Die Entdeckung wurde im Fachjournal Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht und bringt neues Feuer in die Frage, ob es auf dem Roten Planeten einst Leben gab. Die Moleküle sind bis zu zwölf Kohlenstoffatome lang – und damit deutlich komplexer als bisherige Funde auf dem Mars.
So alt wie das Leben auf der Erde
Was die Sache noch spannender macht: Die Moleküle sind rund 3,7 Milliarden Jahre alt – etwa so alt wie die frühesten Spuren von Leben auf der Erde. Und das, obwohl Mars heute eher wie ein lebensfeindlicher Wüstenplanet wirkt: extreme Temperaturschwankungen, kaum Atmosphäre und nahezu kein flüssiges Wasser an der Oberfläche.
Doch vor Milliarden Jahren sah das offenbar ganz anders aus. Die Funde stammen aus Sedimentgestein, das seit Äonen weitgehend ungestört blieb – keine Hitze, keine Feuchtigkeit, kein geologischer Stress. Laut den Forschenden könnte es sich bei den Molekülen um sogenannte Fettsäuren handeln, die auf der Erde häufig durch biologische Prozesse entstehen.
Kein Beweis für Leben – aber ein starkes Indiz
Wichtig ist: Die Moleküle allein beweisen nicht, dass es auf dem Mars einmal Leben gab. Doch sie zeigen, dass die chemischen Voraussetzungen dafür definitiv vorhanden waren. Kohlenstoff ist eine zentrale Grundlage für Leben, da er komplexe Molekülverbindungen wie DNA oder RNA möglich macht.
„Auch wenn wir die genaue Herkunft dieser organischen Moleküle noch nicht kennen, könnten sie durch geologische Prozesse auf dem Mars entstanden sein – etwa durch hydrothermale Aktivität“, erklärt Daniel Glavin, leitender Wissenschaftler bei NASA Goddard und Mitautor der Studie. „Es ist aber auch möglich, dass sie durch Meteoriten auf den Mars gelangt sind – oder dass sie Reste einer urzeitlichen Mars-Biologie sind.“
Entdeckt mit dem Curiosity-Rover
Die Entdeckung gelang mit dem Sample Analysis at Mars-Labor (SAM), das sich an Bord des NASA-Rovers Curiosity befindet. SAM besteht aus einem Gaschromatographen und einem Massenspektrometer – zwei Geräten, die einzelne Moleküle in Gesteinsproben aufspüren und analysieren können.
Curiosity hat in den letzten Jahren bereits mehrfach organisches Material im Marsgestein gefunden, doch diesmal handelt es sich um die bislang längsten Kohlenstoffketten. Und das ist entscheidend: Je länger diese Ketten, desto komplexer die Chemie – und desto näher kommen wir der Art von Molekülen, die auf der Erde mit Leben verbunden sind.
Neue Missionen am Start
Während Curiosity weiter fleißig über den Mars rollt, stehen schon die nächsten Missionen in den Startlöchern. Die europäische ExoMars-Mission soll 2028 starten, gefolgt von der gemeinsamen Mars Sample Return-Mission von NASA und ESA. Ziel: Gesteinsproben vom Mars zur Erde bringen – für noch genauere Analysen.
Glavin sieht in der aktuellen Entdeckung ein starkes Argument für den eingeschlagenen Kurs: „Dass sich langkettige Kohlenwasserstoffe in altem Sedimentgestein erhalten haben – trotz der kosmischen Strahlung –, zeigt, dass es sich lohnt, nach Lebenszeichen nahe der Marsoberfläche zu suchen.“
Und er ergänzt: „Von Meteoriten und Asteroidenproben wissen wir, dass die Bausteine des Lebens – Aminosäuren, Carbonsäuren, Nukleobasen – im gesamten Sonnensystem verbreitet sind. Sie wurden mit hoher Wahrscheinlichkeit auch auf den Mars gebracht.“
Die große Frage bleibt
Trotz all dieser Indizien bleibt die Schlüsselfrage offen: Hat sich auf dem Mars jemals Leben entwickelt? Glavin bringt es auf den Punkt: „Die große Millionenfrage ist, ob sich auf dem Mars eine organische Chemie entwickelt hat, die in der Lage war, aus diesen einfachen Bausteinen komplexe Moleküle wie Proteine oder Nukleinsäuren zu formen – so wie in den Zellen auf der Erde.“
Mars: früher nass, heute staubtrocken
Fest steht: Früher gab es auf dem Mars reichlich Wasser – Flüsse, Seen, vielleicht sogar Meere. Heute sind davon nur noch ausgetrocknete Spuren geblieben. Doch unter der Oberfläche vermuten Forschende noch immer Reste von flüssigem Wasser. Beweise dafür stehen allerdings noch aus.
Auch der NASA-Rover Perseverance hat 2023 organische Moleküle entdeckt. Kein Beweis für Leben – aber ein weiteres Indiz dafür, dass der Mars einst lebensfreundlicher war als heute.
Der Blick geht weiter – bis nach Titan
Die Erkenntnisse vom Mars wirken über den Planeten hinaus. Laut dem französischen Forschungszentrum CNRS arbeitet das Team bereits an einem neuen SAM-ähnlichen Instrument für die Dragonfly-Mission. Der futuristische Quadrocopter soll ab Mitte der 2030er Jahre Saturns Mond Titan erkunden – ein weiterer vielversprechender Kandidat im Rennen um außerirdisches Leben.