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Wissenschaft

Pyramidenarbeiter im alten Ägypten litten womöglich unter Kupfervergiftung – neue Studie gibt Einblicke in ihren Alltag

Der Bau der weltberühmten Pyramiden von Gizeh hatte offenbar nicht nur eine monumentale, sondern auch eine gesundheitliche Dimension.
Von Adam Kovac Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Eine neue Studie legt nahe, dass die Arbeiter, die vor über 4.500 Jahren an der Nekropole schufteten, gefährlich hohen Konzentrationen von Kupfer ausgesetzt waren – möglicherweise der früheste bekannte Fall von Metallbelastung in der Geschichte.

Kupferverseuchung im Schatten der Pyramiden

Die Erkenntnisse stammen aus Bodenproben, die in Khufu-Hafen entnommen wurden – einem uralten Hafenbecken, das einst an einem Nebenarm des Nils lag, der heute längst verschwunden ist. Dort, unweit der späteren Pyramiden von Pharao Cheops (Khufu), Chephren (Khafre) und Mykerinos (Menkaure), bohrte ein französisches Geochemiker-Team der Universität Aix-Marseille im Jahr 2019 in die Erde. Mithilfe moderner, plasmabasierter Spektrometrie untersuchten sie die Metallbelastung in den Bodenproben – darunter Kupfer, Aluminium, Eisen und Titan.

Das Ergebnis: Der Kupfergehalt lag fünf- bis sechsmal über dem natürlichen Hintergrundwert. Laut Studienautor Alain Véron ist das ein deutliches Zeichen intensiver handwerklicher Aktivität – besonders im Werkzeugbau.

Früher besiedelt als gedacht

Die Datierung mittels Radiokohlenstoffmethoden ergab, dass die Kupferbelastung bereits um 3265 v. Chr. begann – rund 200 Jahre früher, als man bisher annahm, dass die Region besiedelt wurde. Der Höhepunkt dieser Belastung lag etwa 750 Jahre später, um 2500 v. Chr., also genau zur Zeit des Pyramidenbaus, und endete erst gegen 1000 v. Chr.

Bemerkenswert ist auch der Fund von Arsen in den Proben – ein Halbmetall, das in der Antike häufig zur Härtung anderer Metalle verwendet wurde. Die Forscher gehen deshalb davon aus, dass in der Nähe Werkzeuge wie Klingen, Meißel und Bohrer hergestellt wurden – essenzielle Hilfsmittel für den Pyramidenbau.

Ein gefährliches Erbe

Kupfer ist zwar in geringen Mengen lebenswichtig für den Menschen – etwa für die Bildung von Blutgefäßen oder die Energiegewinnung –, doch eine dauerhafte Überdosierung kann gravierende gesundheitliche Folgen haben: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen und langfristig sogar Schäden an Leber und Nieren.

Ob die Menschen damals tatsächlich unter diesen Symptomen litten, lässt sich heute nicht eindeutig sagen. Die Spuren im Boden geben aber zumindest Aufschluss darüber, wie stark die Belastung gewesen sein muss – und werfen ein Licht auf die Lebensrealität der einfachen Bevölkerung.

Alltag zwischen Umweltkrise und Großbaustelle

Die hohe Kupferbelastung deutet auf eine rege industrielle Tätigkeit hin, die nicht nur lokal, sondern für ganz Ägypten von Bedeutung gewesen sein könnte. Und das in einer Zeit, in der das Reich mehrfach erschüttert wurde: Um 2200 v. Chr. etwa fiel der Nil auf einen historischen Tiefstand – mit dramatischen Folgen für Landwirtschaft, Wirtschaft und Gesellschaft.

Trotz dieser Herausforderungen ging der Bau an den Pyramiden weiter – ein Zeichen für die Widerstandskraft und Organisationsfähigkeit der damaligen Bevölkerung.

Mehr als nur Pharaonen und Monumente

Während sich viele Studien auf Pharaonen, Baupläne oder religiöse Aspekte konzentrieren, rückt diese Untersuchung die Perspektive der „einfachen Leute“ in den Fokus – jener Männer (und vielleicht auch Frauen), die unter schwierigen Bedingungen Werkzeuge schmiedeten und damit Geschichte schrieben.

Laut Alain Véron könnten die in der Studie verwendeten Analysemethoden künftig auch an anderen Fundorten im alten Ägypten eingesetzt werden. Das würde uns helfen, ein noch umfassenderes Bild vom Leben, Arbeiten und Überleben der nicht-elitären Bevölkerung zu zeichnen – jener, die die Grundlage für einige der beeindruckendsten Bauwerke der Menschheitsgeschichte legte.

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