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Tech

Microsoft und OpenAI: Bröckelt die Partnerschaft?

Microsoft sucht Alternativen zu OpenAI – und setzt auf eigene KI-Modelle
Von Thomas Maxwell Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Microsoft und OpenAI – das schien lange eine perfekte Partnerschaft zu sein. Doch inzwischen gibt es immer mehr Hinweise darauf, dass der Tech-Riese auf Distanz zu seinem einstigen KI-Partner geht. Ein neuer Bericht von The Information deutet darauf hin, dass Microsoft aktiv an eigenen KI-Modellen arbeitet und gleichzeitig Alternativen zu OpenAI testet. Dazu gehören unter anderem Modelle von Elon Musks xAI, Meta und DeepSeek, die potenziell als Ersatz für ChatGPT in Microsofts KI-gestütztem Assistenten Copilot eingesetzt werden könnten.

Noch vor ein bis zwei Jahren wäre ein solcher Schritt kaum vorstellbar gewesen. Microsoft hatte Milliarden in OpenAI investiert und einen Deal abgeschlossen, der die beiden Unternehmen scheinbar für Jahre aneinander binden würde. Doch in den letzten Monaten mehren sich Gerüchte, dass Microsoft seine Abhängigkeit von OpenAI reduzieren will – unter anderem wegen der hohen Kosten und der Geschwindigkeit von ChatGPT.

Copilot unter Kritik: Hohe Kosten, geringe Leistung

Microsofts Copilot hat bislang wenig Begeisterung in Unternehmen ausgelöst. Die Kosten sind hoch, und der praktische Nutzen hält sich in Grenzen. Zwar kann Copilot einfache Aufgaben erledigen, wie vorgefertigten Text in eine PowerPoint-Präsentation einfügen. Doch Sprachmodelle neigen dazu, Fehler zu produzieren, die manuell korrigiert werden müssen – was in einem Unternehmensumfeld oft mehr Aufwand bedeutet als Nutzen bringt.

Außerdem zeigen Erfahrungen, dass KI-Modelle, die nur mit festen Datensätzen arbeiten, oft bessere Ergebnisse liefern als solche, die auf das offene Internet zugreifen. Dennoch ist die Qualität von Copilot offenbar nicht überzeugend genug, um den hohen Preis zu rechtfertigen.

Microsoft und OpenAI: Erste Schritte zur Trennung?

Ein bedeutender Schritt in Richtung Eigenständigkeit erfolgte bereits im Januar: Microsoft erlaubte OpenAI, einen Vertrag aufzulösen, der das Start-up dazu verpflichtete, ausschließlich auf Microsofts Azure-Cloud zu setzen. Kurz darauf kündigte OpenAI ein ambitioniertes Infrastrukturprojekt im Wert von bis zu 500 Milliarden US-Dollar an – in Zusammenarbeit mit Oracle und SoftBank. Dass Microsoft nicht bereit war, weitere Ressourcen bereitzustellen, spricht Bände.

Ein besonders spannender Aspekt dieser Entwicklung ist, dass Microsoft als Großinvestor eigentlich das Recht hat, OpenAIs geistiges Eigentum zu nutzen. Doch offenbar hält sich OpenAI mit wichtigen Informationen zurück.

Laut The Information gab es bereits im vergangenen Herbst Spannungen: In einem Video-Call zwischen OpenAI und Microsofts KI-Chef Mustafa Suleyman forderte dieser Erklärungen zur Funktionsweise des neuen o1-Modells. OpenAI verweigerte jedoch die Herausgabe detaillierter Dokumentationen dazu, wie das Modell auf Nutzeranfragen reagiert. Diese Zurückhaltung scheint ein weiteres Indiz dafür zu sein, dass sich die einstigen Partner zunehmend als Konkurrenten wahrnehmen.

Microsofts Plan B: Eigene KI-Modelle und neue Geschäftsstrategien

Microsoft-Chef Satya Nadella hat sich wohl verschätzt, was die Kontrolle über OpenAI angeht. Noch 2022 hatte er sich gefragt, warum Microsoft eigene KI-Modelle entwickeln sollte, wenn man einfach OpenAIs nutzen kann. Doch inzwischen hat sich die Haltung deutlich verändert – nicht zuletzt, nachdem OpenAI-CEO Sam Altman seinen neuen Infrastruktur-Deal mit Oracle persönlich im Weißen Haus verkündet hat.

Jetzt plant Microsoft offenbar, sein eigenes Inhouse-Modell namens MAI zu entwickeln und an externe Entwickler zu verkaufen. Damit würde das Unternehmen direkt in OpenAIs Geschäftsbereich vordringen.

Dass Microsoft sich von OpenAI lösen will, ergibt aus unternehmerischer Sicht durchaus Sinn. Wenn KI wirklich die nächste große technologische Plattform wird, will Microsoft nicht nur als Kunde, sondern als dominanter Player auftreten. OpenAI, das aktuell noch als Non-Profit-Organisation firmiert, strebt schon länger eine Umwandlung in eine gewinnorientierte Firma an – womit sich die Unternehmensinteressen weiter auseinanderentwickeln.

Microsoft setzt auf mehrere KI-Strategien gleichzeitig

Es sieht so aus, als würde Microsoft auf verschiedene Pferde setzen, um im KI-Rennen auf jeden Fall vorne mit dabei zu sein. Vielleicht setzt sich Microsofts eigenes Modell durch, vielleicht bleibt OpenAI führend – oder vielleicht ist es ein Open-Source-Modell wie DeepSeek aus China, das am Ende das Rennen macht.

Was auch immer passiert, Microsoft positioniert sich so, dass es in jedem Szenario profitieren kann. Das Unternehmen scheut keine Risiken und platziert strategisch seine Spielsteine auf dem KI-Schachbrett. Die Partnerschaft mit OpenAI mag zwar noch bestehen, doch die Weichen für eine Zukunft ohne das Start-up scheinen bereits gestellt zu sein.

 

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