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Wissenschaft

Obst mit Schale essen: Die einst seltsame Gewohnheit, die die Wissenschaft nun lobt

Jahrelang haben wir wertvolle Teile unserer Früchte aus reiner Gewohnheit weggeworfen. Doch ein viraler Trend und mehrere wissenschaftliche Studien verändern nun unsere Sichtweise. Was, wenn das, was wir bisher für Abfall hielten, in Wahrheit ein ernährungsphysiologischer Schatz ist?
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Lesezeit 3 Minuten

Wir schälen aus reiner Gewohnheit – ohne uns zu fragen, warum. Schon als Kinder lernten wir: „Die Schale isst man nicht mit.“ Doch was, wenn das falsch ist? Neue Erkenntnisse und ein unerwarteter Internettrend lassen uns die vermeintlich ungenießbaren Schalen in einem neuen Licht sehen.

Ein Trend, der als Kuriosität begann

Die Szene war ebenso unerwartet wie einflussreich: Jenna Ortega, die Schauspielerin aus „Wednesday“, postete ein Video, in dem sie eine Kiwi mit Schale aß. Die sozialen Netzwerke reagierten sofort, tausende ahmten sie nach. Für manche war es nur eine Mutprobe – für andere der Beginn einer gesünderen Gewohnheit. Obst mit Schale zu essen ist längst keine schräge Marotte mehr, sondern ein Trend mit Rückendeckung aus der Wissenschaft.

Und ganz neu ist die Idee auch nicht. Wer erinnert sich nicht an Kinder, die Äpfel mitsamt Schale aßen oder sogar eine ganze Orange verschlangen? Was früher als seltsam galt, wird nun als natürliche und nahrhafte Form der Ernährung verstanden.

Was die Wissenschaft sagt (und das ist nicht wenig)

Laut Healthline ist die Schale vieler Obst- und Gemüsesorten nicht nur essbar, sondern enthält sogar mehr Nährstoffe als das Fruchtfleisch. Ein Beispiel: Ein Apfel mit Schale kann bis zu 115 % mehr Vitamin C enthalten als ein geschälter. Ähnlich verhält es sich mit gekochten Kartoffeln, deren Schale eine wichtige zusätzliche Kaliumquelle darstellt.

Auch beim Thema Ballaststoffe spielt die Schale eine große Rolle. Ein Großteil der Gesamtfasern befindet sich in der Schale – vor allem die lösliche Faserart, die laut aktueller Studien das Sättigungsgefühl fördert und den Appetit regulieren kann.

Zudem sind Antioxidantien – jene Stoffe, die Zellschäden bekämpfen und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken – in der Schale besonders konzentriert, wie der Mediziner Mahammad Jube betont.

Das Problem ist nicht die Schale, sondern unsere Einstellung

Warum also schälen wir weiter? Meist wegen der Konsistenz, des Geschmacks oder der Angst vor Pestiziden. Die Kiwi-Schale wirkt rau, Zitronen- oder Orangenschalen sind oft bitter. Doch viele dieser Probleme lassen sich durch gründliches Waschen mildern.

Auch die Sorge um chemische Rückstände ist berechtigt, aber beherrschbar: Mit gründlichem Waschen lassen sich etwa 40 % der Pestizide entfernen, durch Schälen sogar das Doppelte. Allerdings können selbst Bio-Produkte Spuren enthalten – Waschen bleibt daher immer wichtig.

Ist jede Schale essbar?

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© Photo By: Kaboompics.com – Pexels

Nicht alle Schalen eignen sich zum Verzehr. Einige, wie die von Melonen, Ananas oder Avocados, sind schlicht zu hart. Andere – etwa die von Äpfeln, Pflaumen oder Auberginen – gelten als völlig unbedenklich. Laut der Cleveland Clinic enthält Kiwischale besonders viel Ballaststoffe und Vitamin E, wobei sich Sorten mit dünner Schale wie die Gold-Kiwi besser eignen.

Vorsicht ist geboten bei exotischen Früchten wie Durian oder der japanischen Wollmispel: Deren Schalen können in größeren Mengen toxische Stoffe enthalten, etwa cyanogene Glykoside.

Was wir früher weggeworfen haben, zählt heute

Vielleicht lag das Kind, das früher die Frucht mit Schale aß, gar nicht so falsch. Essbare Schalen können wertvolle Nährstofflieferanten sein – ihr schlechter Ruf hat mehr mit Gewohnheiten als mit Gesundheit zu tun. Die Wissenschaft bestätigt ihren Nutzen. Vielleicht geht es nicht darum, alles zu essen, sondern darum, anders hinzusehen – auf das, was wir bisher achtlos weggeworfen haben.

Quelle: Xataka.

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