Nicht nur Menschen verlieren manchmal ihr Mittagessen. Man denke nur an Hunde oder Katzen – oder an das uralte Erbrochene, das kürzlich von einem Fossilienjäger in Dänemark entdeckt wurde.
Wissenschaftlich gesehen handelt es sich um ein Regurgitalit – die versteinerten Überreste des Mageninhalts eines Tieres. Es ist ein bemerkenswertes Fossil, das, ähnlich wie andere Spurenfossilien, zeigt, wie urzeitliche Tiere ihre Umwelt genutzt haben.
Ein erstaunlicher Fund aus der Kreidezeit
Der lokale Fossilienjäger Peter Bennicke entdeckte die versteinerten Überreste in einem Kreidestück in Stevns Klint, einer Steilküste auf der dänischen Insel Seeland. Der hochgewürgte Fund datiert auf vor 66 Millionen Jahren – die späte Kreidezeit, als die Dinosaurier unwissentlich ihre letzten Tage auf der Erde verbrachten.
Laut einer Mitteilung des Østsjællands Museums wurde das Exemplar gereinigt und von John Jagt, einem Experten für Seelilien, untersucht. Jagt stellte fest, dass es sich bei dem Erbrochenen um die Überreste zweier urzeitlicher Seelilienarten handelt, die so verklumpt und formlos sind, dass es den Anschein hat, als seien sie von einem Tier erbrochen worden. Die Forscher glauben nicht, dass die Seelilien von einem Dinosaurier im urzeitlichen Kreidemeer gefressen wurden, sondern von einem prähistorischen Fisch.
„Seelilien sind keine besonders nahrhafte Nahrung, da sie hauptsächlich aus kalkhaltigen Platten bestehen, die durch sehr wenige weiche Teile zusammengehalten werden“, erklärte Jesper Milan, Kurator am Geomuseum Faxe, in einer Pressemitteilung. „Aber hier haben wir ein Tier – vermutlich eine Art Fisch –, das vor 66 Millionen Jahren Seelilien fraß, die auf dem Meeresboden lebten, und die Skelettteile wieder hochwürgte.“
Mit anderen Worten: Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Fisch mit den unverdaulichen Bestandteilen der Seelilien keine Probleme hatte, da er sie einfach wieder ausspuckte, während er die verwertbaren Teile verdauen konnte.
Urzeitliches Erbrochenes rückt derzeit verstärkt in den Fokus der Wissenschaft. Ende letzten Jahres veröffentlichte ein Team von Paläontologen eine umfassende Analyse von Dinosaurier-Erbrochenem (und Kot!) aus dem heutigen Polen. Die in Nature veröffentlichten Erkenntnisse zeigten, wie Dinosaurier sich an ihre Umwelt anpassten und diese durch ihre Lebensweise beeinflussten. Erbrochenes und Fäkalien sind sogenannte Ichnofossilien, die belegen, wie eng das Leben in der Urzeit miteinander verknüpft war – und Regurgitalite sind ein bedeutendes Puzzleteil in diesem Bild.
Laut dem Østsjællands Museum wird das dänische Regurgitalit diesen Winter im Geomuseum Faxe ausgestellt. Wer es nicht nach Dänemark schafft, muss sich mit einem Foto begnügen – immerhin ohne den dazugehörigen Geruch, wofür wir alle dankbar sein sollten.