Ein Alptraum im Abfluss
Achtung vor Krankenhauswaschbecken! Eine neue Studie zeigt, dass diese Abflüsse ein Hotspot für gefährliche, multiresistente Keime sind – und das selbst nach gründlicher Desinfektion.
Forscher der Universität der Balearischen Inseln in Spanien haben diese Erkenntnisse in einer aktuellen Studie im Fachjournal Frontiers in Microbiology veröffentlicht. Sie analysierten Bakterienproben aus den Abflüssen eines modernen und gut gepflegten Krankenhauses und fanden eine erschreckend große Vielfalt an problematischen Mikroben, darunter Superkeime, die gegen mehrere Antibiotika gleichzeitig resistent sind. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Bekämpfung dieser Bakterien in Krankenhäusern noch schwieriger ist als bisher angenommen.
Ein globales Gesundheitsproblem
Antibiotikaresistenzen gehören zu den drängendsten Gesundheitsproblemen unserer Zeit. Jährlich sterben weltweit schätzungsweise 1,27 Millionen Menschen an Infektionen mit resistenten Bakterien – darunter 35.000 in den USA. Experten prognostizieren, dass diese Zahl in den kommenden Jahrzehnten mit den jährlichen Krebstodesfällen (aktuell etwa 10 Millionen) gleichziehen oder sie sogar übertreffen könnte.
Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen sind berüchtigte Brutstätten für resistente Keime. Der häufige Einsatz von Antibiotika in diesen Einrichtungen fördert die Resistenzentwicklung. Zudem sind Patienten oft geschwächt, sodass sich Infektionen schneller ausbreiten können. Daher ergreifen Krankenhäuser umfassende Maßnahmen, um das Risiko von Antibiotikaresistenzen zu minimieren – dazu gehören auch intensive Reinigungsverfahren für Waschbecken und Abflüsse.
Wie widerstandsfähig sind Keime wirklich?
Um die Wirksamkeit dieser Schutzmaßnahmen zu testen, untersuchten die Forscher Abflüsse in einem modernen Universitätskrankenhaus auf Mallorca, das 2001 erbaut wurde. Die Einrichtung desinfiziert ihre Waschbecken und Abflüsse regelmäßig mit Bleichmittel, dampft sie alle zwei Wochen mit Hochdruck ab und behandelt die Rohrleitungen einmal jährlich mit Chlor.
Zwischen Februar 2022 und Februar 2023 sammelten die Wissenschaftler mithilfe von Wattestäbchen Proben aus sechs Abflüssen in fünf Krankenhausstationen: zwei auf Intensivstationen, je einer auf den Stationen für Hämatologie, Kurzzeitaufenthalte und Allgemeinmedizin sowie einem mikrobiologischen Labor.
Das Ergebnis: Sie identifizierten insgesamt 67 verschiedene Bakterienarten. Trotz der Unterschiede zwischen den Stationen enthielten alle Abflüsse eine breite Vielfalt an Mikroben – sogar der Abfluss einer neuen Intensivstation, die erst ein Jahr zuvor in Betrieb genommen wurde. Besonders beunruhigend war das Auftreten von Bakterienstämmen, die oft mit schweren Krankenhausinfektionen in Verbindung gebracht werden, darunter Pseudomonas aeruginosa, Klebsiella pneumoniae und Staphylococcus aureus.
Noch alarmierender war die Erkenntnis, dass die regelmäßigen Reinigungsverfahren keinen signifikanten Einfluss auf die Bakterienvielfalt hatten.
„Unsere Studie zeigt, dass Krankenhausabflüsse trotz strenger Reinigungsprotokolle eine wechselnde, aber beständige Bakterienpopulation beherbergen,“ erklärte die leitende Forscherin Margarita Gomila, Professorin an der Universität der Balearischen Inseln, in einer Pressemitteilung von Frontiers. „Diese Bakterien können von vielen Quellen stammen – Patienten, medizinischem Personal oder der Umwelt. Einmal im Abfluss etabliert, können sie sich ausbreiten und besonders für immungeschwächte Patienten eine Gefahr darstellen.“
Superkeime trotzen der Reinigung
In den meisten Proben fanden die Wissenschaftler Bakterien, die gegen mehrere Antibiotika resistent sind, darunter auch gefährliche Stämme von P. aeruginosa und K. pneumoniae. Einige Bakterien enthielten sogar ein besorgniserregendes Gen, das Resistenzen gegen Carbapeneme verleiht – eine Antibiotikaklasse, die oft als letztes Mittel gegen multiresistente Keime eingesetzt wird.
Die Forscher betonen jedoch, dass Krankenhäuser auf keinen Fall auf ihre Reinigungsmaßnahmen verzichten sollten. Aber angesichts der Hartnäckigkeit dieser Keime sei klar, dass zusätzliche Strategien notwendig sind, um ihre Ausbreitung zu verlangsamen oder zu stoppen.
„Regelmäßige und effektive Reinigungsprotokolle sind essenziell, insbesondere auf Stationen, die isoliert werden, um die Verbreitung von gefährlichen Bakterien zu verhindern“, erklärte der leitende Forscher José Laço, Doktorand im Labor von Gomila. „Aber um das Problem wirklich zu lösen, müssen wir verstehen, woher diese Bakterien stammen und wie sie sich ausbreiten.“
Fazit: Ein noch ungelöstes Problem
Die Ergebnisse dieser Studie unterstreichen, wie hartnäckig und anpassungsfähig antibiotikaresistente Bakterien in Krankenhausumgebungen sein können. Trotz intensiver Reinigungsmaßnahmen gedeihen sie in Abflüssen und stellen eine anhaltende Gefahr für Patienten dar. Die Forschung zu diesem Thema ist entscheidend, um neue, effektivere Methoden zur Eindämmung dieser Bedrohung zu entwickeln.
Krankenhäuser stehen vor der Herausforderung, ihre Hygieneprotokolle weiterzuentwickeln – denn eins ist klar: Ein einfacher Abfluss kann sich als tückisches Biotop für einige der gefährlichsten Keime unserer Zeit erweisen.