Das Justizministerium kündigte am Montag an, sich aus der aktiven Regulierung des Digital-Asset-Sektors zurückzuziehen. Stattdessen wolle man sich auf Fälle konzentrieren, in denen Kryptowährungen zur Unterstützung von Verbrechen wie Drogenhandel oder Menschenhandel eingesetzt werden.
Was das in der Praxis bedeutet? Weniger Kontrolle, weniger Konsequenzen – und ein digitales Paradies für Betrüger, Geldwäscher und dubiose Börsenbetreiber.
Trumps Gnadenakte für die Krypto-Welt
Die Ankündigung erfolgt nur wenige Wochen, nachdem Präsident Trump eine Reihe von Begnadigungen ausgesprochen hat – unter anderem für Ross Ulbricht, den Gründer des Darknet-Marktplatzes Silk Road, sowie für die früheren Führungskräfte der Krypto-Börse BitMEX. Diese waren zuvor wegen Verstößen gegen Geldwäschegesetze und mangelnder Identitätsprüfungen verurteilt worden. Das Justizministerium unter Trumps Vorgänger Biden hatte BitMEX noch als regelrechte „Geldwäscheplattform“ bezeichnet.
Jetzt hingegen: keine Auflagen mehr, keine Rechenschaft – und ein deutlich entspannteres Umfeld für Krypto-Börsen aller Art. Auch Nordkoreas berüchtigte Hacking-Gruppen, die schon mehrfach durch Kryptodiebstahl aufgefallen sind, dürften sich über die neuen Freiheiten freuen.
Versprechen klingen hohl
Zwar versichert das Justizministerium, man werde weiterhin gegen Betrüger innerhalb der Branche vorgehen, insbesondere wenn Anleger geschädigt werden. Doch Trumps jüngste Begnadigungen werfen einen langen Schatten: Trevor Milton, Gründer von Nikola, und Carlos Watson von Ozy Media – beide wegen massiver Anleger-Täuschung angeklagt – wurden ebenfalls von Trump begnadigt oder deren Strafen umgewandelt.
Die Botschaft: Wer genug Einfluss hat, kommt davon.
Krypto-Spezialeinheit wird aufgelöst
Wie die Washington Post berichtet, wurde den Staatsanwälten zusätzlich mitgeteilt, dass die 2022 gegründete „National Cryptocurrency Enforcement Team“ aufgelöst wird. Diese Spezialeinheit war eigens ins Leben gerufen worden, um gegen kriminellen Missbrauch von Kryptowährungen vorzugehen. Kritiker sehen in der Entscheidung ein fatales Signal: Während im traditionellen Bankensektor jede Transaktion über 10.000 Dollar überprüft wird, können digitale Vermögenswerte oft unbehelligt durch halbseidene Plattformen fließen.
Branchenvertreter verteidigen sich gern mit dem Argument, dass Bargeld schließlich auch oft für illegale Geschäfte verwendet wird. Doch der Unterschied liegt auf der Hand: Bargeld braucht Koffer – Bitcoin braucht nur ein Wallet.
Trump, Familie und die große Krypto-Wette
Dass Trumps Herz für Krypto schlägt, ist kein Geheimnis. Schon vor seiner (zweiten) Amtsübernahme veröffentlichte er seinen eigenen Meme-Coin. Im Jahr 2024 gründete er gemeinsam mit seinen Kindern das Unternehmen World Liberty Financial, das sich ganz dem Krypto-Geschäft widmet. Im März dieses Jahres kündigte das Weiße Haus an, eine „strategische Reserve“ an Kryptowährungen aufbauen zu wollen – bestehend aus Coins, die bei Strafverfolgungen beschlagnahmt wurden.
Ein staatlich geführter Kryptospeicher klingt zunächst strategisch, doch Fachleute sehen es kritisch: Kryptowährungen sind extrem volatil. Was heute Millionen wert ist, kann morgen auf einen Bruchteil fallen. Warum also nicht gleich verkaufen?
Interessant ist auch das Timing: Trumps Familie kaufte in großem Stil Kryptowährungen auf – kurz bevor der Präsident öffentlich ankündigte, die Branche regulatorisch zu entlasten. Eric Trump beteuert zwar, es gebe keine Absprachen zwischen Familie und Weißem Haus. Doch wer braucht schon klare Worte, wenn die Zeichen so eindeutig sind?
Aufsicht ade, Kursrakete ahoi?
Mit Trumps Deregulierungsplänen steht der Branche nun endgültig Tür und Tor offen. Was Krypto bislang wirtschaftlich geleistet hat? Wenig bis nichts. Noch immer basiert der Hype überwiegend auf Spekulation – und dem Glauben, dass die Preise einfach immer weiter steigen.
Sogar Sam Bankman-Fried, einst gefeierter Krypto-Star und heute Gefängnisinsasse, gestand kürzlich in einem Interview: Kryptowährungen seien immer noch zu kompliziert und für normale Menschen kaum zu gebrauchen. Für Betrügereien hingegen seien sie bestens geeignet – und genau dort liegt die Gefahr.
Weniger Kontrolle bedeutet nicht nur mehr Betrugsmöglichkeiten, sondern wohl auch steigende Kurse. Unternehmen wie Coinbase oder Robinhood dürften sich über die Lockerungen freuen, da ihnen regulatorische Hürden beim Einführen neuer Produkte aus dem Weg geräumt werden.
Die Rechnung geht auf
Die Krypto-Industrie hat über Jahre hinweg enorme Summen investiert, um einen Präsidenten ins Amt zu bringen, der ihr wohlgesonnen ist. Jetzt zeigt sich: Es war eine lohnende Wette. Die Aufsicht schwindet, die Kurse ziehen an – und für viele Akteure sinkt das Risiko, überhaupt belangt zu werden.
Was soll da noch schiefgehen?