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Oracle-Milliardär fordert Weltführer auf, all ihre Daten der KI zu überlassen (und vielleicht seinen Rechenzentren)

Larry Ellison will eine neue Ära der automatisierten Überwachung einläuten
Von Lucas Ropek Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Larry Ellison, der milliardenschwere Mitbegründer des Tech-Giganten Oracle, wirkt zunehmend wie ein Schurke aus einem Science-Fiction-Film. Kürzlich trat er auf einer internationalen Konferenz auf und forderte die Regierungen weltweit dazu auf, sämtliche nationale Daten der KI-Industrie zur Verfügung zu stellen. Sein Argument: Langfristig würde dies den Ländern zugutekommen.

Wie Bloomberg berichtet, sprach Ellison auf dem World Government Summit in Dubai, wo er von Ex-Premierminister Tony Blair interviewt wurde. Seine Vision: Regierungen sollen ihre nationalen Daten „vereinheitlichen“ und sie in KI-Modelle einspeisen, um deren Leistungsfähigkeit zu steigern. Bloomberg schreibt:

„Zersplitterte Datensätze über die Gesundheit der Bevölkerung, Landwirtschaft, Infrastruktur, öffentliche Auftragsvergabe und Grenzen sollten in einer einzigen, sicheren Datenbank zusammengeführt werden, die von KI-Modellen genutzt werden kann.“

Länder mit großen Datenmengen wie das Vereinigte Königreich oder die Vereinigten Arabischen Emirate könnten laut Ellison mit diesem Ansatz Kosten senken und den öffentlichen Sektor effizienter gestalten – besonders das Gesundheitswesen.

Daten sammeln, Gewinne maximieren?

Es ist natürlich pures Glück für Ellison, dass er zufällig Besitzer eines riesigen Datenbank-Unternehmens ist, das gerade versucht, sein KI-Geschäft auszuweiten. Praktischer Zufall, oder? „Wir können hochwertige Dienstleistungen anbieten, dem Staat enorme Kosten ersparen, unsere Bevölkerung gesünder machen – und das alles bei niedrigeren Ausgaben“, sagte er vor dem Publikum.

Das klingt zwar effizient, aber die Zukunft, die Ellison skizziert, ist auch ziemlich beunruhigend. Sie erinnert an die dystopische KI „Rehoboam“ aus der dritten Staffel von Westworld: eine Welt, in der sich Unternehmen und Regierungen durch den ständigen Datenfluss nahtlos ineinander verschränken und alles und jeden überwachen.

KI als globaler Überwachungsapparat?

Ellison hatte bereits im letzten September auf einem Oracle-Event durchblicken lassen, wie er sich die Zukunft vorstellt: ein von KI gesteuerter Überwachungsstaat, in dem Roboter und automatisierte Systeme ganze Bevölkerungen kontrollieren. Wörtlich sagte er:

„Wir werden Überwachung haben. Jeder Polizist wird zu jeder Zeit überwacht, und falls es ein Problem gibt, meldet die KI es der zuständigen Person. Bürger werden sich von ihrer besten Seite zeigen, weil wir alles aufzeichnen und melden, was passiert.“

Eine durchgehende Aufzeichnung des öffentlichen Lebens – was kann da schon schiefgehen?

Auf demselben Event skizzierte Ellison eine Zukunft, in der KI und Robotik den Staat dabei unterstützen, die Kontrolle über die Bevölkerung zu erhöhen. Ein Beispiel: Verfolgungsjagden würden künftig von autonomen Drohnen übernommen. „Man lässt einfach eine Drohne dem Auto folgen“, erklärte er. Menschliche Polizisten? Offenbar überbewertet.

Was, wenn die Leute nicht gehorchen wollen?

Ellison geht offenbar davon aus, dass Menschen sich immer brav an die Regeln halten, wenn sie wissen, dass sie rund um die Uhr überwacht werden. Aber was ist mit denen, die ab und zu einfach mal ausbrechen wollen? Ein bisschen Chaos, ein bisschen Freiheit – was dann? Vielleicht hat er dafür die Roboterarmeen in petto.

Ob man es mag oder nicht: Es sieht ganz danach aus, als würde diese Zukunft schneller Realität werden, als uns lieb ist. Die neue Trump-Regierung hat bereits klargemacht, dass sie voll auf die KI-Branche setzt. Ziel ist es, die amerikanischen KI-Unternehmen zu den weltweit führenden Playern zu machen.

Oracle ist inzwischen Teil des „Stargate“-Projekts, einer neuen KI-Infrastrukturinitiative, die darauf abzielt, riesige KI-Rechenzentren in den USA aufzubauen. Neben Oracle sind auch OpenAI, Microsoft, SoftBank, NVIDIA und andere mächtige Tech-Firmen mit an Bord.

Die große Frage ist nun: Werden Regierungen ihre Daten wirklich in die Hände von Tech-Konzernen legen – und welche Konsequenzen hat das für uns? Es bleibt spannend.

 

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