Der ewige Haustier-Vergleich bekommt neue Daten
Die Forschung, angeführt von Tiermediziner:innen der Universität Kopenhagen, wirft einen frischen Blick auf unsere emotionale Bindung zu Haustieren. Insgesamt wurden 2.117 Menschen aus Dänemark, Österreich und dem Vereinigten Königreich befragt – darunter 844 Hundebesitzer:innen, 872 Katzenbesitzer:innen und 401 Personen mit beiden Tieren. Die Kernfrage: Wie stark ist die emotionale Bindung zu unseren Haustieren wirklich?
Das Ergebnis: Hunde schneiden im Durchschnitt besser ab, was Pflege, emotionale Zuwendung und Bereitschaft zur medizinischen Versorgung betrifft. Allerdings variiert dieser Unterschied stark je nach Land – und in manchen Fällen ist er kaum noch messbar.
Dänemark liebt Hunde, Briten sind ausgeglichener
In Dänemark zeigen sich die größten Unterschiede: 41 % der Hundebesitzer:innen gaben an, im Notfall hohe Kosten für eine lebensrettende Behandlung ihres Tieres in Kauf zu nehmen – bei Katzenbesitzer:innen waren es nur 26 %. In Großbritannien hingegen sind die Zahlen fast gleichauf: 34 % bei Hunden versus 28 % bei Katzen – ein Unterschied, der statistisch kaum relevant ist.
Die österreichischen Werte liegen dazwischen, was laut den Forschenden auf kulturelle Unterschiede im Umgang mit Haustieren zurückzuführen sein könnte.
Von der Scheunenkatze zum Familienmitglied?
Studienleiter Peter Sandøe vermutet, dass die Beziehung zu Katzen in Dänemark historisch anders gewachsen ist als in Österreich oder Großbritannien. „Dänemark hat sich später urbanisiert als andere Länder, deshalb wurden Katzen hier lange eher als Nutztiere auf Bauernhöfen gesehen“, erklärt er. In Städten wie Wien oder London hingegen gehören Katzen schon länger ganz selbstverständlich zum häuslichen Leben – was auch ihre emotionale Aufwertung begünstigen dürfte.
Insgesamt macht die Studie deutlich: Wie wir unsere Haustiere sehen, ist nicht in Stein gemeißelt. Kulturelle Prägung, wirtschaftliche Faktoren wie die Kosten für Tierarztbesuche oder Versicherungen und sogar der städtische oder ländliche Lebensraum können beeinflussen, wie eng unsere Bindung zu Hund oder Katze wird.
Katzen auf dem Vormarsch – weltweit?
Obwohl Hunde aktuell noch öfter die „Pfote vorn“ haben, zeigt der Trend: Katzen holen auf. Besonders in Ländern wie Japan oder Südkorea, wo Katzen traditionell verehrt werden und Hunde häufiger als streunende Tiere gelten, könnten die Verhältnisse sogar umgekehrt sein.
Die Forschenden hoffen nun auf internationale Kooperationen, um die kulturelle Dimension dieser Tier-Mensch-Beziehung noch besser zu verstehen. Denn eins ist klar: Die emotionale Nähe zu Haustieren verändert sich mit der Zeit – und auch Katzen könnten bald denselben Status erreichen wie Hunde.
„Wenn man sich die Daten anschaut, gibt es keinen Grund zu glauben, dass Hunde für immer die Nase vorn haben werden“, sagt Sandøe abschließend.