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Wissenschaft

Rätselhafte Röhren im Wüstenmarmor: Deutsche Forscher entdecken Spuren einer unbekannten Lebensform

Sie durchziehen Marmor wie feine Adern und könnten Hinweise auf eine uralte Lebensform liefern: Forscher der Uni Mainz stoßen in den Wüsten Afrikas und Arabiens auf mysteriöse Röhrchen im Gestein. Was steckt hinter den Strukturen – und lebt ihr Urheber vielleicht sogar noch heute?
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Lesezeit 2 Minuten

Was wie ein winziger Kratzer im Stein wirkt, könnte die Signatur einer uralten, bislang unbekannten Lebensform sein. In entlegenen Wüstenregionen haben deutsche Geologen ein Netzwerk feiner Röhrchen in Marmor entdeckt – mysteriöse Tunnelstrukturen, die sich über viele Meter ziehen. Sie geben nicht nur Einblicke in die tiefere Erdgeschichte, sondern werfen auch neue Fragen über das Leben auf unserem Planeten auf.

Tunnel im Stein – und das große Rätsel

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© Mazur Travel

Die Röhrchen, die Forscher um Geologe Cees Passchier von der Universität Mainz in Namibia, dem Oman und Saudi-Arabien fanden, sind etwa einen halben Millimeter breit und bis zu drei Zentimeter lang.

Doch das Erstaunlichste: Sie reihen sich parallel aneinander und bilden so Bänder mit einer Länge von bis zu zehn Metern – wie fein gezeichnete Spuren einer unsichtbaren Kraft.

Die erste Entdeckung liegt bereits 15 Jahre zurück, doch erst jetzt konnten die Strukturen systematisch analysiert und beschrieben werden.

Leben im Marmor?

Die Tunnel verlaufen durch Marmor und Kalkstein, genauer gesagt durch Kalziumkarbonat, das vor Hunderten Millionen Jahren als Meeresablagerung entstand und später durch Druck zu Gestein wurde.

Die Forscher vermuten, dass es sich um Bohrgänge von Mikroorganismen handeln könnte, die in der Lage waren, Nährstoffe aus dem Gestein zu lösen – ein bislang unbekannter biologischer Prozess in diesem geologischen Kontext.

„Es handelt sich in allen Fällen um alte Strukturen, vielleicht ein oder auch zwei Millionen Jahre alt“, sagt Passchier.

Doch: Welcher Organismus sie verursacht hat, ist völlig unklar. Und ebenso offen bleibt, ob diese Lebensform noch existiert – oder längst ausgestorben ist.

Kein geologischer Ursprung

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© pexels

Eindeutig scheint für das Forschungsteam: Die Strukturen sind nicht durch geologische Prozesse entstanden.

Sie widersprechen natürlichen Rissen, Verformungen oder Drucklinien – stattdessen wirken sie gezielt angelegt, wie das Ergebnis biologischer Aktivität.

Das macht sie umso faszinierender – und potenziell bedeutend für das Verständnis von frühem Leben auf der Erde.

Und wenn es noch lebt?

Ob die rätselhaften Mikroorganismen noch heute irgendwo existieren, bleibt Spekulation.

Aber selbst wenn sie längst ausgestorben sind, könnten sie eine bislang unbekannte Form der Lebensanpassung dokumentieren – etwa in extrem nährstoffarmen, heißen oder trockenen Umgebungen.

Ein winziger Röhrengang im Gestein – und eine große Frage an die Evolution. Die Entdeckung der Mainzer Forscher könnte ein Fenster zu einer völlig neuen Mikro-Welt öffnen. Eine Welt, die zeigt: Selbst der härteste Stein kann Spuren des Lebens bewahren.

Quelle: www.welt.de

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