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Neue Methode ermöglicht die Rückgewinnung von bis zu 450 Milligramm Gold aus weggeworfenen Elektronikgeräten

Was viele achtlos in den Müll werfen, könnte mehr wert sein, als man denkt. Ein Forscherteam hat eine revolutionäre, umweltfreundliche und äußerst rentable Technik zur Rückgewinnung von Gold aus ausrangierten Elektronikgeräten entdeckt.
Von Lucas Handley Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Alte Handys, veraltete Router, kaputte Computer… Und wenn man dir sagen würde, dass all das mehr Wert hat, als du glaubst? Eine aktuelle Studie von Schweizer Wissenschaftlern hat eine überraschende und nachhaltige Methode aufgezeigt, um reines Gold aus Geräten zurückzugewinnen, die die meisten Menschen als Müll betrachten. Diese Entdeckung hat nicht nur wirtschaftliche, sondern auch ökologische und soziale Bedeutung.

Ein verborgener Schatz in deinem Zuhause

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© shutterstock


Oft entsorgen wir alte Elektrogeräte, ohne zu wissen, dass sich im Inneren ein kostbares und begehrtes Material befindet: Gold. Zwar nur in winzigen Mengen, doch zahlreiche Geräte wie Handys, Mikrowellen, Klimaanlagen und Router enthalten Platinen, Chips und Schaltkreise mit Goldionen.

Ein Forschungsteam der ETH Zürich in der Schweiz wagte einen genaueren Blick und untersuchte, wie sich dieses Gold effizient, umweltfreundlich und wirtschaftlich zurückgewinnen lässt. Das Ergebnis: eine innovative Technik, die es ermöglicht, bis zu 450 Milligramm Gold aus nur rund zwanzig Leiterplatten alter Computer zu extrahieren.

Die geheime Zutat: ein Schwamm aus Abfällen

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© Youtube – Archimedes Channel


Das Überraschendste an dieser Methode ist ihr Hauptbestandteil: ein Schwamm aus Proteinfasern, gewonnen aus Molke – einem Nebenprodukt der Lebensmittelindustrie. Dieses nachhaltige und biologisch abbaubare Material wirkt wie ein Magnet für Goldionen, wenn es in eine Metallsalzlösung mit zerkleinerten Elektronikbauteilen getaucht wird.

Während des Prozesses absorbiert der Schwamm das im Schaltkreis enthaltene Gold. Anschließend verwandeln die Forscher die gebundenen Ionen durch eine Wärmebehandlung in kleine Blättchen, die schließlich zu einem festen Nugget verschmolzen werden – bestehend zu 91 % aus reinem Gold, was einer Reinheit von 22 Karat entspricht.

Eine rentable Methode mit kommerziellem Potenzial

Neben dem wissenschaftlichen Durchbruch bietet diese Entdeckung auch ein vielversprechendes Geschäftsmodell. Die Forschenden geben an, dass sich mit der Technik bis zu das 50-Fache der Investitionskosten in Materialien und Arbeit zurückgewinnen lässt – dank des hohen Werts des gewonnenen Goldes.

Zudem stellt der umweltfreundliche Ansatz eine attraktive Alternative zu herkömmlichen Verfahren der Goldgewinnung oder des Elektronikrecyclings dar, die oft teuer, umweltschädlich und schwer zu skalieren sind.

Das ETH-Team arbeitet bereits an der Entwicklung einer Technologie, um die Methode im industriellen Maßstab anwendbar zu machen. Künftig sollen nicht nur gewöhnliche Elektroschrottteile genutzt werden, sondern auch Abfälle aus Verfahren wie der Vergoldung oder Rückstände von Mikrochips.

Eine Chance, Müll in Reichtum zu verwandeln

Diese Entdeckung eröffnet neue Perspektiven auf vielen Ebenen: von der Schaffung von Arbeitsplätzen im Bereich Elektronikrecycling bis zur Reduktion der Umweltauswirkungen von Elektroschrott. Die Anwendung dieser Methode könnte die Art und Weise revolutionieren, wie wir technologische Abfälle behandeln.

In fast jedem Haushalt gibt es Geräte, die nicht mehr genutzt werden und Gold enthalten könnten. Sollte sich dieses Verfahren weltweit durchsetzen lassen, könnte daraus eine neue Form des „urban mining“ entstehen – die nicht nur hilft, den Planeten zu entlasten, sondern auch vermeintlichen Müll in eine wertvolle Ressource verwandelt.

Die Zukunft des Goldes liegt offenbar nicht mehr unter der Erde – sondern verborgen in vergessenen Schubladen, für alle greifbar.

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