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Wissenschaft

Leuchtende Wasserstoff-Wolke nahe unseres Sonnensystems entdeckt – und sie könnte neue Sterne hervorbringen

Ein internationales Forschungsteam hat eine riesige, glühende Molekülwolke entdeckt – kaum 300 Lichtjahre von der Erde entfernt.
Von Passant Rabie Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Die Wolke, getauft auf den Namen Eos (nach der griechischen Göttin der Morgenröte), zählt zu den größten Einzelstrukturen am Himmel und könnte der Erde näher liegen als jede andere bekannte molekulare Gaswolke. Ihr Inneres ist reich an Material, das potenziell neue Sterne entstehen lassen könnte.

Ein Blick in die Wiege der Sterne

Sterne entstehen in gewaltigen, kalten Wolken aus Gas und Staub, die sich unter ihrer eigenen Schwerkraft zusammenziehen. Solche Molekülwolken ziehen sich oft über Hunderte Lichtjahre – Eos ist also keine Ausnahme. Aber was diese Wolke so besonders macht, ist ihre Nähe: Mit rund 300 Lichtjahren Entfernung liegt sie quasi in unserer kosmischen Nachbarschaft.

„Eos bietet uns einen einzigartigen Logenplatz, um den Sternentstehungsprozess live mitzuerleben“, erklärt Blakesley Burkhart, Astrophysikerin an der Rutgers University und Hauptautorin der Studie, die kürzlich in Nature Astronomy veröffentlicht wurde. Durch ihre Nähe erlaubt die Wolke Einblicke in Prozesse, die sonst nur schwer zu beobachten sind – etwa die Umwandlung von interstellarem Gas in neue Sterne und Planeten.

Das Leuchten aus dem Nichts

Was Eos von anderen bekannten Gaswolken unterscheidet, ist die Art, wie sie entdeckt wurde. Normalerweise werden solche Strukturen über die Strahlung von Staubpartikeln im Infrarotbereich identifiziert. In diesem Fall jedoch gelang der Fund durch die Erkennung von fluoreszierendem molekularem Wasserstoff im fernen ultravioletten Spektrum – ein Novum in der Astronomie.

„Es ist das erste Mal überhaupt, dass eine Molekülwolke durch direkte Beobachtung der ultravioletten Fluoreszenz von Wasserstoff entdeckt wurde“, betont Burkhart. Molekularer Wasserstoff besteht aus zwei Wasserstoffatomen und ist das häufigste Molekül im Universum. Doch weil sein Leuchten in einem für die Erde kaum durchdringbaren UV-Bereich liegt, war er bisher extrem schwer nachweisbar.

„Diese Wolke leuchtet buchstäblich im Dunkeln“, so Burkhart weiter. Die Daten zeigten Wasserstoffmoleküle, die durch UV-Fluoreszenz nachgewiesen werden konnten – ein Durchbruch für die Beobachtung der sogenannten Sternentstehungsgebiete.

Eine gigantische Mondsichel im All

Eos befindet sich am Rand der sogenannten Lokalen Blase, einem heißen Plasma-Hohlraum in unserer Galaxie, umgeben von Gas und Staub. Die Wolke selbst hat die Form einer Mondsichel und erstreckt sich über eine Fläche am Himmel, die etwa 40 Vollmonden entspricht. Ihre Masse wird auf das 3.400-Fache unserer Sonne geschätzt – ein kolossaler Speicher an Rohmaterial für potenzielle Sonnen und Planetensysteme.

Mithilfe der neuen UV-Methode könnten künftig weitere bislang unsichtbare Molekülwolken in der Milchstraße entdeckt werden. Das eröffnet neue Perspektiven, um den Übergang von diffusem interstellarem Material zu konkreten Stern- und Planetenentstehungen besser zu verstehen.

„Wenn wir durch unsere Teleskope schauen, beobachten wir oft ganze Sonnensysteme mitten in ihrer Entstehung – aber wir wissen wenig über die einzelnen Schritte dahin“, sagt Burkhart. „Eos ist ein Wendepunkt: Wir können jetzt direkt messen, wie Molekülwolken sich bilden, sich auflösen und wie daraus letztlich Sterne werden.“

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