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Wissenschaft

Kleindosen LSD helfen nicht wirklich bei ADHS, zeigt Studie

Eine neue Studie aus der Schweiz bringt Ernüchterung für alle, die auf LSD-Microdosing als Wundermittel bei ADHS gehofft haben. Laut der Untersuchung der Universität Basel bringen winzige Dosen der psychedelischen Substanz keine spürbare Verbesserung der Symptome – zumindest nicht mehr als ein Placebo.
Von Ed Cara Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Microdosing: Hoffnung vs. Realität

LSD ist bekannt für seine tiefgreifenden Effekte auf das Bewusstsein, doch wenn es um Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) geht, scheint der Stoff seine Grenzen zu haben. In einer kürzlich veröffentlichten klinischen Studie mit 53 Teilnehmenden konnten Forschende keine signifikanten Verbesserungen feststellen – obwohl die Betroffenen zwei Mal pro Woche Microdosen LSD einnahmen.

Die Studie, die im renommierten Fachjournal JAMA Psychiatry erschien, untersuchte erwachsene Menschen mit diagnostizierter ADHS im Alter zwischen 18 und 65 Jahren. Eine Hälfte der Gruppe bekam über sechs Wochen hinweg 20 Mikrogramm LSD, die andere Hälfte ein Placebo. Wichtig: Die Dosis liegt unter der typischen Freizeitdosis, zählt aber laut Forschenden zur oberen Grenze des Microdosings.

Keine echte Wirkung – aber viele glaubten trotzdem daran

Zwei Wochen nach Start der Behandlung berichteten sowohl die Placebo- als auch die LSD-Gruppe von Verbesserungen ihrer Symptome. Der Haken: Zwischen den Gruppen gab es keine statistisch relevante Unterschiede. Interessanterweise waren viele überzeugt, dass sie tatsächlich LSD bekommen hatten – selbst wenn sie nur das Placebo einnahmen. Das spricht dafür, dass die Verblindung der Studie gut funktioniert hat und die Erwartungen der Teilnehmenden eine große Rolle gespielt haben.

„Der vermeintliche Behandlungseffekt ist daher eher auf den Placebo-Effekt und die Erwartungshaltung zurückzuführen als auf die pharmakologische Wirkung der Substanz“, erklärt Studienleiter Lorenz Müller in einer Pressemitteilung der Universität Basel.

Sicher, aber nicht wirksam bei ADHS

Die gute Nachricht: Die niedrige LSD-Dosis wurde im Allgemeinen gut vertragen und zeigte keine besorgniserregenden Nebenwirkungen. Das heißt jedoch nicht, dass LSD bei ADHS wirkt – zumindest nicht in dieser Form oder Dosierung.

Die Forschenden betonen allerdings, dass LSD weiterhin Potenzial für andere Anwendungsgebiete haben könnte, insbesondere bei Depressionen oder posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) – vor allem in Kombination mit Psychotherapie. In diesen Fällen kommen jedoch deutlich höhere Dosen zum Einsatz, bei denen psychedelische Effekte ausdrücklich erwünscht sind.

Microdosing – ein überschätzter Trend?

Die Idee, mit winzigen LSD-Mengen Konzentration, Kreativität oder Stimmung zu verbessern, hat sich in den letzten Jahren zu einem regelrechten Trend entwickelt – besonders im Silicon Valley und auf Social Media. Viele Nutzer*innen schwören auf die angeblichen Effekte. Doch wissenschaftlich belegen lassen sich diese bislang kaum.

Die Basler Studie ist die erste ihrer Art, die Microdosing bei ADHS unter kontrollierten Bedingungen untersucht hat. Dass dabei keine überzeugenden Resultate herauskamen, dürfte viele überraschen – aber auch zeigen, warum Placebo-kontrollierte Studien so wichtig sind.

Forschung statt Wunschdenken

Die Autoren der Studie mahnen zur Vorsicht: Gerade weil psychedelische Therapie derzeit so viel öffentliche Aufmerksamkeit bekommt, brauche es besonders sorgfältige Forschung. Nur so lasse sich herausfinden, was wirklich wirkt – und was eher Wunschdenken oder Hype ist.

„Die Abweichung zwischen unserer Studie und früheren Beobachtungen unterstreicht, wie wichtig es ist, potenzielle Effekte von Mikrodosen in gut kontrollierten Studien zu untersuchen“, schreiben sie im Fazit.

Kurz gesagt: Auch wenn Microdosing spannend klingt und medial gefeiert wird – wer wirklich wissen will, was hilft, kommt um solide Wissenschaft nicht herum.

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