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Wissenschaft

„Hoffnung auf Leben im All? Warum die Entdeckung auf K2-18 b mit Vorsicht zu genießen ist“

Haben Wissenschaftler wirklich ein Anzeichen für Leben auf einem fremden Planeten entdeckt?
Von Isaac Schultz Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Die jüngsten Daten des James-Webb-Weltraumteleskops (JWST) sorgten weltweit für Aufregung: Auf dem Exoplaneten K2-18 b, rund 120 Lichtjahre entfernt, wurde möglicherweise Dimethylsulfid (DMS) nachgewiesen – ein Molekül, das auf der Erde fast ausschließlich von marinem Plankton produziert wird. Doch so spektakulär das klingt: Fachleute mahnen zur Vorsicht.

Ein Ozeanplanet mit Potenzial – oder doch nicht?

K2-18 b umkreist einen roten Zwergstern in der sogenannten habitablen Zone – also dem Bereich, in dem flüssiges Wasser möglich wäre. Manche Forscher halten den Planeten für einen „Hycean“-Typ: heiß, mit Ozeanen bedeckt und einer wasserstoffreichen Atmosphäre. Klingt nach einem prima Ort für Leben.

Allerdings: Der DMS-Nachweis basiert lediglich auf einer Signifikanz von 3-Sigma – wissenschaftlich spannend, aber alles andere als ein Beweis. In vielen Medien wurde die Entdeckung dennoch als bahnbrechender Hinweis auf außerirdisches Leben gefeiert. Zu voreilig, finden viele Experten.

Was sagen die Wissenschaftler?

Oliver Shorttle, Planetenchemiker an der Universität Cambridge, bleibt skeptisch. „Die Entdeckung von DMS auf K2-18 b verschiebt die astrobiologische Nadel nicht“, sagt er. Denn um von einem echten Biosignatur-Nachweis zu sprechen, müsste:

  1. Sicher sein, dass das Signal wirklich vom Planeten stammt.

  2. Bewiesen sein, dass es sich eindeutig um DMS handelt.

  3. Ausgeschlossen werden, dass DMS auch auf nicht-biologische Weise entstehen kann.

  4. Eine biologische Entstehung nachvollziehbar sein.

Laut Shorttle seien selbst Punkt 1 und 2 noch nicht erfüllt. Und selbst wenn DMS vorhanden sei, spreche vieles dagegen, dass es von Leben stammt: Der Planet dürfte extrem heiß sein – eher mit einem Magma-Ozean als mit Wasser bedeckt.

Christopher Glein, Geochemiker am Southwest Research Institute, sieht das ähnlich. Das JWST sei bei K2-18 b bereits an seiner Leistungsgrenze. Es gebe unerklärliche Spektrallinien, die theoretisch zu DMS oder Dimethyldisulfid (DMDS) passen könnten – aber: „Wir brauchen dringend mehr astronomische Analysen.“ Selbst bei bestätigtem Vorkommen müsse man sehr vorsichtig mit biologischen Interpretationen sein. Die atmosphärische Chemie solcher Planeten sei noch kaum verstanden, und exotische Prozesse könnten uns überraschen.

Nikku Madhusudhan, Astrophysiker in Cambridge und Hauptautor der aktuellen Studie, hält dagegen: „Die Nadel bewegt sich ein kleines Stück Richtung Leben – aber wir müssen vorsichtig bleiben.“ Er betont, dass allein die Möglichkeit, über diese Daten diskutieren zu können, ein wissenschaftlicher Fortschritt sei. Weitere JWST-Daten in den nächsten ein bis zwei Jahren könnten mehr Klarheit bringen.

Kritik an der Veröffentlichung

Ignas Snellen, Exoplaneten-Experte an der Universität Leiden, hat genug von der DMS-Debatte: „Alles wurde völlig übertrieben.“ Laut Snellen hat das Forschungsteam lediglich ein paar „Beulen“ im Spektrum entdeckt – nicht einmal sicher, ob die real seien. Statt systematisch andere Erklärungen zu prüfen, habe man sich direkt auf DMS als Ursache gestürzt. „Wenn ich Gutachter gewesen wäre, hätte ich die Veröffentlichung gestoppt.“

Er sieht eine gefährliche Entwicklung: „Die Medien schreiben dann so etwas wie ‘nicht alle Wissenschaftler sind überzeugt’. Dabei ist es schlimmer – aber die meisten halten den Mund.“ Er warnt davor, dass überzogene Schlagzeilen dem Vertrauen in die Astronomie langfristig schaden könnten.

Zwischen Hoffnung und Realität

Sara Seager, Planetenforscherin am MIT, bringt es auf den Punkt: „Solche Hinweise werden wir vielleicht nie eindeutig bestätigen oder widerlegen können.“ Planeten wie K2-18 b würden daher bestenfalls zu „Biosignatur-Kandidaten“ – eine Art Warteliste im All.

Seager zeigt sich dennoch optimistisch: Mit mehr Belegen könnten K2-18 b und ähnliche Welten eines Tages als ernsthafte Kandidaten für außerirdisches Leben gelten. Doch bis dahin sei noch viel Arbeit nötig – und jede Menge wissenschaftliche Nüchternheit.

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