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Wissenschaft

Können wir 20.000 Jahre leben? Die Wissenschaft enthüllt die Grenzen menschlichen Lebens

Ist es möglich, dass Menschen Tausende von Jahren leben? Die Wissenschaft beginnt, die Grenzen der Langlebigkeit zu erforschen – und einige Expert*innen behaupten, der Schlüssel liege in der Biotechnologie und der Erforschung des Alterns. Andere hingegen setzen ein viel bescheideneres Limit: 150 Jahre. Erfahre, was die neuesten Studien über das maximale Alter des Menschen sagen.
Von Martín Nicolás Parolari Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Die Lebenserwartung ist in den letzten Jahrzehnten dank medizinischer Fortschritte und gesünderer Lebensgewohnheiten beeindruckend gestiegen. In manchen Ländern beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung heute 87 Jahre, und in sogenannten „blauen Zonen“ ist es keine Seltenheit, über 100 Jahre alt zu werden.

Doch Wissenschaftler*innen auf der ganzen Welt stellen sich die Frage: Gibt es wirklich eine Grenze für die menschliche Langlebigkeit? Können wir in Zukunft Tausende von Jahren leben – oder sind wir biologisch auf maximal 150 Jahre begrenzt?

Die 150-Jahre-Grenze: Wie weit kann der menschliche Körper gehen?

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Die Wissenschaft hat gezeigt, dass die durchschnittliche Lebenserwartung im letzten Jahrhundert deutlich gestiegen ist. Monaco führt die weltweite Rangliste mit 87 Jahren an, gefolgt von Japan (85 Jahre) und Ländern wie der Schweiz, Singapur, Italien, Südkorea und Spanien (84 Jahre). Der absolute Langlebigkeitsrekord liegt jedoch bei 122 Jahren – aufgestellt von Jeanne Calment.

Doch wie alt können Menschen wirklich maximal werden? Laut einer Studie von Fachleuten des Biotechnologieunternehmens Gero in Singapur und des Roswell Park Comprehensive Cancer Center liegt die Grenze bei 150 Jahren.

Wie kamen die Forschenden zu diesem Ergebnis?

Sie nutzten künstliche Intelligenz, um medizinische Daten von Hunderttausenden Menschen zu analysieren – unter Berücksichtigung von Lebensstilfaktoren und chronischen Erkrankungen. Der Fokus lag auf zwei zentralen Komponenten:

  • Biologisches Alter: beeinflusst durch Stress, Lebensstil und chronische Krankheiten.

  • Resilienz: die Fähigkeit, sich nach Stresssituationen schnell zu erholen.

Die Studie kam zu dem Schluss, dass trotz medizinischer und technologischer Fortschritte der menschliche Körper eine biologische Grenze hat, die 150 Jahre nicht überschreitet. Hauptgrund dafür ist der allmähliche Verlust der Resilienz – die Fähigkeit, sich von körperlichen Schäden oder schweren Krankheiten zu erholen.

Können wir Tausende Jahre leben? Die ehrgeizigste Theorie

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Obwohl die 150-Jahre-Grenze aus heutiger Sicht realistisch erscheint, sind nicht alle Expert*innen dieser Meinung. João Pedro de Magalhães, Absolvent der Harvard Medical School und Professor für Molekulare Biogerontologie an der Universität Birmingham, hat eine weitaus ehrgeizigere Vision.

In einem Interview mit El Independiente stellt Magalhães die Hypothese auf, dass Menschen eines Tages 1.000 bis 20.000 Jahre alt werden könnten. Seiner Meinung nach ist das Altern das Ergebnis genetischer Prozesse, die zwar in jungen Jahren für Entwicklung und Wachstum sorgen, später jedoch schädlich werden und den Verfall beschleunigen.

Wie wäre ein so langes Leben möglich?

Magalhães ist überzeugt, dass es möglich wäre, eine extreme Langlebigkeit zu erreichen, wenn alle Ursachen des Alterns und degenerativer Erkrankungen beseitigt würden. Dazu müsste die Überlebensfähigkeit auf dem Niveau junger Menschen erhalten bleiben – durch Beseitigung molekularer Schäden wie DNA-Verfall, Telomerverkürzung und Mitochondrienabbau.

Allerdings gibt der Wissenschaftler selbst zu, dass seine Theorie hochgradig spekulativ ist und auf technologischen Fortschritten basiert, die derzeit noch in weiter Ferne liegen. Dennoch bleibt die Vorstellung, Tausende Jahre zu leben, ein faszinierendes Thema für die Wissenschaft, die die biologischen Grenzen des Menschen erforscht.

Wissenschaft gegen das Altern: Ein unmöglicher Traum?

Der Traum von der Unsterblichkeit begleitet die Menschheit seit Jahrtausenden – doch heute wird er mit wissenschaftlicher Strenge untersucht wie nie zuvor. Auch wenn manche Visionen, wie die von Magalhães, futuristisch erscheinen, konzentriert sich die aktuelle Forschung auf die Verlängerung der Lebensqualität und die Prävention altersbedingter Krankheiten.

Die große Herausforderung besteht darin, die Regenerationsfähigkeit und Resilienz des Körpers über Jahrzehnte hinweg zu bewahren – etwas, das mit unserem heutigen Wissen schwer zu realisieren scheint.

Der Traum von der Unsterblichkeit lebt weiter

Auch wenn es im Moment unwahrscheinlich erscheint, dass Menschen in naher Zukunft Tausende von Jahren leben, schließen Wissenschaftler*innen nicht aus, dass Fortschritte in der Biotechnologie das Leben deutlich verlängern könnten. Vorerst gilt das Limit von 150 Jahren als realistisch – aber die Forschung zum Thema Altern öffnet weiter Türen ins Unbekannte.

Werden wir eines Tages die Gesetze der Biologie überwinden und eine extreme Langlebigkeit erreichen? Noch ist es ein ferner Traum – aber einer, der die Neugier und Vorstellungskraft weiter beflügelt.

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