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Langjährige Schreib-Community NaNoWriMo stellt nach AI-Kontroverse den Betrieb ein

Der „National Novel Writing Month“ ist Geschichte – zumindest offiziell.
Von AJ Dellinger Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

NaNoWriMo, die Non-Profit-Organisation, die aus der jährlichen Tradition des „National Novel Writing Month“ hervorgegangen ist, hatte eine solide 25-jährige Laufzeit, in der sie Autor*innen dazu ermutigte, im Schnelltempo Romane zu schreiben – doch nun ist Schluss. Am Montag gab die Organisation bekannt, dass sie ihre Aktivitäten einstellt – wegen anhaltender finanzieller Probleme und einiger sehr öffentlicher Kontroversen in den letzten Jahren.

In einer E-Mail an Community-Mitglieder (die auch auf Reddit geteilt wurde) legte die Organisation ihre Gründe offen dar. Sie räumte ein, dass sie seit „sechs Jahren mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen“ habe – was unter kunstbezogenen Non-Profits keine Seltenheit ist. Ein Bericht ergab, dass 2023 rund 25 % der Kunstorganisationen ein Defizit in Höhe von mehr als 10 % ihres Budgets verzeichneten.

Diese finanziellen Schwierigkeiten könnten mit ein Grund gewesen sein, warum NaNoWriMo 2022 eine Partnerschaft mit Inkitt einging – eine Entscheidung, die in der Community auf Kritik stieß und vielleicht das erste deutliche Warnsignal war, dass es intern nicht gut lief. Inkitt, eine Online-Publishing-Plattform, wurde von einigen Autor*innen als Scam bezeichnet – eine Content-Farm, die junge oder neue Schreibende ausnutze.

Das Drama nahm 2023 weiter Fahrt auf, als eine Moderatorin des Young-Writer’s-Program-Forums beschuldigt wurde, eine Erotik-Seite zu betreiben und minderjährige Nutzer*innen zu manipulieren. Neben diesen Vorwürfen beklagten sich Community-Mitglieder über generelles Desinteresse der Moderation, etwa unbeantwortete Meldungen und Beschwerden. Auch wenn das NaNoWriMo-Board nicht alle Vorwürfe gegen die beschuldigte Person bestätigen konnte, wurde das Forum daraufhin geschlossen.

Den wohl größten öffentlichen Rückschlag erlebte NaNoWriMo jedoch im vergangenen Jahr, als die Organisation eine Stellungnahme zur Nutzung von AI veröffentlichte. Zwar erklärte man, weder für noch gegen AI beim Schreiben zu sein, fügte jedoch hinzu:
„Wir möchten auch klarstellen, dass eine pauschale Verurteilung von Artificial Intelligence klassistische und ableistische Untertöne haben kann, und dass Fragen zur Nutzung von AI mit Fragen zu Privilegien verbunden sind.“

Diese Aussage kam bei vielen Mitgliedern der NaNoWriMo-Community nicht gut an – auch nicht bei behinderten Personen, die betonten, dass es einen Unterschied zwischen unterstützenden Tools und generativer AI gebe. Die Autorinnen Maureen Johnson und Daniel José Older traten daraufhin aus dem Vorstand der Organisation zurück. Auch andere Autorinnen äußerten Kritik an der Haltung – vor allem mit dem Hinweis, dass generative AI-Modelle vermutlich auf ihren Werken trainiert wurden, ohne Zustimmung oder Entlohnung.

Damit ist es zum ersten Mal seit 1999 vorbei mit NaNoWriMo. Wer weiterhin einen Roman in nur einem Monat schreiben will, muss sich jetzt selbst zur Verantwortung ziehen.

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