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Wissenschaft

Männer sind doppelt so stark gewachsen wie Frauen, während Länder wohlhabender wurden

Forschende vermuten, dass sexuelle Selektion eine Rolle spielt.
Von Margherita Bassi Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Ein internationales Forscherteam hat Daten zur Körpergröße und zum Gewicht von mehr als 135.600 nicht fettleibigen Männern und Frauen aus der ganzen Welt analysiert und diese mit dem Wohlstandsniveau der jeweiligen Länder verknüpft. Während sowohl Männer als auch Frauen in wohlhabenderen Ländern größer und schwerer werden, zeigt die Studie, dass dieser Effekt bei Männern doppelt so stark ist wie bei Frauen.

In einer am 22. Januar in Biology Letters veröffentlichten Untersuchung vermuten die Wissenschaftler, dass moderne sexuelle Präferenzen zumindest teilweise für diesen Unterschied verantwortlich sind.

„Unsere länderübergreifenden Analysen zeigen, dass sich mit der Verbesserung der sozialen und ökologischen Bedingungen – einschließlich eines geringeren Krankheitsaufkommens – die Körpergröße und das Gewicht der Menschen erhöhen. Dieser Effekt ist bei Männern jedoch mehr als doppelt so ausgeprägt wie bei Frauen, was zu einer stärkeren sexuellen Größendimorphie (SSD) führt“, schreiben die Forschenden aus Italien, den USA und Großbritannien in ihrer Studie. Der Begriff sexuelle Dimorphie beschreibt physische Unterschiede zwischen den Geschlechtern einer Spezies.

Männer profitieren biologisch stärker von besseren Lebensbedingungen

Die Forschenden spekulieren, dass Frauen tendenziell größere und muskulösere Männer als Partner bevorzugen, während Männer weniger Wert auf die Körpergröße von Frauen legen. Zudem deutet der drastische Unterschied im Wachstum zwischen den Geschlechtern in wohlhabenderen Ländern darauf hin, dass die männliche Morphologie empfindlicher auf Umweltbedingungen reagiert als die weibliche.

„Basierend auf unserem Hauptergebnis, dass die sexuelle Größendimorphie in günstigeren Umfeldern stärker ausgeprägt ist, zeigt sich, dass die Entwicklung und Aufrechterhaltung der Körpermorphologie bei Männern sensibler auf die Lebensbedingungen reagiert als bei Frauen – zumindest in Bezug auf Körpergröße und Gewicht“, schreiben die Autoren der Studie.

Mit anderen Worten: „Wenn sich die ökologische oder wirtschaftliche Situation verbessert und der Zugang zu Ressourcen steigt, ziehen Männer biologisch größere Vorteile daraus als Frauen. In Zeiten knapper Ressourcen ist es genau umgekehrt – Männer ‚leiden‘ stärker als Frauen“, erklärt der Biologe Bogusław Pawłowski von der Universität Wrocław in Polen gegenüber CNN. Er war nicht an der Studie beteiligt.

Obwohl die Forschenden betonen, dass ihre Ergebnisse lediglich eine Korrelation zeigen und keinen direkten Ursache-Wirkungs-Zusammenhang belegen, schlagen sie vor, dass die männliche Körpergröße sowie geschlechtsspezifische Unterschiede darin als Biomarker zur Überwachung der gesundheitlichen Entwicklung von Bevölkerungen genutzt werden könnten.

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