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Wissenschaft

Große oder kleine Hunde – wer hat’s gesundheitlich schwerer?

Eine Studie des Dog Aging Project bringt frischen Wind in die altbekannte Debatte: Sind große Hunde tatsächlich ungesünder als kleine? Die Antwort ist – wie so oft – nicht ganz so einfach.
Von Ed Cara Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Die Forscher*innen des weltweit größten Langzeitprojekts zur Hundegesundheit haben herausgefunden, dass sowohl kleine als auch große Hunde ganz eigene gesundheitliche Baustellen mitbringen. Während größere Vierbeiner häufiger unter schweren Erkrankungen leiden und im Schnitt kürzer leben, sind kleinere Rassen keineswegs frei von Risiken – nur eben anderen.

Die Studie im Überblick

Veröffentlicht wurde die Untersuchung in der Fachzeitschrift PLOS One. Sie stützt sich auf Daten von über 27.000 Hunden aus 238 verschiedenen Rassen – ein echter Brocken an Information. Ziel war es, Zusammenhänge zwischen der Körpergröße und dem Auftreten bestimmter Krankheiten zu erkennen.

Klingt simpel, ist aber ziemlich komplex. Die Forscher*innen haben zahlreiche Faktoren berücksichtigt: das Geschlecht des Hundes, seine Umgebung, ob es sich um einen reinrassigen oder gemischtrassigen Hund handelt – und natürlich Alter und Größe.

Was macht große Hunde krank?

Die Ergebnisse zeigen: Große Hunde neigen deutlich häufiger zu bestimmten Gesundheitsproblemen als kleine. Dazu gehören unter anderem:

  • Krebs

  • Erkrankungen im Bereich Ohren, Nase und Rachen

  • Neurologische Störungen

  • Magen-Darm-Erkrankungen

Auch hormonelle Probleme wie eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) treten laut der Studie bei großen Hunden häufiger auf – ein überraschender Fund, da frühere Studien hier eher unentschlossen waren.

Das Gute daran: Hypothyreose lässt sich meist leicht diagnostizieren und behandeln. Sollte sich dieser Zusammenhang in weiteren Studien bestätigen, könnten gezielte Vorsorgeuntersuchungen große Hunde künftig besser schützen.

Und die kleinen Hunde?

Wer jetzt denkt, dass kleine Hunde auf der sicheren Seite sind, irrt leider. Auch bei ihnen gibt es typische Krankheitsbilder, die öfter auftreten:

  • Augenprobleme

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen

  • Leberleiden

  • Atemwegserkrankungen

In Sachen Nieren- und Harnwegserkrankungen gab es übrigens keinen klaren Unterschied – da sind große und kleine Hunde gleichermaßen betroffen.

Was heißt das jetzt für Hundehalter*innen?

Zunächst einmal: Diese Studie zeigt nur Korrelationen, keine Ursachen. Das heißt, sie kann nicht beweisen, dass die Größe allein eine Krankheit auslöst – aber sie legt starke Zusammenhänge nahe.

Und genau hier liegt der Wert der Forschung: Wer weiß, welche Risiken für welchen Hundetyp typisch sind, kann besser vorsorgen. Für große Hunde bedeutet das etwa, frühzeitig auf Symptome wie Lethargie oder Hautprobleme zu achten – mögliche Anzeichen einer Schilddrüsenunterfunktion. Bei kleinen Hunden kann ein wachsames Auge auf die Atemwege oder das Herz entscheidend sein.

Ein Projekt mit Langzeitwirkung

Das Dog Aging Project ist noch längst nicht am Ende – im Gegenteil: Es läuft über zehn Jahre und will langfristig aufdecken, was Hunde wirklich gesund und alt werden lässt. Und nicht nur Hunde. Die Forschenden hoffen, dass ihre Erkenntnisse auch auf den Menschen übertragbar sein könnten. Immerhin teilen wir mit unseren vierbeinigen Begleitern mehr, als man denkt – vom Wohnraum bis zu Umwelteinflüssen.

Besitzer*innen, die am Projekt teilnehmen, füllen regelmäßig Fragebögen zum Gesundheitszustand ihres Hundes aus. Einige liefern zusätzlich Tierarztunterlagen oder sogar Proben für spezifische Studien. So entsteht eine riesige, lebendige Datenbank, die Wissenschaft und Tiermedizin gleichermaßen revolutionieren könnte.

Größe ist (nicht) alles

Ob groß oder klein – jeder Hund hat sein Päckchen zu tragen. Die neue Studie macht deutlich, dass es keine „gesündere“ Hundegröße gibt, sondern unterschiedliche Risiken, auf die man achten sollte. Wer seinen Hund gut kennt, regelmäßig zum Tierarzt geht und auf Warnzeichen achtet, kann viel dafür tun, dass sein Vierbeiner lange gesund und glücklich bleibt.

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