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Wissenschaft

Haben wir den Schlüssel zur Entdeckung der Dunklen Materie gefunden? Ein Laser und eine Atomuhr könnten die Antwort sein

Dunkle Materie gehört zu den größten Rätseln des Universums und macht etwa 85 % der gesamten Materie aus. Bis heute konnte sie nicht direkt nachgewiesen werden. Doch ein Team von Wissenschaftlern glaubt, einen innovativen Weg gefunden zu haben, um ihre Effekte mithilfe von Lasern und Atomuhren zu messen. Stehen wir kurz davor, dieses kosmische Geheimnis zu lüften?
Von Thomas Handley Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Dunkle Materie ist eine Form von Materie, die weder Licht aussendet, absorbiert noch reflektiert – sie ist für herkömmliche Teleskope unsichtbar. Ihre Existenz wird durch die gravitativen Effekte abgeleitet, die sie auf Galaxien und Galaxienhaufen ausübt und damit deren Struktur stabilisiert. Schätzungen zufolge besteht etwa 85 % der Materie im Universum aus Dunkler Materie, während die gewöhnliche Materie – also jene, aus der Atome bestehen – nur 15 % ausmacht.

Obwohl ihre genaue Zusammensetzung unbekannt ist, gibt es mehrere Theorien:
Sie könnte aus WIMPs (Weakly Interacting Massive Particles) bestehen.
Oder aus Axionen, hypothetischen Teilchen, die mit extrem schwacher Wechselwirkung existieren.
Manche vermuten, dass winzige primordiale Schwarze Löcher, die kurz nach dem Urknall entstanden, eine Rolle spielen.

Bislang konnte kein Experiment Dunkle Materie eindeutig nachweisen. Doch nun haben Wissenschaftler eine neue Methode entwickelt, die das ändern könnte.

Ein innovativer Ansatz zur Entdeckung Dunkler Materie

Istock
© iStock.

In den letzten Jahren haben zahlreiche Labore versucht, WIMPs mithilfe spezialisierter Detektoren zu erfassen. Doch der Nachweis von Axionen gestaltet sich als noch schwieriger.

Nun hat ein internationales Forscherteam eine neue Strategie vorgeschlagen: Sie setzen auf ultrastabile Laser und Atomuhren, die mit GPS-Satelliten verbunden sind, um die Auswirkungen Dunkler Materie zu messen.

Ashlee Caddell von der University of Queensland erklärt den Versuchsaufbau:

„Trotz zahlreicher Theorien und Experimente konnten Wissenschaftler Dunkle Materie – das unsichtbare ‚Bindemittel‘ unserer Galaxie – bisher nicht direkt nachweisen. Unser Ansatz nutzt ein Netzwerk von Lasern, das über Glasfaserkabel verbunden ist, sowie zwei Atomuhren, die an Bord von GPS-Satelliten im Orbit arbeiten. Da die Masse von Axionen extrem gering ist, verhält sich Dunkle Materie in diesem Fall wie eine Welle. Durch den Vergleich von zwei weit voneinander entfernten Uhren können wir Schwankungen in dieser Welle messen, die sich als minimale Unterschiede in der Zeitmessung zeigen. Dieser Effekt verstärkt sich, je weiter die Uhren voneinander entfernt sind.“

Das Team stellte fest, dass durch den Vergleich von Positionsmessungen über große Entfernungen die subtilen Effekte der oszillierenden Dunklen Materie-Felder erkennbar werden. Diese Effekte werden in traditionellen Experimenten oft ausgeglichen und bleiben somit unentdeckt – mit diesem neuen Ansatz lassen sie sich jedoch aufspüren.

Die Schlüsseltechnologie: Präzise Atomuhren

Nasa
© NASA.

Atomuhren gehören zu den präzisesten Zeitmessern der Welt. Sie nutzen die Schwingungsfrequenzen von Atomen, um den Zeitverlauf exakt zu bestimmen. Statt eines Pendels oder eines Quarzkristalls messen sie die Energieübergänge von Elektronen innerhalb eines Atoms – und erzeugen so eine extrem stabile Oszillation.

Wie genau sind diese Uhren?
Einige der fortschrittlichsten Atomuhren, etwa jene auf Basis von Strontium-Atomen, sind so präzise, dass sie in 15 Milliarden Jahren nur eine Sekunde Abweichung hätten.

Diese extreme Genauigkeit macht Atomuhren unverzichtbar für zahlreiche wissenschaftliche Anwendungen – von der Satellitennavigation bis zur Astrophysik. Sie wurden bereits genutzt, um Einsteins Relativitätstheorie zu bestätigen – und könnten nun auch die Entdeckung der Dunklen Materie ermöglichen.

Ein Schritt näher an der Lösung eines kosmischen Rätsels

Der neue Ansatz der Wissenschaftler erweitert die Möglichkeiten zur Detektion Dunkler Materie erheblich. Laut Dr. Benjamin Roberts, Mitautor der Studie, könnte diese Technik ein viel breiteres Spektrum an Theorien testen und einige der fundamentalsten Fragen zur Struktur des Universums beantworten.

Falls zukünftige Experimente diese Hypothese bestätigen, wäre das ein bahnbrechender Fortschritt in der Physik – und wir könnten einem der größten Rätsel des Kosmos endlich auf die Spur kommen.

Die Dunkle Materie, die bislang als unauffindbar galt, könnte schon bald kein Mysterium mehr sein.

 

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