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Wissenschaft

Ramadan: Der Monat, in dem sich die Rhythmen des Lebens verändern

Einen Monat lang passen Millionen von Menschen weltweit ihr Leben einem anderen Rhythmus an. Die Tage verlaufen in Stille, mit der Sonne als einziger Orientierung, während die Nächte in neuem Glanz erstrahlen, wenn die Städte erwachen und die Straßen mit Leben gefüllt sind.
Von Martín Nicolás Parolari Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Jedes Jahr, zu einem exakten Zeitpunkt im Mondkalender, verändert sich der Alltag von Millionen Menschen. Sobald die erste schmale Mondsichel am Himmel erscheint, beginnt eine Zeit, in der der Körper lernt, dem Willen zu folgen, und der Geist sich auf einen uralten Rhythmus einstellt.

Der Ramadan, der neunte Monat des islamischen Kalenders, hat kein festes Datum im gregorianischen Kalender. Sein Beginn hängt von der Sichtung der ersten Mondsichel ab.

Im Jahr 2025 beginnt er voraussichtlich am 1. März und endet am 30. März – aber die offizielle Bestätigung erfolgt erst, wenn der Mond tatsächlich gesichtet wird.

Während dieses Monats scheinen die Uhren tagsüber stillzustehen und nachts schneller zu laufen. Das Leben teilt sich in Phasen des Fastens und des Gebets. Essen wird nicht mehr als spontane Handlung betrachtet, sondern zu einem bewussten, erwarteten Ritual.

Nachts erstrahlen die Städte in einem besonderen Licht, das es nur in diesem Monat gibt.

Wenn die Sonne das Schweigen beherrscht

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© iStock.

Von der ersten Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang verzichten gläubige Muslime auf Essen, Trinken und bestimmte Aktivitäten.

Dieses Fasten, bekannt als Sawm, ist nicht nur eine Pause von der Nahrungsaufnahme, sondern eine tiefgreifende Veränderung des Tagesablaufs.

Der Tag beginnt früher als gewöhnlich. Vor Sonnenaufgang findet das Suhoor, die letzte Mahlzeit vor dem Fasten, statt. Danach nimmt das Leben seinen gewohnten Lauf – die Straßen sind belebt, die Arbeit geht weiter – doch alles fühlt sich anders an.

Inmitten des täglichen Trubels werden Hunger und Durst zu ständigen Begleitern.

Es gibt keine Ablenkungen, keine Kaffeepausen, keine Snacks zwischendurch. Die Stunden vergehen langsam, unverändert, in einem spürbaren Rhythmus – bis endlich das ersehnte Zeichen kommt: der Sonnenuntergang.

Die nächtliche Transformation: Das Erwachen nach dem Fasten

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Mit den ersten Strahlen der untergehenden Sonne verändert sich alles. In Haushalten und Moscheen beginnt das Iftar, das Fastenbrechen.

Ein Dattel und ein Schluck Wasser sind oft die ersten Berührungen mit Geschmack nach einem ganzen Tag des Wartens.

Die Städte, die tagsüber in einem ruhigeren Tempo lebten, erwachen nun zu neuem Leben. Familien und Freunde kommen zusammen, um zu essen, während in den Moscheen die Stimmen zu den Tarawih-Gebeten erklingen – einer Reihe von Nachtgebeten, die oft bis Mitternacht andauern.

In diesen Stunden offenbart der Ramadan sein zweites Gesicht:

➡ Gemeinschaft, Begegnung und die Verbindung mit dem Spirituellen.

Die unsichtbare Zeit: Wenn Tage ihre gewohnte Form verlieren

Im Ramadan wird die Zeit anders wahrgenommen. Der Alltag richtet sich nicht mehr nach festen Uhrzeiten, sondern nach Licht und Dunkelheit.

Die frühen Morgenstunden werden zu Momenten der Stille, in denen das Lesen des Korans den Platz einnimmt, den sonst der Schlaf beansprucht.

Solidarität ist ein wesentlicher Bestandteil des Tages, insbesondere durch die Zakat, die Pflicht, Bedürftige zu unterstützen.

Mit jedem Tag passt sich der Körper an das Fehlen von Nahrung an und der Geist lernt, die Zeit anders zu messen.

Hunger ist nicht mehr eine Notwendigkeit, sondern eine Erinnerung.

Das Ende des Zyklus: Die Feier des Neumonds

In der letzten Nacht des Ramadans verändert sich die Erwartung. Alle blicken zum Himmel, um die Mondsichel zu sehen, die das Ende des Monats und den Beginn des Eid al-Fitr markiert – des großen Festes, das das Fasten endgültig beendet.

Mit dem Sonnenaufgang füllen sich die Häuser mit Lachen, die Märkte mit Süßigkeiten und die Straßen mit Feiernden.

Der Ramadan ist vorbei – und mit ihm die Tage des Fastens und die Nächte des Gebets.

Doch seine Spuren bleiben.

Einen Monat lang wurde die Zeit nicht in Minuten gemessen, sondern im Körper gespürt, im Geist reflektiert, im Rhythmus von Tag und Nacht gelebt.

Bis die Mondsichel ein Jahr später erneut erscheint – und der Zyklus von vorn beginnt.

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