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Wissenschaft

Keine Opioide, keine Abhängigkeit: FDA genehmigt erstes neues Schmerzmittel seit Jahrzehnten

Suzetrigine verhindert, dass Schmerzsignale das Gehirn erreichen, und erzeugt kein opioidähnliches High – ist aber teuer.
Von Margherita Bassi Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Zur Behandlung akuter Schmerzen verschreiben Ärzte in den USA häufig Opioide: starke Schmerzmittel mit gefährlichen Nebenwirkungen, darunter ein hohes Risiko für Abhängigkeit und Überdosierung. Jetzt hat die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) eine vielversprechende Alternative zugelassen: ein neues nicht-opioides Schmerzmittel.

Ein neuer Hoffnungsträger in der Schmerztherapie

Die FDA hat Suzetrigine, unter dem Markennamen Journavx bekannt, für die Behandlung akuter Schmerzen bei Erwachsenen zugelassen – ohne Suchtrisiko. Suzetrigine ist die erste neue Klasse von Schmerzmitteln, die die Behörde seit über zwei Jahrzehnten genehmigt hat, und das erste Medikament seiner Art überhaupt. Die Ankündigung markiert einen bedeutenden Meilenstein in der Entwicklung sicherer Schmerzbehandlungen, wie die FDA gestern in einer Erklärung bekannt gab.

„Dies ist ein unglaublicher Tag für Patienten und Ärzte gleichermaßen, da wir nun eine zugelassene nicht-opioide Behandlung haben, die eine wirksame akute Schmerztherapie bietet und ein günstiges Sicherheitsprofil ohne Suchtpotenzial aufweist“, sagte Jessica Oswald, Mitglied des Vertex Acute Pain Steering Committee, in einer Erklärung des Unternehmens. Vertex Pharmaceuticals, ein Biotech-Unternehmen mit Sitz in Boston, entwickelte das neu zugelassene Medikament.

„Ich glaube, dass JOURNAVX das Schmerzmanagement neu definieren und zu einer grundlegenden Behandlungsoption für Menschen mit allen Arten von mäßigen bis starken akuten Schmerzen werden könnte – dort, wo dringend Alternativen zu Opioiden benötigt werden“, fügte sie hinzu. Seit 1999 sind Hunderttausende Amerikaner an einer Überdosis von Opioiden gestorben. Trotz dieser Epidemie verschrieben Ärzte in den USA allein im Jahr 2023 insgesamt 125 Millionen Opioid-Rezepte.

Opioide blockieren Schmerzsignale im Gehirn, indem sie Rezeptoren aktivieren und die Ausschüttung von Endorphinen – den körpereigenen Wohlfühlhormonen – fördern, was zu einem erhöhten Suchtrisiko führt. Suzetrigine hingegen blockiert selektiv Natriumkanäle auf schmerzempfindlichen Neuronen und verhindert so, dass das Schmerzsignal überhaupt ins Gehirn gelangt. Dabei verursacht es kein opioidähnliches „High“. Laut der Erklärung von Vertex gilt es als „wirksam“ und „gut verträglich“.

„Alle bisherigen Beweise deuten darauf hin, dass dieses Medikament keinerlei Suchtpotenzial hat“, sagte Richard Rosenquist vom Neurologischen Institut der Cleveland Clinic gegenüber NBC News. „In dieser Hinsicht unterscheidet es sich nicht von Paracetamol oder Ibuprofen.“

Terp Vairin, die 2023 an einer klinischen Studie für das Medikament nach einer Nasenoperation teilnahm, berichtete gegenüber Nature, dass sie sich nach der Einnahme von Suzetrigine „sehr klar“ fühlte und keine typischen Nebenwirkungen von Opioiden wie Benommenheit oder Übelkeit verspürte.

„Die heutige Zulassung ist ein historischer Meilenstein“, erklärte Vertex-CEO und Präsidentin Reshma Kewalramani in der Unternehmensmitteilung. „Wir haben die Möglichkeit, das Paradigma des akuten Schmerzmanagements zu verändern und einen neuen Behandlungsstandard zu etablieren.“

Ob Suzetrigine jedoch eine echte Alternative zu Opioiden werden kann, bleibt fraglich. Der hohe Preis – 15,50 US-Dollar pro 50-Milligramm-Tablette – könnte seine breite Anwendung erheblich einschränken.

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