Zum Inhalt springen
Wissenschaft

Macht, Kontrolle, Charme: In diesen Berufen tummeln sich laut Psychologie die meisten Psychopathen

Einfluss, Stress, Entscheidungsgewalt – laut einer Studie des Psychologen Kevin Dutton zieht genau das Menschen mit psychopathischen Zügen magisch an. Die Erkenntnisse sorgen im Netz für Aufsehen – und jede Menge Diskussion.
Von Martín Nicolás Parolari Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Wenn wir das Wort „Psychopath“ hören, denken viele sofort an Kriminalfälle oder Serienmörder. Doch die Realität ist weit komplexer. Nur etwa 1 bis 3 Prozent der Bevölkerung zeigen laut Forschung psychopathische Persönlichkeitsmerkmale – und die allermeisten davon leben vollkommen legal und angepasst. Mehr noch: Viele dieser Menschen haben Jobs, in denen kühle Rationalität, Selbstkontrolle und emotionale Distanz keine Makel, sondern regelrechte Karriere-Booster sind.

Die Studie, die bestimmte Berufe entlarvt hat

Auslöser der aktuellen Diskussion war ein virales TikTok-Video der True-Crime-Creatorin „Huella del delito“. Darin fasste sie die Erkenntnisse aus dem Buch Die Weisheit der Psychopathen von Kevin Dutton zusammen. Der britische Psychologe analysiert darin, wie bestimmte psychopathische Eigenschaften im Berufsleben nicht nur akzeptiert, sondern regelrecht belohnt werden.

Der klassische „gewalttätige Psychopath“ ist laut Dutton längst nicht die Regel. Viele Menschen mit hohem Psychopathie-Score wirken auf den ersten Blick sympathisch, eloquent und kontrolliert. Doch unter der Oberfläche fehlt es oft an echter Empathie – ein Vorteil in bestimmten Berufen.

Macht, Kontrolle, Charme: In diesen Berufen tummeln sich laut Psychologie die meisten Psychopathen
© Unsplash – Liza Polyanskaya.

Das sind die Top 10 der Psychopathen-Jobs

Laut Dutton fühlen sich Menschen mit psychopathischen Tendenzen besonders wohl in hierarchischen Strukturen, unter hohem Leistungsdruck und dort, wo Macht ausgeübt werden kann. Hier die zehn auffälligsten Berufsgruppen:

10. Beamte: Klare Strukturen, kontrollierbare Macht, wenig emotionale Nähe.
9. Köche: Arbeiten unter Hochdruck, behalten auch im Chaos die Kontrolle.
8. Geistliche: Predigten und Einfluss – ohne körperliche Gewalt.
7. Polizisten: Autorität, Macht über andere, klare Hierarchien.
6. Journalisten: Manipulieren, aufdecken, schockieren – ohne Gewissensbisse.
5. Chirurgen: Emotionslosigkeit hilft, auch in Extremsituationen präzise zu handeln.
4. Händler: Charmant, manipulativ, gewinnorientiert – ohne Rücksicht.
3. TV- und Radio-Moderatoren: Rampenlicht, Kontrolle über Inhalte, öffentliche Präsenz.
2. Anwälte: Macht durch Regeln, Debatten und strategisches Denken.
1. CEOs: Absolute Spitze – dort, wo harte Entscheidungen Alltag sind und Menschlichkeit oft zweitrangig wird.

Reaktionen: zwischen Lachen und Nachdenklichkeit

In den sozialen Medien löste das Video einen Sturm an Reaktionen aus. Einige Kommentatorinnen – darunter auch Juristinnen – gaben zu, sich oder Kolleginnen in der Beschreibung wiederzuerkennen. Andere wunderten sich über das **Fehlen von Politikerinnen** in der Liste. Auch Psycholog*innen wurden erwähnt – obwohl sie laut Duttons Ranking nicht in den Top 10 auftauchen.

Abseits der Ironie wirft die Diskussion aber auch ernsthafte Fragen auf: In welchen Kontexten werden Eigenschaften wie emotionale Kälte, Manipulation oder Gewissenlosigkeit als „Stärke“ gewertet – und sogar mit Aufstieg und Macht belohnt?

Erfolg um jeden Preis?

Duttons Buch zeigt auf, wie dünn die Linie zwischen gefährlichem Verhalten und gesellschaftlich erwünschten Kompetenzen sein kann. Wer es schafft, Charme, Skrupellosigkeit und Stressresistenz zu kombinieren, hat in manchen Branchen beste Chancen auf Karriere – gerade dort, wo Empathie als Schwäche gilt.

Dabei stellt sich eine unbequeme Frage: Fördert unser System am Ende genau jene Charaktere, die auf zwischenmenschlicher Ebene eher toxisch sind – aber perfekt ins System passen?

Und jetzt du: Kennst du jemanden, der in dieses Profil passt?

Diese Geschichte teilen

Verwandte Artikel