktor für den weltweiten Anstieg des Meeresspiegels“, betonte Sasha Montelli, Co-Leiter der Expedition und Forscher am University College London. „Unsere Arbeit liefert wichtige Langzeitdaten, die uns helfen, künftige Entwicklungen besser einzuschätzen – und daraus konkrete politische Maßnahmen abzuleiten.“

Zwischen Sorge und Entdeckerfreude

So sehr das Schmelzen der Eisschilde auch beunruhigt, es eröffnet auch neue Chancen für die Forschung. Regionen wie die unter dem Eisberg A-84 waren bisher praktisch unerreichbar. Jetzt, da das Eis schwindet, können Tauchroboter wie SuBastian und Schiffe wie die Falkor (too) erstmals vordringen und weitere Geheimnisse lüften.

Es scheint klar: Diese extremen Lebensräume haben noch viel mehr zu bieten, als wir bisher wussten. Und solange die Forschung läuft, wird sie uns vermutlich noch mit so mancher Überraschung versorgen.

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