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OpenAI plant offenbar eigenes soziales Netzwerk – und es soll verdächtig nach X aussehen

OpenAI will offenbar in die Welt der sozialen Netzwerke einsteigen. Laut einem Bericht von The Verge arbeitet das Unternehmen an einer neuen Plattform, die sich stark an Elon Musks Social-Media-Dienst X orientieren soll.
Von Lucas Ropek Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Viel ist über das Projekt bislang nicht bekannt – außer, dass es existiert. The Verge berichtet von einem internen Prototypen, der eine Art „Feed“-Funktion beinhaltet und womöglich stark auf OpenAIs Bildgenerierungs-Technologie setzt. Einen offiziellen Namen scheint die Plattform noch nicht zu haben, und es ist unklar, ob sie als eigenständiger Dienst geplant ist oder doch irgendwie mit ChatGPT verknüpft wird.

Altman holt sich leise Feedback

OpenAI-Chef Sam Altman soll laut internen Quellen bereits still und heimlich Feedback zu dem Projekt einholen. Gizmodo hat OpenAI um nähere Informationen gebeten, bislang aber keine Antwort erhalten.

In der Tech-Welt wird der Schritt vor allem als strategische Reaktion auf die wachsende Konkurrenz gesehen – vor allem auf Meta und Musks KI-Firma xAI, die eng mit X (ehemals Twitter) verzahnt ist. Die Tatsache, dass der neue Prototyp als „X-ähnlich“ beschrieben wird, lässt vermuten, dass Altman hier ganz bewusst Kontra geben will.

Die beiden Tech-Größen Sam Altman und Elon Musk waren einst gemeinsam bei OpenAI aktiv, doch Musk verließ das Unternehmen – angeblich, weil seine Vorstellungen nicht umgesetzt wurden. Seitdem herrscht eine spürbare Rivalität. Musk hatte sogar versucht, OpenAI zu übernehmen, doch Altman soll das Angebot knallhart abgelehnt haben.

Warum noch ein soziales Netzwerk?

Berechtigte Frage: Brauchen wir wirklich noch eine Plattform zum Scrollen, Posten und Liken? Und was bringt ein soziales Netzwerk, das direkt von einem der mächtigsten KI-Unternehmen der Welt betrieben wird?

The Verge zitiert dazu eine Quelle aus der KI-Branche: Eine Idee hinter dem neuen OpenAI-Netzwerk sei es, Nutzern mit Hilfe von KI beim Erstellen besserer Inhalte zu helfen. Konkret heißt es: „Die Grok-Integration bei X hat alle neidisch gemacht – vor allem, wie Leute virale Tweets erzeugen, indem sie die KI dazu bringen, etwas Dummes zu sagen.“

Grok ist die KI von xAI, die in X eingebunden ist und mit teils bizarren Antworten für Aufmerksamkeit sorgt. Offenbar will OpenAI in genau diese Kerbe schlagen – mit smarteren, besseren oder vielleicht einfach nur viralen Beiträgen, die per KI mitgestaltet werden.

Smarte Inhalte oder digitaler Verfall?

Doch nicht alle finden diese Entwicklung gut. Kritikerinnen und Sozialforscher warnen seit Langem vor den Nebenwirkungen der Künstlichen Intelligenz – vor allem vor dem sogenannten „kognitiven Outsourcing“. Damit ist gemeint, dass Menschen Denkprozesse zunehmend an KI-Systeme abgeben – vom kreativen Schreiben bis hin zur Entscheidungsfindung.

Wenn die neue Plattform tatsächlich darauf abzielt, „bessere Inhalte“ zu generieren, stellt sich die Frage: Wird hier wirklich Kreativität gefördert – oder machen wir es uns einfach nur noch bequemer und lassen die KI alles übernehmen?

Was OpenAI letztlich aus dem Projekt macht (sofern es überhaupt das Licht der Welt erblickt), bleibt offen. Aber falls das Ziel wirklich ist, mit KI die sozialen Netzwerke zu erobern, dann sind wir vielleicht schon einen Schritt weiter auf dem Weg zur völligen Denkauslagerung. Oder wie es in der Szene heißt: Willkommen am Boden des „cognitive offloading“-Fasses.

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