Eine neue Studie legt nahe, dass Medikamente wie Ozempic nicht nur beim Abnehmen helfen, sondern auch dazu führen könnten, dass Menschen weniger Alkohol trinken. Forscher haben herausgefunden, dass viele Teilnehmer eines WeightWatchers-Programms nach der Einnahme dieser Medikamente ihren Alkoholkonsum reduzierten.
Die Untersuchung umfasste rund 14.000 Teilnehmer, die neben einer Ernährungsumstellung auch Medikamente zur Gewichtsreduktion einnahmen – darunter moderne GLP-1-Medikamente wie Semaglutid, das in den bekannten Präparaten Wegovy und Ozempic enthalten ist. Besonders spannend: Etwa die Hälfte derjenigen, die vor dem Programm regelmäßig Alkohol tranken, reduzierte nach Beginn der Medikamenteneinnahme ihren Konsum deutlich.
GLP-1-Medikamente und ihre unerwartete Wirkung auf das Verlangen nach Alkohol
Semaglutid und andere moderne GLP-1-Medikamente gelten als revolutionär im Kampf gegen Übergewicht. Doch Wissenschaftler untersuchen zunehmend, ob diese Wirkstoffe auch das Verlangen nach potenziell schädlichen Substanzen wie Alkohol oder sogar Opioiden reduzieren können. Bisherige Hinweise darauf stammen vor allem aus Tierstudien, Erfahrungsberichten von Patienten oder kleineren Studien.
Um diese Effekte besser zu verstehen, arbeiteten Wissenschaftler mit WeightWatchers zusammen. Die aktuelle Studie unterschied sich von früheren Untersuchungen, da sie eine Vielzahl von Medikamenten – darunter Metformin, Bupropion/Naltrexon sowie verschiedene GLP-1-Medikamente – einbezog. Zudem wurde nicht nur der aktuelle Konsum erfasst, sondern auch Veränderungen vor und nach der Medikamenteneinnahme analysiert.
Lisa Miller-Matero, die leitende Forscherin und stellvertretende Direktorin der Gesundheitsforschung am Henry Ford Health Institut, betont, dass die Ergebnisse vielversprechend sind. Rund 45 % der Teilnehmer, die vor der Studie regelmäßig Alkohol konsumierten, tranken nach Beginn der Medikamenteneinnahme weniger. Dies wurde in allen Medikamentengruppen beobachtet, wobei Teilnehmer, die Bupropion/Naltrexon einnahmen, am häufigsten über eine Reduktion berichteten. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Jama Network Open veröffentlicht.
Besonders bemerkenswert: Menschen, die vor der Studie einen mäßigen bis hohen Alkoholkonsum hatten, reduzierten ihren Konsum mit größerer Wahrscheinlichkeit als Gelegenheitskonsumenten. Dies könnte darauf hindeuten, dass die Medikamente speziell bei starkem Konsum eine bremsende Wirkung entfalten.
Was steckt hinter der Wirkung?
Es gibt verschiedene Theorien, warum GLP-1-Medikamente den Alkoholkonsum reduzieren könnten. Naltrexon beispielsweise ist bereits zur Behandlung von Alkoholabhängigkeit zugelassen und senkt bekanntermaßen das Verlangen nach Alkohol. GLP-1-Medikamente könnten einen ähnlichen Effekt haben, indem sie das Belohnungssystem im Gehirn beeinflussen – ähnlich wie sie auch Heißhunger auf bestimmte Lebensmittel verringern.
Interessanterweise zeigte sich dieser Effekt sogar bei Metformin-Nutzern, obwohl bisher keine Hinweise darauf existierten, dass das Medikament den Alkoholkonsum beeinflusst. Die Forscher vermuten, dass dieser Rückgang möglicherweise mit den allgemeinen Veränderungen im Lebensstil der Teilnehmer zusammenhängt, da Menschen, die Gewicht verlieren wollen, oft automatisch ihren Alkoholkonsum reduzieren.
Ob GLP-1-Medikamente künftig als Behandlung für Suchterkrankungen eingesetzt werden können, ist noch unklar. Es sind weitere Untersuchungen nötig, um herauszufinden, ob diese Medikamente gezielt zur Reduzierung von Alkoholmissbrauch eingesetzt werden können. Miller-Matero ist optimistisch und betont, dass diese Erkenntnisse eine tiefere Forschung in diesem Bereich rechtfertigen.
Zukünftige Studien könnten beispielsweise gezielt untersuchen, ob die Medikamenteneinnahme selbst die Reduktion des Alkoholkonsums bewirkt – oder ob dies eher eine Folge der Teilnahme an einem Abnehmprogramm ist. Bereits jetzt laufen erste klinische Studien, die gezielt testen, ob Semaglutid zur Behandlung von Alkoholabhängigkeit eingesetzt werden kann.
Letztendlich bleibt abzuwarten, ob sich GLP-1-Medikamente tatsächlich als neue Therapieoption für Suchterkrankungen etablieren. Doch die bisherigen Erkenntnisse lassen auf einen spannenden neuen Forschungsansatz hoffen.