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Wissenschaft

Katzen spielen viel öfter Apportieren, als man denkt

Studie zeigt: Auch Samtpfoten lieben das Apportieren – und zwar überraschend viele.
Von Ed Cara Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Apportieren ist nicht nur etwas für sabbernde Hunde. Eine aktuelle Studie der Purdue University zeigt: Auch Katzen holen sich gern mal geworfene Spielzeuge zurück – und zwar deutlich öfter, als bislang angenommen. Zwar sind Hunde nach wie vor die Apportier-Könige, aber viele Katzen sind überraschend eifrig bei der Sache.

Katzen beim Apportieren? Oh ja!

Die Forschenden wollten eigentlich herausfinden, wie häufig Apportierverhalten bei Haustieren wirklich vorkommt. Während das Bild vom apportierenden Hund ziemlich verbreitet ist, gibt es dazu tatsächlich kaum verlässliche Daten. Und bei Katzen? Da geht man meist davon aus, dass sie solche Spielchen eher ignorieren – zu unrecht, wie sich nun zeigt.

Zur Analyse griff das Forschungsteam auf Daten aus zwei umfangreichen Langzeitprojekten zurück, die das Verhalten von Haustieren untersuchen: Fe-BARQ (für Katzen) und C-BARQ (für Hunde). Beide Studien basieren auf ausführlichen Umfragen unter Haustierbesitzern, in denen unter anderem auch gefragt wird, wie gerne das Tier spielt – und ob es dabei zum Beispiel geworfene Dinge zurückbringt.

4 von 10 Katzen lieben’s, Dinge zurückzubringen

Das Ergebnis: Von über 8.000 befragten Katzenbesitzer*innen gaben rund 41 % an, dass ihre Katze regelmäßig oder zumindest gelegentlich apportiert. Einige verwendeten dabei sogar explizit den Begriff „Apportieren“, andere beschrieben, dass ihre Katze gerne Spielzeuge oder geworfene Gegenstände zurückbringt.

Bei den Hunden sah das Ganze wie erwartet noch deutlicher aus: In den Antworten von über 78.000 Hundebesitzer*innen zeigte sich, dass stolze 78 % der Vierbeiner regelmäßig apportieren.

„Die Umfragedaten zeigen, dass Apportierverhalten bei Katzen womöglich weiter verbreitet ist, als bisher angenommen“, schreiben die Forschenden in ihrer Studie, die im Fachjournal PLOS One veröffentlicht wurde. „Und bei Hunden liefern wir damit sogar die erste echte Schätzung zur Häufigkeit des Verhaltens überhaupt.“

Gemeinsamkeiten & Unterschiede zwischen Hund und Katze

Interessant: Bei beiden Arten war Apportieren besonders häufig bei jüngeren, gesunden und männlichen Tieren zu beobachten. Doch die Motivation dahinter scheint sich etwas zu unterscheiden. Bei Hunden hing das Verhalten stark mit ihrer Trainierbarkeit zusammen – je lernwilliger der Hund, desto öfter apportierte er.

Bei Katzen dagegen war eher die generelle Verspieltheit ausschlaggebend – je aktiver und neugieriger, desto höher die Apportier-Chancen. Außerdem war das Verhalten bei reinen Wohnungskatzen häufiger zu sehen als bei Freigängern.

Manche Rassen fallen besonders auf

© Ed Cara

Das Phänomen zieht sich zwar durch alle Rassen, aber es gab durchaus auffällige Häufungen: Besonders unter den Katzenrassen zeigten sich Burmesen, Siamkatzen und Tonkinesen als wahre Apportier-Fans. Spannend: Diese Rassen stammen aus einer frühen Phase der Domestizierung in Ostasien. Die Forschenden halten es daher für möglich, dass genetische Faktoren beim Apportierverhalten eine Rolle spielen könnten.

Bei den Hunden kamen vor allem erwartbare Apportier-Champions wie Retriever, Labradore oder andere Arbeitsrassen ganz groß raus – also jene Rassen, die ursprünglich fürs Jagen oder Hüten gezüchtet wurden.

Apportieren als Ausdruck von Spieltrieb – und Zuneigung?

Die Forschenden vermuten, dass Apportieren bei beiden Tierarten ein Mix aus natürlichem Jagdverhalten und sozialem Spieltrieb ist. Es könnte auch eine Art sein, wie Hunde und Katzen aktiv Beziehungen zu ihren Menschen pflegen und stärken.

„Wir hoffen, dass unsere Studie ein bisschen mehr Aufmerksamkeit auf das Apportierverhalten bei Katzen lenkt – sie werden ja oft als distanziert oder eigenbrötlerisch dargestellt“, sagt die Hauptautorin der Studie, Mikel Delgado, im Interview mit PLOS. „Dabei können sie total soziale Tiere sein – und Apportieren ist ein tolles Beispiel dafür, wie sehr sie die Interaktion mit Menschen genießen.“

Wer dachte, nur Hunde apportieren mit Begeisterung, unterschätzt Katzen gewaltig. Vielleicht lohnt es sich ja doch, das nächste Mal das Spielzeug zu werfen – und zu schauen, ob die Mieze nicht doch zurückkommt.

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