Zum Inhalt springen
Wissenschaft

Mammut-Fleisch: Die Energiequelle der Eiszeit-Menschen

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Ernährung einer Clovis-Frau, die vor 13.000 Jahren in Nordamerika lebte, zu einem großen Teil aus Mammuts und anderen großen Wildtieren bestand.
Von Margherita Bassi Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Hast du dich jemals gefragt, was prähistorische Menschen vor 13.000 Jahren gegessen haben? Forscher aus den USA und Kanada haben neue Beweise präsentiert, die darauf hindeuten, dass einige der frühesten Bewohner Nordamerikas eine Vorliebe für richtig großes Steak hatten – und damit meinen wir Mammut-groß.

Ein Wissenschaftsteam unter der Leitung von James C. Chatters von der McMaster University und Ben A. Potter von der University of Alaska Fairbanks hat erstmals direkten Beweis dafür gefunden, dass die Clovis-Menschen große Tiere wie Mammuts als Nahrungsquelle nutzten. Ihre Ergebnisse, veröffentlicht in der renommierten Fachzeitschrift Science Advances, könnten erklären, warum sich frühe Menschen so schnell auf dem nordamerikanischen Kontinent ausbreiteten – und vielleicht sogar, welche Rolle sie beim Aussterben der riesigen Tiere am Ende der letzten Eiszeit spielten.

Was die Studie zur Clovis-Ernährung enthüllt

Die Clovis-Kultur bezeichnet eine prähistorische Gesellschaft in Nordamerika, die für ihre charakteristischen Steinwerkzeuge bekannt ist und gegen Ende der letzten Eiszeit aufkam. Die Clovis-Menschen gelten als Vorfahren der heutigen indigenen Bevölkerung Amerikas, doch ihre Ernährung war lange ein Streitthema unter Experten. Während einige Forscher behaupten, dass sie hauptsächlich Sammler waren und kleinere Tiere jagten, gibt es auch die Theorie, dass sie echte Spezialisten für die Jagd auf Megafauna – also riesige Tiere – waren. Diese neue Studie bestätigt die zweite Annahme.

Die Forscher analysierten Isotopendaten, also chemische Fingerabdrücke in organischen Materialien, um die Ernährungsweise dieser Menschen zu entschlüsseln. Konkret untersuchten sie bestehende Isotopen-Daten aus den 13.000 Jahre alten Überresten eines Clovis-Säuglings, der in Montana entdeckt wurde, und rekonstruierten die Ernährung seiner Mutter. Anschließend verglichen sie dieses Ergebnis mit den verfügbaren Nahrungsquellen der Region.

„Isotope liefern eine chemische Signatur der Ernährung eines Lebewesens und können mit denen möglicher Nahrungsmittel verglichen werden, um die anteilige Zusammensetzung der Nahrung zu berechnen“, erklärte Mat Wooller von der University of Alaska Fairbanks, der an der Studie beteiligt war.

Bisherige Forschungen hatten die Ernährung der Clovis-Menschen nur indirekt erschlossen – etwa durch Funde von Werkzeugen oder Tierknochen. Diese neue Untersuchung liefert nun den ersten handfesten Beweis: Rund 40 % der Nahrung der Clovis-Frau stammten von Mammuts, der Großteil des restlichen Speiseplans bestand aus anderen großen Tieren wie Elchen und Bisons. Nur ein kleiner Teil kam von kleineren Säugetieren.

Zum Vergleich: Die Wissenschaftler untersuchten auch die Ernährung anderer Fleischfresser und Allesfresser aus derselben Zeit. Das Ergebnis war überraschend – die Clovis-Frau ernährte sich sehr ähnlich wie der gefürchtete Skimitar-Katze, ein riesiger Raubkatze, die ebenfalls Mammuts jagte. Zufall? Wohl kaum.

Effektive Jäger mit großer Beute

„Was mich besonders fasziniert, ist, dass diese Ergebnisse viele frühere Funde bestätigen“, erklärt Ben Potter. „An Clovis-Fundstellen überwiegen die Überreste von großen Tieren, und die Speerspitzen sind groß und an Wurfspeeren befestigt – eine extrem effiziente Distanzwaffe.“

Die Theorie, dass Clovis-Menschen vor allem große Beutetiere jagten, ergibt auch aus anderen Gründen Sinn. Tiere wie Mammuts waren über den gesamten Kontinent verbreitet und boten eine zuverlässige Quelle für fettreiches Protein – ein enormer Vorteil für eine mobile Jäger- und Sammlergesellschaft. Kleinere, regional begrenzte Tiere hätten diesen Bedarf nicht decken können.

„Diese Menschen waren unglaublich effektive Jäger“, sagt Chatters. Die Spezialisierung auf Mammuts könnte auch erklären, wie die Clovis-Menschen sich so schnell über Nord- und Südamerika ausbreiten konnten – und warum viele große Tiere gegen Ende der Eiszeit ausstarben.

Wenn sich das Klima verändert und die Lebensräume für Megafauna schrumpfen, dann macht sie das anfälliger für menschliche Jagd“, erklärte Potter. „Und die Clovis-Menschen waren extrem gute Jäger.“ Tatsächlich hatten die Mammuts bereits mit der sich wandelnden Umwelt zu kämpfen, als die Clovis-Menschen dazukamen – und den Tieren den Rest gaben.

Shane Doyle, Direktor der Yellowstone Peoples, betont die Bedeutung dieser Entdeckung: „Diese Studie verändert unser Verständnis darüber, wie indigene Völker in Amerika durch die Jagd auf eines der gefährlichsten und mächtigsten Tiere ihrer Zeit überlebten.“ Um das kulturelle Erbe der Clovis-Menschen zu würdigen, arbeiteten die Forscher eng mit indigenen Stämmen aus Montana, Wyoming und Idaho zusammen.

Diese Erkenntnisse werfen nicht nur ein neues Licht auf die Ernährung der Clovis-Kultur, sondern auch auf deren Einfluss auf die nordamerikanische Umwelt. Eins steht fest: Die Clovis-Menschen waren keine Gelegenheitsjäger – sie waren spezialisierte Mammut-Jäger, die eine entscheidende Rolle in der prähistorischen Geschichte spielten.

 

Diese Geschichte teilen

Verwandte Artikel