Etwas tötet Menschen in der Demokratischen Republik Kongo – und niemand weiß, was es ist. Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben zwei Ausbrüche einer mysteriösen Krankheit gemeldet, die bereits Hunderte infiziert und über 50 Todesopfer gefordert hat.
Die WHO-Vertreter in der afrikanischen Region veröffentlichten ihren neuesten Bericht über die Situation am vergangenen Donnerstag. Seit Januar wurden in der nordwestlichen Provinz Équateur insgesamt 431 Fälle und 53 Todesfälle registriert. Erste Tests haben bekannte Erreger wie Ebola und Marburg ausgeschlossen, aber bisher ist unklar, ob ein einzelner Krankheitserreger verantwortlich ist.
Zwei Ausbrüche in abgelegenen Dörfern
Der jüngste Ausbruch wurde Mitte Februar gemeldet, mit dem Epizentrum im Dorf Bomate. Dort sind mindestens 419 Menschen erkrankt, 45 davon verstorben (Stand: 15. Februar). Einige Wochen zuvor wurde ein kleinerer Ausbruch im Dorf Boloko und dem benachbarten Danda gemeldet, wo 12 Infektionen und acht Todesfälle registriert wurden.
Obwohl beide Orte in derselben Region liegen, ist nicht sicher, ob es sich um denselben Erreger handelt. Die Symptome sind jedoch ähnlich: hohes Fieber, Erbrechen, Durchfall, starke Erschöpfung, Bauchschmerzen und Kopfschmerzen. Einige Patienten zeigten zudem Blutungen – ein Warnzeichen für hämorrhagische Fiebererkrankungen. Dennoch fielen alle Tests auf Ebola und das Marburg-Virus negativ aus.
Besonders beunruhigend ist die schnelle Entwicklung der Krankheit. Fast die Hälfte der Todesopfer verstarb innerhalb von 48 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome. Die Sterblichkeitsrate liegt derzeit bei rund 10 %. Die isolierte Lage der Dörfer und die mangelnde medizinische Versorgung erschweren zudem die Behandlung und Untersuchung der Infizierten.
Unbekannte Krankheit stellt große Gesundheitsgefahr dar
„Die Situation in der Provinz Équateur birgt erhebliche Risiken für die öffentliche Gesundheit, da zwei Cluster einer unbekannten Krankheit eine hohe Morbidität und Mortalität verursachen“, heißt es im WHO-Bericht. „Die abgelegene Lage und die eingeschränkte Gesundheitsinfrastruktur erschweren die Reaktion, da die überforderten Einrichtungen mit der Versorgung der Patienten kämpfen.“
Solche unerklärlichen Krankheitsausbrüche treten immer wieder auf. Meist lassen sie sich schließlich auf bekannte Erreger zurückführen. Im Dezember letzten Jahres wurde ein rätselhafter Krankheitsausbruch in einer anderen Region der DRC letztlich auf eine besonders schwere Malaria-Form zurückgeführt, die durch Mangelernährung verschärft wurde. Doch in seltenen Fällen können solche Epidemien auch zur Entdeckung neuer Krankheitserreger führen.
Aktuell halten die WHO-Experten verschiedene Ursachen für möglich, darunter Malaria, Lebensmittel- oder Wasservergiftung, Typhus, Meningitis oder eine andere Form eines viralen hämorrhagischen Fiebers. Ein verdächtiger Hinweis stammt aus dem früheren Ausbruch in Boloko: Die ersten erkrankten Kinder hatten kurz zuvor das Fleisch einer toten Fledermaus gegessen. Fledermäuse sind bekannt dafür, viele Viren und Bakterien zu tragen, die auf den Menschen überspringen können – sie gelten als eine der größten Gefahren für neuartige Infektionskrankheiten.
Um die Ausbrüche weiter zu untersuchen, hat die WHO medizinisches Personal und zusätzliche Hilfsmittel in die betroffenen Gebiete geschickt. Derzeit laufen umfassende genetische Tests an Patientenproben, um den Erreger zu identifizieren und eine gezielte Bekämpfung einzuleiten.