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Wissenschaft

Laser enthüllt beeindruckende Tattoo Art auf 1.200 Jahre alten peruanischen Mumien

Neue Technik enthüllt verborgene Meisterwerke der Chancay-Kultur
Von Margherita Bassi Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Neue Technik enthüllt verborgene Meisterwerke der Chancay-Kultur

Tattoos verblassen bereits innerhalb eines einzigen Menschenlebens. Doch wie sehr könnte die Zeit an den Hautverzierungen von 1.200 Jahre alten Mumien genagt haben?

Ein internationales Forscherteam hat nun erstmals Laser eingesetzt, um die verblassten Tattoos auf peruanischen Mumien sichtbar zu machen. Mithilfe dieser Technik, die in einer am 13. Januar in der Fachzeitschrift PNAS veröffentlichten Studie beschrieben wird, gelang es den Wissenschaftlern, kunstvolle Designs ans Licht zu bringen. Die Funde liefern neue Einblicke in die raffinierten Tattoo-Praktiken der alten Chancay-Kultur und zeugen von einer bislang unterschätzten künstlerischen Fähigkeit im vorkolumbianischen Peru.

Jahrtausendealte Tattoo-Tradition

Tattoos existieren als Ausdrucksform bereits seit mehr als 5.000 Jahren. Das älteste bekannte Beispiel ist Ötzi, der berühmte Eismann, der um 3300 v. Chr. in den Alpen starb. Doch da Weichteilgewebe selten erhalten bleibt und Tattoos im Laufe der Zeit verblassen oder verlaufen, gibt es nur wenige Gelegenheiten, diese uralte Kunstform zu erforschen. Bisher nutzten Archäologen Infrarot-Technologie, um antike Tattoos zu analysieren. Diese Methode stieß jedoch an ihre Grenzen, da sie die feineren Details der Körperkunst nicht ausreichend sichtbar machte.

Das Forschungsteam setzte nun auf eine innovative Technik: Laser-stimulierte Fluoreszenz (LSF). Diese Methode wird bereits seit Jahren von Paläontologen genutzt, um Dinosaurierfossilien zu untersuchen. Doch erstmals wurde sie nun dazu verwendet, Tattoos auf mumifizierter menschlicher Haut zu analysieren – mit beeindruckenden Ergebnissen.

„Wir verwandeln die Haut im Grunde in eine Glühbirne“, erklärte Thomas G. Kaye von der gemeinnützigen Foundation for Scientific Advancement in Arizona gegenüber der Associated Press. Durch die Laser-Technologie leuchtet die nicht-tätowierte Haut in Kontrast zur tätowierten, wodurch selbst feinste, mit bloßem Auge unsichtbare Designs sichtbar werden.

Die Chancay-Kultur und ihre verborgene Kunst

Die Wissenschaftler untersuchten über 100 Mumien der Chancay-Kultur, die zwischen 900 und 1533 n. Chr. entlang der zentralen Küste des heutigen Peru lebte. Die Chancay, bekannt für ihre filigranen Textilien, wurden später in das Inkareich integriert. Die Studie ergab, dass die meisten Tattoos auf diesen Mumien als amorphe Flecken mit unscharfen Rändern erschienen. Doch einige Designs waren bemerkenswert präzise: Mit Linien von nur 0,1 bis 0,2 Millimeter Dicke wurden geometrische und zoomorphe Muster erschaffen, die auf eine außergewöhnliche Handfertigkeit hinweisen.

„Jeder einzelne Punkt der Tinte wurde mit außerordentlicher Präzision von Hand gesetzt“, erklärten die Forscher. „Dies lässt vermuten, dass ein feines Werkzeug wie eine einzelne Kaktusnadel oder ein geschärfter Tierknochen verwendet wurde, um die Muster zu erzeugen.“

Die Designs wurden mit anderen Artefakten der Chancay-Kultur verglichen, darunter Keramiken, Textilien und Felszeichnungen. Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass die Tattoos die bisher kunstvollsten Werke dieser Zivilisation darstellen.

„Die Studie zeigt eine höhere künstlerische Komplexität im vorkolumbianischen Peru, als bislang angenommen“, erklärten die Wissenschaftler. Dies erweitert unser Verständnis für die künstlerische Entwicklung Südamerikas in dieser Zeit.

Ein neues Zeitalter der Tattoo-Forschung?

Die erstmalige Anwendung der LSF-Technologie auf Mumien könnte den Weg für weitere Entdeckungen ebnen. Vielleicht verbirgt sich unter dem Staub der Jahrtausende noch viele unerwartete Kunstwerke – die modernen Tattoos durchaus Konkurrenz machen könnten.

 

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