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Wissenschaft

NASA Zündet den leisen Superjet X-59 – und er sieht nach purer Geschwindigkeit aus

NASA hat gerade einen wichtigen Meilenstein in der Entwicklung ihres leisen Überschallflugzeugs erreicht. Das X-59 hat erfolgreich Motorentests durchlaufen und ist damit einen Schritt näher an die Revolutionierung des überschallfliegens gekommen – ganz ohne den berühmten lauten "Sonic Boom".
Von Isaac Schultz Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

NASA und Lockheed Martin testen das Herzstück des X-59

Zwischen Oktober 2023 und Februar 2024 testeten NASA und Lockheed Martin das modifizierte F414-GE-100-Triebwerk des X-59. Dieses Triebwerk wird nicht nur für den Antrieb sorgen, sondern auch die verschiedenen Bordsysteme mit Energie versorgen.

„Wir haben unsere geplanten Bodentests erfolgreich abgeschlossen“, erklärte Raymond Castner, Leitender Ingenieur für Antriebssysteme am NASA Glenn Research Center. „Der Luftstrom war stabil, genau wie in den Windkanaltests vorhergesagt. Wir hatten keine strukturellen oder vibrationsbedingten Probleme, und alle notwendigen Kühlsysteme funktionierten einwandfrei.“

Warum ist der X-59 so besonders?

Wenn ein Flugzeug die Schallmauer durchbricht – also schneller als Mach 1 fliegt (ca. 1.234 km/h) – entsteht ein lauter Knall, der auf der Erde nicht nur Menschen erschrecken, sondern sogar Fenster zum Bersten bringen kann. Genau aus diesem Grund hat die Federal Aviation Administration (FAA) bereits 1973 kommerziellen Überschallflug über Land verboten.

Die NASA will dieses Problem lösen, indem sie den berüchtigten „Sonic Boom“ in ein sanftes „Sonic Thump“ verwandelt – ein dumpfes Geräusch, das mit dem Zuschlagen einer Autotür vergleichbar ist. Der X-59 wurde genau dafür designt: Seine extrem schlanke und aerodynamische Form sorgt dafür, dass sich der Luftdruck sanfter verteilt und der gefürchtete Schallknall minimiert wird. Ein cleveres Detail: Das Triebwerk ist oben auf dem Rumpf montiert, damit weniger Lärm nach unten abstrahlt.

Der X-59: Eine Nadel für den Himmel

Anfang 2024 rollte der X-59 erstmals aus dem Hangar in Palmdale, Kalifornien – und er sieht aus wie pure Geschwindigkeit. Mit einer Länge von 30 Metern, einer Höhe von nur 4,27 Metern und einer Spannweite von 9 Metern gleicht er einer gigantischen, fliegenden Nadel, die die Luft durchschneiden soll.

NASA hat beeindruckende Testaufnahmen veröffentlicht, darunter spektakuläre Bilder der Nachbrenner in Aktion. Besonders auffällig: die sogenannten „Shock Diamonds“ im Abgasstrahl. Diese Muster entstehen durch die extremen Druck- und Temperaturunterschiede im Abgasstrom bei überschallgeschwindigkeit.

Die Zukunft des leisen Überschallflugs

Doch NASA ist nicht die Einzige, die an der Rückkehr des Überschallflugs arbeitet. Auch das private Unternehmen Boom Supersonic testet mit seinem Prototyp XB-1 neue Technologien. Erst im Januar 2024 durchbrach Boom mit dem XB-1 erstmals die Schallmauer.

Der X-59 wird in 16.764 Metern Höhe mit einer Geschwindigkeit von bis zu 1.489 km/h fliegen. Wann genau sein erster Testflug stattfinden wird, hat NASA in der aktuellen Mitteilung noch nicht bestätigt, aber es stehen noch einige Tests an:

  • Tests zur elektromagnetischen Verträglichkeit
  • Überprüfung der Datenerfassung im Normal- und Störfallbetrieb
  • Taxi-Tests am Boden

Sobald der X-59 in die Luft geht, wird NASA ausführlich untersuchen, wie sein „Sonic Thump“ am Boden wahrgenommen wird. Diese Tests werden voraussichtlich bis 2027 laufen – je nachdem, wann der erste Flug tatsächlich stattfindet.

Die Luftfahrtbranche wartet gespannt auf das, was kommen wird. Wenn NASA mit dem X-59 Erfolg hat, könnte das die Rückkehr des kommerziellen Überschallflugs bedeuten – nur diesmal ohne den gewaltigen Knall.

 

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