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Wissenschaft

Ist unser Trinkwasser riskanter als gedacht? Neue Studie warnt vor Chlorierungs-Nebenprodukten

Erhöhtes Krebsrisiko durch gechlortes Wasser
Von Ed Cara Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Eine neue wissenschaftliche Überprüfung legt nahe, dass die Desinfektion unseres Trinkwassers mit Chlor möglicherweise gesundheitliche Risiken birgt. Forschende des Karolinska-Instituts in Schweden haben einen Zusammenhang zwischen Chlorierungs-Nebenprodukten und einem erhöhten Risiko für Blasen- und Darmkrebs festgestellt.

Chlor wird seit Anfang des 20. Jahrhunderts routinemäßig zur Desinfektion von Trink- und Badewasser eingesetzt und hat entscheidend dazu beigetragen, gefährliche Krankheiten wie Typhus und Cholera einzudämmen. Doch Chlor hat auch Schattenseiten: Wenn es mit organischen Verbindungen im Wasser reagiert, entstehen sogenannte Desinfektionsnebenprodukte, darunter vor allem die sogenannten Trihalogenmethane (THMs). Bisherige Studien haben gezeigt, dass THMs bei Nagetieren krebserregend sein können. Ob sie jedoch auch für den Menschen gefährlich sind, war bislang unklar.

Neue Meta-Analyse deckt beunruhigende Erkenntnisse auf

Die schwedischen Forschenden haben 29 wissenschaftliche Studien analysiert, die sich mit der Frage beschäftigen, ob THMs das Krebsrisiko erhöhen. Die neuesten dieser Studien stammen aus dem Jahr 2023. Dabei konzentrierten sie sich auf 14 verschiedene Krebsarten, doch ein signifikanter Zusammenhang zeigte sich nur bei Blasen- und Darmkrebs. Menschen, die den höchsten THM-Konzentrationen ausgesetzt waren, hatten ein um 33 % erhöhtes Risiko für Blasenkrebs und ein um 15 % erhöhtes Risiko für Darmkrebs im Vergleich zu Menschen mit der geringsten Belastung.

Besonders alarmierend: Bereits ab einem THM-Gehalt von 41 Teilen pro Milliarde (ppb) trat dieses erhöhte Risiko auf – ein Wert, der deutlich unter den derzeitigen Grenzwerten in den USA (80 ppb) und der EU (100 ppb) liegt. „Unsere systematische Analyse deutet darauf hin, dass eine Exposition gegenüber THMs im Trinkwasser das Risiko für Blasen- und Darmkrebs erhöhen könnte“, schreiben die Forschenden in ihrer im Januar veröffentlichten Studie im Fachjournal Environmental Health Perspectives.

Wie können wir unser Trinkwasser sicherer machen?

Die Wissenschaftler:innen betonen, dass ihre Analyse noch keine endgültigen Beweise für eine direkte Ursache-Wirkungs-Beziehung zwischen THMs und Krebs liefern kann. Doch ihre Ergebnisse werfen Fragen auf: Sind die bestehenden Sicherheitsgrenzen ausreichend? Und gibt es bessere Alternativen zur Trinkwasseraufbereitung?

Moderne Methoden wie die UV-Desinfektion könnten eine Möglichkeit sein, um das Wasser ohne Chlor sicher zu machen. Ebenso könnte eine gezieltere Vorreinigung des Wassers helfen, die Bildung von THMs zu reduzieren. Doch bevor weitreichende Maßnahmen ergriffen werden, braucht es laut den Forschenden dringend weitere Untersuchungen.

„Was wir sehen, ist besorgniserregend, und wir brauchen dringend mehr hochwertige Studien“, erklärte die leitende Forscherin Emilie Helte gegenüber The Guardian.

Bis dahin bleibt die Trinkwasserchlorierung ein zweischneidiges Schwert: Sie schützt uns vor bakteriellen Infektionen, könnte aber gleichzeitig unser Krebsrisiko erhöhen. Wie groß diese Gefahr tatsächlich ist, müssen weitere Forschungen zeigen.

 

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